Die Unnaer Tafel zieht die Notbremse: Mit der Schließung von vier Ausgabestellen reagiert der Verein auf eine kurzfristige Personalnot. Die Schließung trifft rund 600 Kunden.

Kreis Unna

, 21.12.2018, 15:00 Uhr / Lesedauer: 1 min

„Wir haben bis zuletzt gewartet und gehofft, dass es noch eine Lösung gibt, aber keine Zusage bekommen“, sagte Tafel-Chefin Ulrike Trümper am Freitag im Gespräch mit unserer Redaktion. Der Kreis Unna und das Jobcenter hätten noch versucht, den Verlust von 32 geförderten Stellen kurzfristig über die Schaffung neuer Arbeitsgelegenheiten („Ein-Euro-Jobs“) aufzufangen, doch diese seien so schnell einfach nicht zu besetzen.

Schließung gilt ab sofort

Deshalb habe der Vorstand des gemeinnützigen Vereins Unnaer Tafel, dem Trümper vorsteht, nach einem letzten Krisengespräch mit Landrat Michael Makiolla und Kreis-Sozialdezernent Torsten Göpfert keine andere Wahl mehr gesehen, als vier von neun Ausgabestellen zum 1. Januar zu schließen. Wobei die Schließung im Prinzip ab sofort gilt, da die Ausgabe nach der traditionellen Weihnachtspäckchen-Aktion über die Feiertage sowieso immer geschlossen hat.

Schließung der vier Tafel-Ausgabestellen trifft 600 Kunden

35 Mitarbeiter, die sich bislang um die Abholung, Sortierung und den Transport der Lebensmittel für die Unnaer Tafel gekümmert haben, fehlen ab Januar. Und nur drei neue geförderte Stellen sind der Tafel bisher sicher. © Christoph Schmidt

Kunden können andere Ausgabestelle aufsuchen

Betroffen sind die kleineren Ausgabestellen in Unna-Massen, Bönen, Fröndenberg und Holzwickede – insgesamt rund 600 Kunden, so Trümper. Diese werden über die Medien und Aushänge an den Türen über die missliche Situation informiert. Und gleichzeitig darauf hingewiesen, dass ihnen die Türen der übrigen fünf Ausgabestellen in Königsborn, Bergkamen, Lünen, Werne und Selm offen stehen. „Es scheitert ja nicht an der Ware, sondern an der Belieferung“, so Trümper. Denn die Mitarbeiter, die bisher über das auslaufende Teilhabe-Programm bei der Tafel beschäftigt waren, haben sich vor allem um den Transport gekümmert.

Schließung der vier Tafel-Ausgabestellen trifft 600 Kunden

Erst vor wenigen Tagen haben die Männer und Frauen und der Gruppe „Mit Rat und Tat“ über 100 Weihnachtspäckchen an die Kunden der Tafel in Holzwickede verteilt. Es war die vorerst letzte Ausgabe in der Emschergemeinde – die Ausgabestelle im evangelischen Gemeindehaus wird ebenso wie die Dependancen in Bönen, Fröndenberg und Unna-Massen geschlossen. © Marcel Drawe

Möglicherweise vierter Ausgabetag in Königsborn

Mit der nun drastisch verkleinerten Mannschaft setzt die Tafel erst einmal die Priorität darauf, wenigstens den Betrieb in den großen Ausgabestellen aufrecht zu halten. Ulrike Trümper stellt sogar in Aussicht, in der Zentrale in Königsborn einen vierten Ausgabetag anzubieten, wenn der Bedarf dafür entstehe.

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Die Hoffnung auf baldige Besserung in personeller Sicht hat sie außerdem nicht aufgegeben. „Das Jobcenter“, sagt sie, „hat uns in den fast 15 Jahren unseres Bestehens niemals hängen lassen.“

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Die fünf verbleibenden Ausgabestellen der Tafel und ihre Öffnungszeiten

  • Bergkamen, Evangelisches Gemeindehaus, Goekenheide 7, Dienstag 11.30 bis 13 Uhr
  • Königsborn, Dorotheenstraße 32, Dienstag (A-L) 11 bis 12.30 Uhr, Mittwoch (Kunden mit Schwerbehindertenausweis, A-Z) 9 bis 10 Uhr, Freitag 14 bis 15.30 Uhr
  • Lünen, Am Lindeneck 3, Donnerstag 11.30 bis 13 Uhr
  • Selm, Evangelisches Gemeindezentrum am Markt, Willy-Brandt-Platz, Freitag 15 bis 16.15 Uhr
  • Werne, Burgstraße 22, Mittwoch 10 bis 11.30 Uhr
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