Täglicher Unterricht für Grundschüler: „Wir sitzen dann enger zusammen als in jedem Lokal“

dzAb 15. Juni

Heraus aus dem Corona-Unterrichtsmodus: Rund 13.500 Grundschüler im Kreis Unna sollen wieder täglich im Klassenzimmer erscheinen. Aus den Grundschulen kommt Kritik – auch wegen Aufweichung der Abstandsregel.

Kreis Unna

, 05.06.2020, 14:25 Uhr / Lesedauer: 2 min

Für rund zwei Wochen bis zu den großen Ferien sollen die Schulen wieder für alle Schüler öffnen. „Die Sinnhaftigkeit kann angezweifelt werden“, sagt Matthias Landsberg, Rektor der Schillerschule Unna-Massen und Sprecher der Unnaer Grundschulleiter. Dreimal so viele Kinder wie in den vergangenen Wochen müssten wieder gemeinsam in einer Gruppe lernen. „Wir sitzen in den Schulen dann enger zusammen als in jedem Lokal.“ 1,50 Meter Mindestabstand seien faktisch gekippt. Eventuell müssten auch im Unterricht Masken getragen werden. Dieses und viele andere Details würden am Montagmorgen gemeinsam mit der Schulaufsicht des Kreises Unna abgestimmt, kündigte Landsberg an.

Die Leiterin der Overberger Grundschule in Bergkamen, Melanie Ludwig, würde sich freuen, wenn sie am 15. Juni wieder alle Schüler begrüßen könnte. Allerdings war sie doch sehr überrascht von der kurzfristigen Information des Schulministeriums: „Mit der Kommunikation sind wir nicht zufrieden“, sagte sie. Sie wisse auch noch gar nicht, welche Auflagen sie umsetzen muss, um den vollständigen Schulbetrieb wieder aufzunehmen: „Da müssen wir abwarten, was in der nächsten Woche die Schulaufsicht sagt.“

In Holzwickede hat Matthias Aufermann, Fachbereichsleiter für Schule, Sport, Kultur, die Nachricht am Freitagmittag zur Kenntnis genommen. Er glaubt, dass sich die Kinder auf das große Wiedersehen freuen. Beim Sehen wird es zwischen den Klassen aber bleiben: „Die einzelnen Klassenverbände sollen strikt zusammenbleiben, es müssen Regeln für die Pausen getroffen werden – das wird jede Grundschule individuell für sich ausarbeiten müssen“, sagt Aufermann. Die Gemeinde als Schulträger will in der kommenden Woche das Gespräch suchen und abfragen, wie die Schulen die Pläne umsetzen wollen und wo man helfen könne.

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Dass irgendwann auch wieder alle Grundschüler zurückkehren werden, war klar. „Gedanklich befassen wir uns schon seit Wochen mit nichts anderem“, sagt Monika Corbach, Leiterin der Overbergschule in Fröndenberg. Konkretes wollten aber sowohl die Stadtverwaltung als auch die Leitungen der Grundschulen am Freitag noch nicht sagen. Das liegt auch daran, dass Abstimmungsgespräche zwischen der Stadt und den drei Fröndenberger Grundschulen erst für kommende Woche anberaumt sind.

Mail aus dem Ministerium

Grundschulen in NRW waren seit 16. März geschlossen, bis Anfang Mai zuerst die Viertklässler zurückkehrten und dann die übrigen Kinder. Unterricht findet tageweise rollierend nach Jahrgängen statt. Laut einer E-Mail des Schulministeriums vom Freitag sollen die Schulen ab 15. Juni zu einem Regelbetrieb „mit Unterricht möglichst gemäß Stundentafel“ zurückkehren. Bei Personalmangel kann Unterricht ausfallen.

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