Stationärer Handel ist dem Online-Handel nicht hoffnungslos ausgeliefert

dzHandelsreport der IHK

Die IHK im Ruhrgebiet haben ihren alle zwei Jahre aktualisierten Handelsreport veröffentlicht. Demnach bleibt der Einzelhandel prägend für Stadtzentren, verliert aber zunehmend an Dominanz.

Kreis Unna

, 24.10.2018, 13:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Depression im Einzelhandel kommt freilich nicht von ungefähr. Gleichwohl gäbe es keinen Grund zur Resignation, meint IHK-Präsident Heinz-Herbert Dustmann. Zwar setze das rasante Wachstum des Onlinehandels den stationären Handel zunehmend unter Druck, weshalb die überragende Dominanz des Einzelhandels vielerorts bereits zurückgehe. „Aber wir sind dem nicht hoffnungslos ausgeliefert“, appelliert Dustmann, ganz neue Konzepte zu denken. „Wir können über die Dunkelheit jammern, oder eine Kerze anstecken“, glaubt er an gute Perspektiven für Innenstädte und Nebenzentren. Aber: „Der Einzelhandel wird uns nur dann erhalten bleiben, wenn der Einzelhandel es richtig macht: Shoppen muss zum Erlebnis werden.“

Kaufhaus zu „Lifestyle-Store“ umgebaut

„Das Konzept Warenhaus oder Kaufhaus ist nicht tot - aber es muss auf die Bedürfnisse der Menschen zugeschnitten werden.“
Heinz-Herbert Dustmann

Heinz-Herbert Dustmann selbst macht vor, wie so etwas funktionieren kann: Er hat das traditionsreiche Kaufhaus Dustmann in Dortmund-Hombruch zu einem Lifestyle-Store umgebaut. Auf 4000 Quadratmetern Verkaufsfläche gibt es neben Mode und Accessoires von Premium-Marken unter anderem auch gastronomische Angebote der gehobenen Klasse. In der „Champagner-Café-Bar Barmundo“ können Gäste edlen Schaumwein zu Feinkost trinken oder im Restaurant „Daichi“ japanische Spezialitäten genießen. „Das Konzept Warenhaus oder Kaufhaus ist nicht tot - aber es muss auf die Bedürfnisse der Menschen zugeschnitten werden und darf sich nicht irgendwo in der Mitte positionieren“, so Dustmann, der meint: „Wir haben jetzt ein bisschen London und ein bisschen Paris hier in Dortmund.“

Einzelhandelskonzepte aufstellen und aktualisieren

Dass das auch in kleineren Städten wie Unna oder Kamen funktioniert - eher fraglich. Aber darum geht es auch gar nicht. „Wir fordern die Kommunen auf, kommunale und regionale Einzelhandels- und Zentrenkonzepte aufzustellen, zu aktualisieren und umzusetzen“, so IHK-Präsident Dustmann. Damit könne Investitions- und Planungssicherheit für alle Beteiligten geschaffen werden. Dabei müsse eben auch neues Denken erlaubt sein, sonst führe man einen Standort nicht in die Zukunft, ist Dustmann überzeugt. Jörg Lehnerdt, Leiter der Kölner Niederlassung der BBE Handelsberatung, pflichtet ihm bei. „Beim Einkaufen geht es um ein Erlebnis - und schnödes Shoppen im Internet ist nicht unbedingt ein Erlebnis“, ist der Fachmann überzeugt: „Gerade auch junge Leute machen aus dem Einkaufen ein ‚social event‘.“

Deshalb brauche der stationäre Einzelhandel eine Art Showroomcharakter. Und Lehnerdt mahnt: „Trotz einzelner Frequenzprobleme sollte man stationäre Standorte bloß nicht aufgeben.“ Ein Onlineshop sei nicht immer gut, mahnt er. In einzelnen Städten gebe es punktuell aber bereits Versuche von Einzelhändlern, sich im Verbund über lokale und regionale Plattformen zu vermarkten. „Das ist ein Pionierthema und steckt noch in den Kinderschuhen, überzeugend gelöst ist das noch nicht.“

  • Im Ruhrgebiet gibt es insgesamt rund 7 Millionen Quadratmeter Verkaufsfläche (Einzelhandel über 650 Quadratmeter); 505.393 Quadratmeter davon im Kreis Unna.
  • Nach Einschätzung der IHK‘s ist die Blütezeit von großen Shoppingcentern vorbei – zwischen 2016 und 2018 wurden erstmals keine neuen eröffnet.
  • Die Möbelbranche ist im Wandel: Der Markt wächst nicht mehr, durch Übernahmen festigen die großen Häuser ihre Marktstellung.
  • Die Flächen von Lebensmittelhändlern haben einen Höchststand erreicht – sie sind seit 2009 auf im Schnitt 1220 Quadratmeter Fläche stetig gewachsen. Viele kleine Märkte wurden aufgegeben.