Thorsten W. aus Hamm: Finanzier der rechten Terrorzelle

Verdächtiger aus Polizeikreisen

Der Polizei-Mitarbeiter Thorsten W. aus Hamm hatte offenbar vor, die unter Terrorverdacht stehende „Gruppe S.“ finanziell beim Kauf von Waffen zu unterstützen.

Hamm

21.02.2020, 10:56 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Polizeiwache in Bockum-Hövel. Hier arbeitete Thorsten W.

Die Polizeiwache in Bockum-Hövel. Hier arbeitete Thorsten W. © Henrik Wiemer

5000 Euro für den Ankauf von Waffen und Munition. Falls nötig, auch mehr Geld: Das ist nach gemeinsamen Recherchen des Westfälischen Anzeigers und „Der Spiegel“ der Betrag gewesen, den der Hammer Polizei-Verwaltungsbeamte Thorsten W. der unter Terrorverdacht stehenden „Gruppe S.“ zuschustern wollte.

50-jähriger Hammer wurde am 14. Februar festgenommen

Sechs Tage vor seiner Festnahme am Freitag, 14. Februar, soll der 50-jährige Hammer seine Investitionsbereitschaft in Minden geäußert haben. Dort fand ein Treffen der aus sechs Bundesländern stammenden zwölf Gruppen-Mitglieder statt. Bei früheren Geheimzusammenkünften der seit Herbst 2019 ins Visier der Ermittler geratenen mutmaßlichen Terrorzelle war er anscheinend nicht zugegen gewesen.

Thorsten W. unter Terrorverdacht: Waffen besorgen wollte er nicht

Thorsten W., der in seiner Freizeit gerne in Wikinger- und Germanenkutten schlüpfte, war demnach nicht derjenige, der die Waffen für die auf Politiker, Moscheen und Asylsuchende geplanten Attentate besorgen wollte. Das wollten zwei andere aus der Gruppe übernehmen.

Dabei hätte der Hammer Verwaltungsbeamte mit entsprechender krimineller Energie auf seiner Dienststelle, der Polizeiwache in Bockum-Hövel, möglicherweise doch an die dort im Tresor lagernden Maschinenpistolen und hunderte Schuss Munition gelangen können. Jedenfalls wurde diese Version in den letzten Tagen auch in Hammer Polizeikreisen diskutiert. Die Wache ist schließlich nachts nur mit einer Person besetzt, mit dem dort vorhandenen Arsenal hätte ein Massaker veranstaltet werden können...

Das Ganze ist offenbar nur graue Theorie. Anlass, an den Wachstrukturen etwas zu ändern, sehe man nicht, sagte eine Behördensprecherin auf Anfrage der Redaktion des Westfälischen Anzeigers.

Hamm: Thorsten W. zeigte rechte Gesinnung offen

Der Fall „Thorsten W.“ hatte unmittelbar die polizeilichen Oberbehörden auf den Plan gerufen. Vertreter des Innenministeriums, des Landeskriminalamtes und des Landesamtes für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten der Polizei NRW (LAFP) waren, wie bereits berichtet, im Hammer Präsidium, um nach in der Vergangenheit erfolgten Versäumnissen zu forschen.

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Thorsten W. hatte mit seiner rechten Gesinnung auch in der Behörde nicht hinterm Berg gehalten. Er las die „Junge Freiheit“, hisste 2018 auf seinem Balkon eine Reichskriegsflagge und schrieb seinen Namen am Briefkasten in deutscher Kurrentschrift. In seinem Auto klebt bis heute an der Mittelkonsole ebenfalls ein Reichsadler. Alles nichts Verbotenes und doch in der Summe vielleicht ein bisschen viel für einen Polizeimitarbeiter. Schon vor Jahren soll er mit einem Vorgesetzten wegen seiner nationalistischen Züge aneinandergeraten sein, Konsequenzen gab es offenbar keine.

Polizeimitarbeiter aus Hamm unter Verdacht: Kein Beamter in Uniform

Thorsten W. ist seit 1995 bei der Polizei und bearbeitet seit einigen Jahren im Verkehrskommissariat Ordnungswidrigkeiten-Verfahren. Er absolvierte zunächst die Ausbildung im mittleren Polizeidienst und danach eine zweite zum Verwaltungsbeamten. Als Polizist mit Uniform und Waffe hat er keinen Tag gearbeitet.

Zwei weitere Prüf-Fälle im Hammer Polizeipräsidium

Innerhalb des Hammer Präsidiums hatte der 50-Jährige anscheinend den einen oder anderen Gesinnungsgenossen. Zwei weitere Prüf-Fälle mit einer möglicherweise rechtsgerichteten Gesinnung im PP Hamm sind mittlerweile bekannt geworden.

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Nähere Angaben dazu machte der Hammer Polizeipräsident Erich Sievert am Freitag mit Hinweis auf laufende staatsanwaltschaftliche Ermittlungen nicht. Bei einem der beiden Verfahren habe sich der Anfangsverdacht aber bereits wieder zerschlagen.

Wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Dortmund auf Anfrage des Westfälischen Anzeigers erklärte, werde seit kurzer Zeit im Fall eines 28-jährigen Polizisten aus Hamm geprüft, ob strafbares Verhalten – insbesondere mit Blick auf den Tatbestand der Volksverhetzung – vorliege. Anlass seien Chatbeiträge des Beamten im Internet. Nach WA-Informationen ist der 28-Jährige bei der AfD Hamm aktiv.

Polizeipräsident kündigt Konsequenzen aus dem Fall Thorsten W. an

Sievert bedauerte am Freitag vor etlichen Medienvertretern, dass Hinweise auf eine mögliche rechte Gesinnung des Verdächtigen Thorsten W. nicht früher erkannt und verfolgt worden seien. Das Präsidium wolle nun Schritte einleiten, dass sich solche Versäumnisse nicht wiederholen können. Unter anderem werde eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die über Konsequenzen aus dem Fall beraten wird.

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