Unnas Hackerclub „näht“ Schutzmasken mit dem 3D-Drucker

dzCoronavirus

Weil medizinische Schutzausrüstung zur Mangelware wird, ist Improvisieren angesagt. Helfen mit den jeweils eigenen Mitteln, das haben sich auch Unnas Hacker vorgenommen. Ihr 3D-Drucker läuft heiß.

Unna

, 03.04.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das hochfrequente Summen ist das Geräusch dieser Zeit für die Mitglieder der UN-Hack-Bar. Ihr Raum an der Morgenstraße ist im Schichtbetrieb besetzt, um den 3D-Drucker zu überwachen, der fast den ganzen Tag lang durchläuft. Für Serienfertigung von Industriegütern ist er eigentlich nicht gedacht. Aber in Zeiten wie diesen muss getan werden, was funktioniert.

Der Hackspace in Unna ist Teil eines Netzwerkes, das mit modernen Mitteln einen Beitrag leisten will gegen den Mangel an Schutzausrüstungen für Ärzte und Pflegepersonal. Was für Handarbeitserfahrene das Nähen von Gesichtsmasken ist, dafür setzen die technikaffinen Anhänger der Hackerkultur den Computer mit seiner Hardware ein.

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„Maker vs Virus“ heißt das Projekt. Der „Maker“ steht für 3D-Drucker, Lasercutter und jeden, der damit umgehen kann. Das Projekt fertigt „Face Shields“, jene durchsichtigen Visiermasken, die medizinisches Personal bei der Arbeit nah am Patienten vor Tröpfcheninfektionen schützen soll.

Das Konstruktionsprinzip ist einfach: Eine durchsichtige Scheibe wird auf einen Kunststoffbügel gezogen, der sie am Kopf des Trägers befestigt. Außergewöhnlich in diesen Zeiten ist, dass die Fertigung aus zweckentfremdeten Materialien erfolgt.

Der Ausgangsstoff: Das Filament kommt auf Rollen in den Drucker, der unter Hitzeeinsatz dreidimensionale Werkstücke aufbaut.

Der Ausgangsstoff: Das Filament kommt auf Rollen in den Drucker, der unter Hitzeeinsatz dreidimensionale Werkstücke aufbaut. © Udo Hennes

Für die Scheiben habe der Club eine Spende aus einem Baumarkt erhalten. Die UN-Hack-Bar konnte die großen Bögen mit eigenen Mitteln nur grob zuschneiden und gab sie weiter an Netzwerkpartner, die über ein programmierbares Laserschneidgerät verfügen. Einige Bögen sind geschnitten zurückgekommen, um in Unna auf die Bügel gezogen zu werden, die der 3D-Drucker aus Filament formt. Andere werden andernorts montiert. Das ganze läuft dezentral und aus Sicht des außenstehenden vielleicht chaotisch. Aber es läuft.

Die Programme für 3D-Drucker und Lasercutter sind frei verfügbar

Möglich wird es, weil das Schnittmuster einheitlich ist. Schon zu Beginn des Corona-Ausbruchs in Europa habe der Geräteanbieter Prusa in Abstimmung mit dem Gesundheitsministerium in Tschechien eine einfache Konstruktion für einen Gesichtsschutz erstellt, der nun als Programm für alle Besitzer eines 3D-Druckers verfügbar ist, erklärt Rene Niederdraeing von der UN-Hack-Bar.

Von 8 bis mindestens 22 Uhr, manchmal aber auch bis tief in die Nacht läuft die Fertigung. Etwa 75 Minuten braucht der Drucker, um ein Kopfteil gefertigt zu haben. Der tägliche Ausstoß der UN-Hack-Bar beträgt daher lediglich „15 Stück plus“ am Tag.

Um möglichst viele Schutzvisiere fertigen zu können, braucht es daher eine möglichst hohe Druckerkapazität. Daran arbeitet die UN-Hack-Bar, und sie kann darauf bauen, dass die Apparate inzwischen doch einige Verbreitung gefunden haben.

Nach einem Defekt des eigenen Druckers im Hack Space habe die Sparkasse ein Gerät ausgeliehen – und gleich noch den Tipp mitgeliefert, dass sie in der Vergangenheit den Kauf einiger Apparate für Unnaer Schulen unterstützt habe. Rene Niederdraeing streckt nun in diese Richtung seine Fühler aus: Wo immer ein 3D-Drucker steht und sich jemand findet, ihn zu beaufsichtigen, könnten die Produktionskapazitäten entsprechend hochgefahren werden. Ob mit Stoff, Nadel und Faden oder mit Filament und Laserdrucker: Der Kampf gegen die Versorgungsengpässe bei medizinischer Schutzausstattung ist eine Gemeinschaftsaufgabe.

Für die Beaufsichtigung des 3D-Druckers sucht die UN-Hack-Bar noch Helfer, die kleinere Zeitfenster abdecken. Eine kurze Einweisung werde erteilt und reiche dann auch aus. Freiwillige können sich per E-Mail melden: info@unhb.de.
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