Stipendium soll junge Ärzte in den Kreis Unna locken

Medizinstipendium

Der Kreis Unna lockt Medizinstudenten mit 500 Euro pro Monat – im Gegenzug müssen sich diese zu fünf Jahren Arbeit in der Region verpflichten. Bewerbungen sind ab sofort möglich.

Kreis Unna

, 02.06.2019 / Lesedauer: 3 min
Stipendium soll junge Ärzte in den Kreis Unna locken

Mit einem Medizinstipendium will der Kreis Unna angehende Ärzte in die Region locken. © picture alliance / Guido Kirchne

Insgesamt ist die Lage stabil, doch auch im Kreis Unna ist der Ärztemangel mittlerweile angekommen. Nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) liegt die hausärztliche Versorgung in Bergkamen nur bei 82,4 Prozent. Unterversorgt ist der sogenannte Mittelbereich damit noch nicht. Dennoch ist mit Problemen zu rechnen.

Auch im Rest des Kreises ist das Risiko gegeben. Denn viele Ärzte gehen in den kommenden Jahren in den Ruhestand und nicht jede Praxis kann wieder besetzt werden. Ein Grund dafür: Junge Mediziner zieht es eher in die Großstädte als in ländlich geprägte Regionen. Ein drohender Ärztemangel, dem der Kreis Unna nicht länger tatenlos zusehen will.

Aus diesem Grund hat der Kreistag im vergangenen Jahr ein neues Stipendienprogramm für Medizinstudenten verabschiedet. Mit Beginn des Wintersemesters 2019 sollen demnach zunächst drei Studierende mit monatlich 500 Euro gefördert werden. Im zweiten Förderjahr sollen sechs Studierende, im dritten neun und im vierten zwölf die finanzielle Förderung erhalten. Im Gegenzug verpflichten sich die angehenden Mediziner, nach dem Studium fünf Jahre im Kreis Unna zu arbeiten oder eine Weiterbildung zum Facharzt im Kreis Unna zu absolvieren.

Informationen für Bewerber

  • Ausführliche Informationen, das Antragsformular und weitere Bedingungen zum Medizinstipendium vom Kreis Unna sind unter https://www.kreis-unna. de/x/2X-f37b6b zu finden.
  • Angehende Mediziner, die sich um ein Stipendium bewerben, müssen neben dem Antragsformular auch einen Lebenslauf, eine beglaubigte Kopie vom Physikum-Zeugnis (falls noch nicht vorhanden: Anmeldebescheinigung zur Prüfung) und eine aktuelle Immatrikulationsbescheinigung einreichen.
  • Ansprechpartnerin beim Kreis Unna ist Thekla Pante vom Fachbereich Gesundheit und Verbraucherschutz, Platanenallee 16 in Unna, Tel. 02303/272754. Sie nimmt Bewerbungen auch per E-Mail an thekla.pante @kreis-unna.de entgegen.

Bewerbungen sind ab sofort möglich

Wer Humanmedizin studiert und eines der drei Stipendien erhalten möchte, kann sich ab sofort bewerben. Voraussetzung ist außerdem das bestandene Physikum, also der erste theoretische Teil der ärztlichen Ausbildung. „Da die Prüfungen aber erst Ende August anstehen, reicht für die Bewerbung die Anmeldungsbestätigung zur Prüfung“, erklärt Thekla Pante vom Fachbereich Gesundheit und Verbraucherschutz, die das Verfahren betreut. „Das beglaubigte Zeugnis kann nach Bestehen nachgereicht werden.“

Über die Vergabe der Stipendien entscheidet im Oktober ein Auswahlgremium, unter anderem besetzt mit Amtsarzt Dr. Roland Staudt. Nach welchen Kriterien die Studierenden ausgewählt werden, kann und will er nicht verraten. Die Entscheidung werde aber nicht allein an den Noten festgemacht. Es werde auch um die Einstellung zum Beruf gehen.

Stipendium ist kein Erfolgsgarant

Der Kreis Unna ist nicht der einzige, der im Kampf gegen den Ärztemangel auf Stipendien setzt. Auch im Hochsauerlandkreis und im Märkischen Kreis versucht man, auf diese Weise junge Mediziner zu locken. Doch ein Erfolgsgarant ist die finanzielle Förderung, die nicht zurückgezahlt werden muss, nicht. Denn nach den fünf verpflichtenden Jahren vor Ort können die Ärzte dem Kreis auch den Rücken kehren. Manche kaufen sich auch vor Ablauf der Frist aus dem Stipendium raus. Darüber hinaus ist nicht gesagt, dass auch jeder Medizinstudent seinen Abschluss schafft. In so einem Fall müsste der Förderbetrag allerdings zurückgezahlt werden.

Vielzahl unterschiedlicher Maßnahmen gefordert

Amtsarzt Staudt ist jedoch guter Hoffnung, dass sich die jungen Mediziner auch für einen Arbeitsplatz vor Ort entscheiden werden. „Während der Ausbildung lernt man nicht nur das Leben im Kreis kennen, sondern auch das Patientenumfeld. Da ist schon eher zu erwarten, dass jemand bleibt“, ist er überzeugt.

Die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe jedenfalls begrüßt das Engagement des Kreises. „Um die hausärztliche Versorgung in Westfalen-Lippe auch in Zukunft sicherzustellen, bedarf es einer Vielzahl unterschiedlicher und möglichst auch gut aufeinander abgestimmter Maßnahmen“, sagt Sprecherin Heike Achtermann. Hier seien das KVWL, aber auch Politik und Kommunen gefordert. „Und deshalb begrüßen wir beispielsweise die vom Land NRW im April gestartete Initiative ‚Landarztquote‘ ausdrücklich und genauso begrüßen wir auch das Engagement des Kreises Unna“, betont Achtermann.

Lesen Sie jetzt
Meistgelesen