Coronavirus und Schulen: Forderungen nach „Corona-Ferien“ werden laut

dzCoronavirus

Die Schulen im Kreis Unna erhöhen die Vorsichtsmaßnahmen gegen das Coronavirus. Manche Schüler und Lehrer fordern inzwischen Corona-Ferien wie in Italien.

Unna

, 12.03.2020, 12:01 Uhr / Lesedauer: 2 min

Am Pestalozzi-Gymnasium in Unna hängen seit Mittwoch Wandspender mit Desinfektionsmittel an den Schuleingängen. Diese Maßnahme hat die Schule als Prävention gegen das Coronavirus getroffen.

Wirklich geschützt fühlen sich viele Schüler dadurch aber nicht. Sie wünschen sich drastischere Maßnahmen. Bestenfalls, bevor der Ernstfall eintritt.

Das Wort „Corona-Ferien“ ist in den vergangenen Stunden und Tagen immer häufiger zu hören und zu lesen. So verkündete die Schutzgemeinschaft angestellter Lehrer „SchaLL.NRW“ am Mittwoch die Forderung, NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer solle alle Schulen ab dem 20. März schließen, um eine weitere Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen.

Jetzt lesen

Ihr Argument: An Schulen mit mindestens 1000 Schülerinnen und Schülern plus Lehrpersonal finde jeden Tag eine Großveranstaltung statt, wie sie das Land ja inzwischen per Erlass untersagt. Der Virologe Alexander Kekulé fordert schon länger Corona-Ferien: Schulen und Kindergärten sollten seiner Meinung nach 14 Tage lang geschlossen bleiben. Bisher hat das Land NRW aber „nur“ sämtliche Klassenfahrten und Ausflüge bis Ostern abgesagt.

Schüler wünschen Schließung der Schule

Auch am Pestalozzi-Gymnasium in Unna gibt es Schüler, die eine Schulschließung befürworten. „Wir sind rund 700 Schüler. Wenn es regnet, bleiben wir in der Pause alle im Gebäude. Da bleibt eine Ansteckung im Ernstfall nicht aus“, sagt ein Schüler. Ein anderer sagt, er benutze das Desinfektionsmittel daher erst gar nicht: „Wenn jemand quer durch den Raum hustet, kriegt man das Virus eh“, sagt er.

Ein wenig anders sieht das Schülerin Alina Funke. Sie habe sich in den letzten Tagen auch privat regelmäßig die Hände desinfiziert und würde in der Schule natürlich nicht darauf verzichten. „Immer, wenn meine Mitschüler mein Desinfektionsmittel gesehen haben, wollten sie auch etwas davon abhaben“, sagt sie.

Coronavirus ist Gesprächsthema Nr. 1 an der Schule

Durch die Wandspender ist der Zugang nun allen Schülern und Lehrkräften möglich. Schulleiterin Angelika Remmers will so für ein sicheres Gefühl sorgen. „Bei uns ist das Thema Corona natürlich auch präsent, eine Panikmache will ich aber vermeiden“, sagt Remmers.

Jetzt lesen

Im Unterricht werde mit den Lehrern viel über das Coronavirus gesprochen, erzählen die Schüler. „Einige Lehrer glauben, dass die Schulen bald schließen werden“, sagt Alina Funke. Auch sie wäre dafür und sagt: „Ich fände es besser, wenn unsere Schule bereits jetzt schließt, und nicht erst, wenn tatsächlich jemand am Coronavirus erkrankt ist.“

Schulleiterin: „Wir warten ab und reagieren besonnnen“

Solche Maßnahme seien derzeit aber nicht geplant, betont Schulleiterin Remmers. „Ich darf die Schule ohnehin nicht im Alleingang schließen“, sagt sie. Sie halte sich da an die Anweisungen des Landes. „So lange warten wir ab und reagieren besonnen.“

Jetzt lesen

Eine Klassenfahrt nach Südtirol, die in diesen Tagen stattfinden sollte, hat die Schulleitung bereits abgesagt. Alternativen für die Fahrt gebe es derzeit nicht. „Wohin denn auch zum jetzigen Zeitpunkt?“, sagt Remmers. Ob und wie das Geld für die Fahrt zurückerstattet werden kann, wird derzeit noch geklärt.

„Das Wichtigste ist jetzt, dass meine Schüler und Lehrkräfte geschützt sind“, sagt Remmers. Dafür sollen auch die Handspender mit Desinfektionsmittel sorgen. Ob es tatsächlich zu einer Schließung und „Corona-Ferien“ kommt, scheint derzeit völlig offen.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Coronavirus
Coronavirus: Bürger melden Polizei zahlreiche Verstöße gegen das Kontaktverbot im Kreis Unna
Hellweger Anzeiger Coronavirus
Abitur ohne Prüfungen: Schülerin (18) aus Unna hält Durchschnittsabitur für alternativlos
Hellweger Anzeiger Kinder- und Jugendhospizdienst
Kontaktverbot wegen Corona: Hospizdienst in Sorge um schwer kranke Kinder und Familien