In NRW gilt seit Montag, 0 Uhr, ein Kontaktverbot, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen. Die Kommunen müssen die neuen Regeln durchsetzen – eine große Herausforderung.

Kreis Unna

, 24.03.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bergkamens Bürgermeister Roland Schäfer, zugleich Präsident des Städte- und Gemeindebundes NRW, begrüßt die beschlossenen Maßnahmen und wirbt um Verständnis: „Ein Kontaktverbot greift erheblich in die Freiheitsrechte ein. Aber wir stimmen der Einschätzung von Bund und Ländern zu, dass wir strengere Vorgaben brauchen, um die Verbreitung des Coronavirus zu stoppen. Wenn es in den kommenden Tagen nicht gelingt, die Fallzahlen radikal zu senken, würde das unsere Krankenhäuser überfordern. Das dürfen wir nicht riskieren.“

„Polizei und kommunale Ordnungsbehörden werden konsequent kontrollieren und hart durchgreifen.“
Roland Schäfer, Präsident des Städte- und Gemeindebundes NRW

Zugleich kündigt er ein rigoroses Eingreifen der Ordnungskräfte an: „Durch die eindeutigen Regeln sollten auch endlich die den Ernst der Lage verstehen, die sich in den vergangenen Tagen auf unerträgliche Art und Weise fahrlässig verhalten haben und noch in Gruppen unterwegs waren. Sie können sicher sein: Polizei und kommunale Ordnungsbehörden werden konsequent kontrollieren und hart durchgreifen.“

Unnaer zeigen viel Verständnis

Platzverweise seien bisher in Unna allerdings nicht nötig gewesen, berichtete das Ordnungsamt der Kreisstadt Unna am Montagnachmittag. „Wir stoßen bisher auf viel Verständnis“, sagte Heike Güse, Leiterin der Ordnungsbehörde.

Ihre Außendienstmitarbeiter sind regelmäßig und flächendeckend im gesamten Stadtgebiet unterwegs, um darauf zu achten, dass sich niemand über das erlaubte Maß hinaus draußen aufhält. Im Zweifel klären die Außendienstler die Bürger auf und bitten sie, nach Hause zu gehen. Kontrolliert werde regulär bis 20 Uhr, bei Bedarf aber auch später, ein Bereitschaftsdienst sei rund um die Uhr erreichbar.

Einige Geschäfte geschlossen

Etwa eine Handvoll Geschäfte hätten die Außendienstler bis zum Nachmittag schließen müssen. In der Regel aber sei jeweils die Rechtslage etwas unklar gewesen, berichtet die Stadt. Im Gespräch hätten sich die Geschäftsinhaber schnell einverstanden erklärt.

Jetzt lesen

Den Fall, dass Bürger das Fehlverhalten anderer melden, habe es bisher einmal gegeben. „Wir appellieren weiterhin an die Vernunft der Bürger, die Kontaktsperren einzuhalten“, sagte Heike Güse.

Bergkamens Ordnungsamt mit vier Kräften unterwegs

In Bergkamen ist der städtische Ordnungsdienst mit zwei jeweils zwei Mitarbeitern besetzten Fahrzeugen unterwegs, um zu kontrollieren, ob sich alle an die neuen Regeln halten. Zudem fährt ein Polizeiwagen Streife, in dem zwei Bezirksbeamte sitzen. „Es ist mit der Polizei vereinbart, dass wir sie bei Bedarf kurzfristig zu Hilfe rufen können“, sagte Heiko Brüggenthies vom Ordnungsamt. Bisher sei das aber noch nicht nötig gewesen.

Gruppen auf vier Schulhöfen angetroffen

Die meisten Bergkamener halten sich offenbar an das Kontaktverbot. Allerdings nicht alle, wie Brüggenthies berichtet. Auf vier Schulhöfen musste der Ordnungsdienst eingreifen, weil sich dort Gruppe von vier bis sechs Leuten getroffen hätten. Dabei handelte sich nach Brüggenthies‘ Angaben um Jugendliche und junge Erwachsene. Die Ordnungshüter hätte ein „freundliches Gespräch“ mit ihnen geführt, dann hätten sich die jungen Leute getrollt.

„Wir sind noch in der Erklärphase.“
Heiko Brüggenthies vom Ordnungsamt Bergkamen

Mit Sanktionen müssen sie wohl nicht rechnen – noch nicht. „Wir sind noch in der Erklärphase“, sagt Brüggenthies. Aber die Geduld des Ordnungsamtes ist endlich. Falls die Mitarbeiter in den kommenden Tagen noch Menschen entdecken, die sich in Gruppen mit mehr als zwei Personen treffen, werden diese um Strafen nicht herumkommen.

Bei Geschäften und Restaurants hält Brüggenthies diese Gefahr nach den bisherigen Kontrollfahrten für geringer: „Die Bergkamener Gewerbetreibenden halten sich offenbar an die Regeln.“

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Pandemie
Coronavirus im Schmallenbach-Haus eingedämmt – Weiterer Todesfall – Panne bei Tests