Die Lockerungen gehen weiter: Seit Montag darf auch die Gastronomie wieder öffnen. Einige Restaurants im Kreis Unna sind schon geöffnet, andere tasten sich erst langsam heran. Ein Überblick.

Kreis Unna

, 11.05.2020, 17:55 Uhr / Lesedauer: 4 min

Unna

Das Restaurant Meisterhaus hat in den vergangenen Wochen auf Liefer-und Abholservice umgestellt. Die Rückkehr zum Regelbetrieb erfordere erneut eine Umstellung. „Es ist nichts so wie vorher, wir befinden uns in einem absolut ungewissen Gefilde“, sagt Geschäftsführer Daniel Gala. In dem Restaurant, wo Gala sonst etwa 100 bis 150 Leute bewirtet hat, dürfen aufgrund der aktuellen Vorschriften nur etwa 40 bis 50 Leute Platz nehmen. Deswegen hat er auch seine Öffnungszeiten angepasst. Das Restaurant Meisterhaus öffnet vorerst nur von Mittwoch bis Sonntag. Spätestens ab nächster Woche soll auch der Biergarten geöffnet sein. Der Abhol- und Lieferservice habe sich während der Corona-Krise etabliert, daher bleibe er vorerst auch weiterhin bestehen.

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Gasthaus Agethen: Pünktlich zu den erlaubten Lockerungen öffnete auch Karl-Heinz Schürmann vom Gasthaus Agethen die Pforten. Seit diesem Montag ist die Gaststätte täglich ab 17 Uhr geöffnet. Dass sich das jedoch rentiert, glaubt Schürmann nicht. „Ich mach das jetzt mehr aus Spaß an der Freude“, sagt er. „Oder als Kundenwerbung.“ Weil maximal zwei Haushalte an einem Tisch sitzen dürfen, fallen die Stammtische weg, die sonst einen Großteil der Kundschaft bilden. Auch die Theke muss geschlossen bleiben. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass das vernünftig läuft“, sagt Schürmann, „aber für die Gäste öffne ich natürlich trotzdem gerne.“

Auch das Ristorante im Rathaus empfängt wieder Kunden. Wie schnell sich ab dann Normalität einspielt, weiß Fernando Melfi noch nicht. „Wir schauen jetzt erstmal, wie die Kunden die Lockerungen annehmen“, sagt er. Danach entscheide sich auch, wie lange das Restaurant abends geöffnet bleibe. Ausschließlich freuen kann sich Melfi über die Lockerungen jedoch nicht, die Abstandsregelungen machen ihm zu schaffen. „Wir Italiener mögen es familiär. Die Vorschriften sorgen jedoch für Distanz“. Melfi fragt sich etwa, wie eine höfliche Bedienung gelingen könne, ohne den Kunden zu nahe zu kommen. „Ich kann die Teller ja auch nicht mit Abstand auf den Tisch schmeißen“, sagt er.

Auch das Gasthaus Agethen in Unna öffnet am Montag seine Pforten: Ab 17 Uhr dürfen Gäste unter den geltenden Abstandsregelungen hier einkehren.

Auch das Gasthaus Agethen in Unna öffnet am Montag seine Pforten: Ab 17 Uhr dürfen Gäste unter den geltenden Abstandsregelungen hier einkehren. © Nogaj Vivien

Kamen

Das Stadthallen-Restaurant „Lokaltermin“ startet am Mittwoch, 11.30 Uhr, zunächst mit zwei Tagesgerichten. „Wir haben erst einmal ein wenig reduziert, um zu gucken, wie die Resonanz ist“, berichtet Gastronomieleiter Kai Kober. Bis zu 40 Gäste finden nach den aktuellen Richtlinien Platz, wenn Sauerbraten mit Salzkartoffeln oder dicke Bohnen mit Speck bestellt werden können. Das bisherige Buffet gibt es nicht mehr. „Wir freuen uns, dass es wieder losgeht“, spricht Kober auch für die beiden Mitarbeiter, die in Küche und im Service arbeiten. Kober rechnet damit, dass durch die neuen Vorschriften die Betriebskosten steigen – auf die Essenspreise soll sich das aber nicht auswirken.

Im Café Extrablatt berichtet Geschäftsführer Fikri Basaran, dass die Wiedereröffnung der Filialen in Kamen an der Kampstraße und in Unna am Marktplatz mit einigen Unwägbarkeiten verbunden wart. Denn die Nachfrage der Kunden angesichts der Corona-Auflagen war schwer einzuschätzen, sodass er nicht weiß, wie viele Mitarbeiter er aus der Kurzarbeit zurückholen kann. Im Lokal in Kamen stehen jetzt zur Einhaltung der Abstandsregeln außen 21 Tische und innen 15 Tische weniger. Gäste müssen den Mundschutz nicht nur beim Betreten des Lokals, sondern auch beim Gang zur Toilette tragen. Der Geschäftsführer kritisiert die scharfen Auflagen für den Betrieb. Damit habe die Politik die Verantwortung auf die Gastronomen abgewälzt.

