Weniger Fälle dank Wachsamkeit: Worauf es beim Einbruchschutz wirklich ankommt

dzAktionswoche der Polizei

Die dunkle Jahreszeit ist die Hochzeit der Wohnungseinbrüche. Seit Jahren kämpft die Polizei dagegen an, fährt Streife und informiert. Mit Erfolg: Die Fallzahlen sinken.

Kreis Unna

, 24.10.2018, 17:09 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zwei gute Nachrichten vorweg: Erstens: Im Vergleich zum Vorjahr sind 2018 bislang mit 322 Wohnungseinbrüchen genau 83 weniger Fälle zu verzeichnen. Zweitens: Mittlerweile bleibt es bei fast der Hälfte aller Einbrüche lediglich beim Versuch.

Das ist freilich nur ein kleiner Trost für diejenigen, die trotzdem Opfer von Einbrechern geworden sind. Neben dem materiellen Verlust, wiegen die psychischen Folgen einer solchen Tat zumeist viel schwerer. Das Sicherheitsgefühl in den eigenen vier Wänden geht verloren.

Türen und Fenster sichern

„Gegen einen Einbruch wappnet man sich am besten durch Sicherheitsvorkehrungen an Türen und Fenstern“, sagt Kriminalhauptkommissar Andreas Kaltenberg. Gemeinsam mit Manuel Schockenhoff berät er, welche Maßnahmen und Investitionen diesbezüglich sinnvoll sind – nicht nur während der landesweiten Aktionswoche „Riegel vor! – Sicher ist sicherer!“, die noch bis zum 31. Oktober im Kreis Unna läuft.

Schockenhoff ist übrigens kein Polizist, sondern Metallbaumeister – und technischer Berater bei der Kreispolizeibehörde. Durch seine berufliche Erfahrung kann er bei der Beratung für die beste Absicherung des Heims auf eine Menge technisches Know-How zurückgreifen. Wie wichtig das ist, zeigt sich bei den regelmäßigen Beratungsterminen für Hausbesitzer. „Wir erkennen deutlich, dass die Notwendigkeit, in den Einbruchschutz zu investieren langsam in dem Köpfen der Menschen ankommt“, sagt Schockenhoff. Drei bis vier Beratungen von Bürgern seien es täglich im Schnitt. „Die Beratung ist kostenlos und lohnt sich in mehrerer Hinsicht“, ergänzt Andreas Kaltenberg. „Wir hatten bei den Terminen vor Ort schon eine Menge Fälle, in denen die Bewohner bereits investiert hatten. Bei genauerer Betrachtung mussten wir dann aber feststellen, dass der Einbruchschutz doch nicht gegeben war“, berichtet der Kommissar weiter. Die Auswahl und der Einbau qualitativ hochwertiger Sicherungstechnik, verlange Fachkenntnis.

„Ich will da jetzt keinem Handwerker zu nahe treten, aber wir hatten einen Fall, da hatte sich eine Dame eine Terrassentür einbauen lassen und auch ausdrücklich nach Einbruchschutz gefragt. Doch was wir da vor Ort gesehen haben, entsprach eben nicht den Anforderungen“, erinnert sich Schockenhoff.

Zertifizierte Betriebe

Es gibt im Kreis Unna Betriebe, die vom Landeskriminalamt zertifiziert sind, die Installationen von Einbruchschutzmaßnahmen vorzunehmen. Die Empfehlung nach einer Beratung lautet dann seitens der KPB oft, eben diese zu beauftragen. Was jedoch der Hauseigentümer letztlich macht, bleibt natürlich ihm überlassen. Oftmals sei es schlicht eine Frage des Geldes. „Da muss jeder selbst wissen, wie viel ihm seine Sicherheit wert ist“, so Kaltenberg.

Und die folgenden Vorkehrungen kosten rein gar nichts:

1. Nachbarschaft: Man muss nicht mit dem Kissen auf dem Fensterbrett liegen, aber ein wenig Wachsamkeit schadet nicht. „Wer verdächtige Personen oder Fahrzeuge beobachtet, darf ruhig die 110 wählen“, betont Kommissar Kaltenberg. Am besten sofort, damit die Beamten die Personen vor Ort überprüfen können. „Das schreckt auch ab.“

2. Garten: 70 Prozent der Einbrüche erfolgen über den hinteren Zugang zum Haus. Es sollte also auch eine Gartenhütte oder ein Geräteschuppen gesichert werden. Denn im Zweifel werden dort noch Werkzeuge oder gar eine Leiter aufbewahrt, die Täter dann für den Einbruch ins Haus nutzen können. Oftmals führen sie nämlich lediglich einen großen Schraubendreher zum Aufhebeln mit sich.

3. Abschließen: Auch beim Gang „nur mal eben“ zum Bäcker gilt es, Türen und Fenster zu verriegeln und nicht „auf Kipp“ zu lassen. Ein Einbruch geht schneller als der Brötchenkauf.

Riegel vor – beim Fenster am besten mit Pilzzapfen
Weniger Fälle dank Wachsamkeit: Worauf es beim Einbruchschutz wirklich ankommt
Rollzapfen: Bei diesem Fenster sind sogenannte Rollzapfen verbaut. Beim Schließen, als Hebel nach unten, schieben sie sich in die rundliche Vertiefung auf der linken Seite und blockieren somit, dass das Fenster geöffnet werden kann. Sicherheitsexperten, wie auch Einbrecher wissen aber um die Schwachstelle dieser Verriegelungstechnik. Setzt man an dieser Stelle einen Hebel an, lässt sich das Fenster so weit anheben, dass der Zapfen über den metallenen Verschluss gehoben wird und daran vorbeigleitet. Wenn nicht sogar gleich das Metall, das bei älteren Fenstern oft nur Gussmaterial ist, sofort bricht.
Weniger Fälle dank Wachsamkeit: Worauf es beim Einbruchschutz wirklich ankommt
Pilzzapfen: Bei den Pilzzapfen bietet die Verriegelung einen Schutz gegen genau die Schwachstelle der Rollzapfen. Der Kopf des Zapfens schiebt sich beim Verschließen des Fensters – oder der Tür – unter eine Metallkante und hält somit das Fenster auch dann an Ort und Stelle, wenn Hebeldruck ausgeübt wird. Natürlich auch nur bis zu einem gewissen Punkt, doch gegen das Lieblingswerkzeug der Einbrecher – einen großen Schlitzschraubendreher – auf jeden Fall wesentlich länger. Zudem sind diese Verschlüsse meist aus stabilerem Material, wie Edelstahl und bieten auch dadurch besseren Schutz. Im Bild zu sehen ist die Befestigung mit drei Schrauben im Gegensatz zu der einen Schraube bei dem Beispiel mit dem Rollzapfen.