Schulen und Kindergärten schließen wegen des Coronavirus. Kinderbetreuung wird ab Montag zur Herausforderung. So soll es im Kreis Unna funktionieren.

Kreis Unna

, 13.03.2020, 16:44 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wenn Schulen und Kindertagesstätten zur Eindämmung des Ansteckungsrisikos nicht regulär öffnen, steht vor allem bei jüngeren Kindern in vielen Fällen ein massives Betreuungsproblem im Raum. So wollen die einzelnen Städte und Gemeinden zur Lösung beitragen.

Kitas in Unna

Die Stadt Unna hat am Freitagnachmittag angekündigt, dass eine Notbetreuung eingerichtet werden soll. So ist es geplant: Bis einschließlich Dienstag können Eltern von Schulkindern selbst entscheiden, ob sie ihre Kinder zur Schule schicken. Die Schulen stellen an diesen beiden Tagen während der üblichen Unterrichtszeit eine Betreuung sicher, heißt es in einer Mitteilung der Stadt.

Ab Mittwoch, 18. März, muss die Betreuung von Schulkindern anders geregelt werden. Eltern werden gebeten, in ihrem sozialen Umfeld nach Betreuungsmöglichkeiten zu suchen, wenn sie nicht selbst zu Hause bleiben können. Die Stadt Unna richtet in jedem Stadtteil eine Notbetreuung ein. Sie soll aber nur in Ausnahmefällen zur Verfügung stehen: wenn die Eltern systemwichtige Berufe haben oder in unverzichtbaren Funktionsbereichen arbeiten. Damit sind insbesondere Frauen und Männer gemeint, die im Gesundheits- oder Rettungswesen arbeiten.

All das gilt für Kindergartenkinder und ihre Familien schon ab Montag, 16. März. Die Landesregierung hat ein Betretungsverbot für Kindergärten ausgesprochen, das ab Montag gilt und das in Unna so interpretiert wird: Es dürfen nur Kinder zum Kindergarten gebracht werden, wenn die Eltern zu den oben genannten besonderen Berufsgruppen gehören.

Eine Info-Hotline für Unnaer Familien ist ab Montag um 8 Uhr freigeschaltet: (02303) 103-111. Dort sollen Eltern anrufen, die auf die Notbetreuung angewiesen sind. Am Telefon soll im Einzelnen geklärt werden, ob für die Familie eine Ausnahmeregelung aufgrund der Elternberufe gilt, ob sie ihr Kind also betreuen lassen können - und vor allem, wie und wo.

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Kitas in Kamen

In Kamen wird es ab Montagmorgen eine Notbetreuung geben vor allem für Eltern, die aus den für den Bevölkerungsschutz notwendigen Berufsgruppen kommen – wie Ärzte, Kranken- und Altenpfleger, Polizisten, Feuerwehrleute und Pharmazeuten. Insgesamt gibt es 19 Kindergärten unterschiedlicher Träger, wie Kirchengemeinden, Awo, Pusteblume, Familienbande und DRK.

Über eine E-Mail, die am Samstag an die Träger verschickt wird, soll zunächst der Bedarf ermittelt werden. Am Montag, 12 Uhr, sind Vertreter der Kitas ins Rathaus eingeladen, um die Details festzuzurren. „Bis diese feststehen, haben wir die Träger gebeten, auch am Montag noch an allen Standorten eine Notbetreuung möglich zu machen“, so Sprecher Peter Büttner. Für die Dauerlösung habe man schon Räume im Blick, müsste aber über das Wochenende noch letzte Absprachen treffen. „Das wird möglichst schnell geschehen“, so Büttner.

Kitas in Fröndenberg

Einer der größten Kita-Träger im Kreis Unna ist die Awo mit 32 Einrichtungen, in Fröndenberg betreibt die Arbeiterwohlfahrt zwei. Der Krisenstab des Awo-Unterbezirks Ruhr-Lippe-Ems zeigte sich am Freitagnachmittag wenig amüsiert über die aus seiner Sicht sehr späte Anordnung der Landesregierung.

Es sei im Detail noch völlig unklar, in welcher Weise die Notgruppen in den Kitas eingerichtet werden sollen, so Pressesprecher Sebastian Laaser. Man warte praktisch stündlich auf konkrete Vorgaben, die von den zuständigen Behörden kommen müssten. Dabei gehe es unter anderem um die Frage, wie Eltern, die zu den begünstigten Berufstätigen gehören, diesen Umstand nachweisen können.

Praktisch stünden ab Montag alle Eltern vor den Türen der Kitas – einige Kinder werden aufgenommen, andere wiederum abgewiesen. „Das wird zu Unfrieden führen“, befürchtet Daniel Frieling, Kita-Abteilungsleiter beim Awo-Unterbezirk.

Landrat Michael Makiolla habe man bereits am Freitagmorgen über die Bereitschaft informiert, eine zentrale Einrichtung zu öffnen, um Kindern von medizinischen Fachkräften oder Polizisten und Feuerwehrleuten zu betreuen.

Weil Eltern nicht rechtzeitig informiert werden konnten, würden nun die Mitarbeiter aller Kitas am Montagmorgen zunächst erscheinen.

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Kitas in Holzwickede

Der Evangelische Kirchenkreis Unna betreibt unter anderem in Holzwickede Kindertageseinrichtungen. Auch dort zeigt man sich nicht grundsätzlich von der Schließungsverfügung überrascht, hält aber den Zeitpunkt am Freitagnachmittag um 14.30 Uhr für „unglücklich“, so Dietrich Schneider. „Das haben andere Länder deutlich klüger gemacht“, findet der Pressesprecher des Kirchenkreises. Die Verfügung der Landesregierung sei sofort an alle Kitas weitergeleitet worden; er gehe davon aus, dass sich die Kita-Leitungen nun kurzfristig eine Lösung, wie Notgruppen eingerichtet werden können, einfallen lassen. „Es wird vorkommen, dass Eltern am Montagmorgen unbedarft vor der Kita stehen“, so Schneider. Wer sicher sein will, ob sein Kind betreut werden kann, setzt sich daher am Montagmorgen am besten telefonisch mit der Kita in Verbindung.

Kitas in Bergkamen

In Bergkamen bleiben ab Montag alle 22 Kindergärten geschlossen. Die Stadt hat jedoch mit den Trägern vereinbart, dass Notgruppen eingerichtet werden, Details sind noch nicht bekannt. Aber schon jetzt ist klar, dass nur Kinder dort aufgenommen werden, deren Eltern wegen der Berufstätigkeit zwingend auf eine Betreuung angewiesen sind. Die Schließung ist zunächst bis zu den Osterferien geplant. Etwas besser sind Eltern dran, deren Kinder von Tagesmüttern betreut werden. „Die Tagesmütter sind zwar auch verunsichert“, sagte Sozialdezernentin Christine Busch. Aber weil sie sich um maximal fünf Kinder gleichzeitig kümmern, dürfen sie arbeiten.

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