Auf Handdesinfektion wird am Eingang geachtet.

Auf Handesinfektion wird am Eingang geachtet. © Stefan Milk

Bergkamen

In der „Schützenheide“ in Bergkamen war Wirt Sascha Djuric bestens vorbereitet. „Unser Hygiene-Konzept steht und zwischen den Tischen ist genügend Abstand“, sagt er. „Jede Tischgruppe erhält wie gefordert einen Fragebogen, der auszufüllen ist. Damit werden wir der Nachweispflicht gerecht.“ Um nach dem Besuch seiner Gäste die Desinfektion besser vornehmen zu können, verzichtet er auf Tischdecken. „Reservierungen sind ausdrücklich erwünscht, damit wir am Ende den Besuch unserer Gäste besser planen können“, freut sich Djuric auf Kundschaft.

Im Restaurant Olympia in Weddinghofen musste sich Srboljub Krunic nach den Corona-Lockerungen etwas umstellen. „Salz und Pfeffer sowie Öl und Essig stehen bei uns nicht mehr auf dem Tisch, sondern werden auf Wunsch den Gästen gebracht. Anschließend muss alles desinfiziert werden. Zudem ist nur noch jeder zweite Tisch besetzt“, erklärt er. Aber auch das griechische Spezialitäten-Lokal kann auf seine Stammgäste zählen. „Noch ist es etwas ruhig, da sich die neue Situation erst einmal herumsprechen muss“, sagte er am Mittag. Die ersten Tische für den Abend waren aber auch schon reserviert.

Im Restaurant „Am Yachthafen“ in der Marina Rünthe blickte Inhaber Eldin Murtic nach der Eröffnung zufrieden drein. „Es ist kaum zu glauben, aber schon jetzt liegen die ersten Reservierungen für den Abend und für Dienstag vor. Ich bin so stolz auf meine Stammkunden, die uns die Treue halten.“ In seinem persönlichem „Yachthafen“ darf seit Montag nur jeder zweite Tisch angesteuert werden. Die übrigen sind durch Markierungen gesperrt. Es gilt die Abstandsregelung und das ansonsten offene Salatbuffet bleibt zunächst geschlossen.

Im Stadtkrug von Christa Jansen in Kamen weist ein Schild auf die Regeln hin

Im Stadtkrug von Christa Jansen in Kamen weist ein Schild auf die Regeln hin. © Stefan Milk

Fröndenberg

Das Landhaus Püttmann in Frömern wird dagegen seine Wirtschaft vorerst noch nicht öffnen. „Bei uns wird geknobelt, getanzt und gesungen“, sagt Wirtin Christel Püttmann. Weil der Thekenbetrieb, das gesellige Stehen am Tresen, noch nicht erlaubt ist, sei eine Öffnung unter den behördlichen Vorgaben sehr schwierig zu realisieren. Dass sich Kneipengänger auf Abstand verteilt an Tische im Gastraum setzen – kaum vorstellbar. Sie befürchte auch, dass die Lockerungen wieder zurückgenommen werden könnten, wenn der Virus sich doch wieder stärker ausbreitet. Dann müsse sie womöglich wie schon im März ein weiteres Mal Ware aus ihrem Kühlhaus „verschenken“.

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„Zur Schönen Aussicht“, das traditionsreiche Restaurant auf der Hohenheide, wird am Dienstag wieder öffnen. „Viele waren neugierig und haben schon angerufen, wann es wieder losgeht“, verrät Inhaber Jadranko Nadarevic. Die starken Monate April und Mai mit den Ostertagen, dem 1. Mai und Muttertag seien leider schon vorüber. Nadarevic hofft, dass auch die Senkung der Umsatzsteuer auf Speisen, die im Lokal verzehrt werden, den Betrieben hilft.

Holzwickede

Die Pizzeria Venezia an der Nordstraße hatte am Montag das erste Mal seit dem Corona-Lockdown wieder Gäste, die Pasta und Pizza vor Ort genießen können. Es ist eines von wenigen Restaurants in Holzwickede, die am Montag keinen Ruhetag haben und daher gleich zu Beginn der Woche die Stühle wieder von den Tischen auf den Boden gestellt haben.

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