Es ist die größte Spende aus der Bürgerschaft, die die Unnaer Tafel je erhalten hat – und sie kommt von den Lesern unserer Zeitung: 27.200 Euro sind bei der Aktion Zeitungsspende 2018 zusammen gekommen.

Kreis Unna

, 20.12.2018 / Lesedauer: 4 min

Als sie den Betrag auf dem übergroßen Scheck zu sehen bekommt, werden Ulrike Trümpers Augen feucht. Vor Freude, Rührung – und Dankbarkeit. Die Unnaer Tafel erhält eine Summe von 27.200 Euro aus der Aktion Zeitungsspende – eine größere Einzelspende aus der Bürger- oder Unternehmerschaft hat die Lebensmittel-Ausgabe für Bedürftige zuvor nie erhalten. Trümper, die ehrenamtliche Vorsitzende der Tafel, sucht nach Worten, sagt dann: „Es ist großartig, dass so viele Menschen ihre Zeitung für uns gespendet haben. Es ist eine wahnsinnige Summe, das ist so toll, das haben wir noch nie bekommen.“ Möglich gemacht haben die Summe in der Tat sehr, sehr viele Menschen – nämlich alle Abonnenten, die ihre Zeitung während der Urlaubszeit gespendet haben. Bei jeder Zustellungsunterbrechung fragen die Mitarbeiterinnen unserer Geschäftsstellen nach, ob die Zeitung statt einer Gutschrift an eine soziale Einrichtung wie Seniorenheime gespendet werden soll. Bejaht der Leser dies, legt der Zeitungsverlag Rubens zum Dank pro Exemplar und Tag 50 Cent in einen Spendentopf. Dieser füllt sich über das Jahr langsam, aber stetig – und am Ende kommt immer eine beachtliche Summe zusammen, die einem guten Zweck direkt vor Ort zugute kommt.

Rekordspende für die Tafel – und eine ganz bittere Nachricht

„Wir bekommen keine öffentlichen Zuschüsse. Ohne die Spenden von Bürgern und Unternehmen gäbe es uns gar nicht“, sagt Tafel-Chefin Ulrike Trümper. © Claudia Pott

„Wir sind als Verlag nur der Vermittler, überreichen die Spende stellvertretend für unsere Leserinnen und Leser“, erklärt Geschäftsführer und Verleger Hans-Christian Haarmann und führt aus, dass „über sehr viele kleine Beiträge etwas Großes zusammenkommt“.

Es ist längst gute Tradition, dass zur Übergabe des Spendenschecks auch Leser unserer Zeitung eingeladen werden. Auch Christine Wierike, Günter Joost und Gabriele Welau-Joost zeigten sich ob der stolzen Summe beeindruckt – und betonten, wie einfach es sei, auf diesem Wege zu helfen. Denn für den einzelnen Spender handelt es sich um Beträge, die kaum spürbar seien und wahrlich nicht „weh tun“.

4000 Kunden

Umso größere Wirkung entfaltet aber die Summe, die unter dem Strich steht, für die Begünstigten. Im konkreten Fall profitiert die Arbeit der Unnaer Tafel, die mit 120 ehrenamtlichen Helfern seit fast 15 Jahren an neun Ausgabestellen im ganzen Kreisgebiet Lebensmittel an Bedürftige verteilt. 4000 Kunden zählt die Tafel, darunter nicht nur Langzeitarbeitslose, sondern auch viele Alleinerziehende oder Senioren, die sich den Einkauf im normalen Supermarkt kaum leisten können.

Neues Kühlfahrzeug

Was die Tafel mit der Spende anfangen wird, weiß Ulrike Trümper übrigens schon ganz genau: Ein neues Kühlfahrzeug für die Lebensmittel soll angeschafft werden, das jetzige ein 15 Jahre alter Diesel sei, der bereits 250.000 Kilometer abgespult habe, immer häufiger ausfalle und nicht mehr überall fahren dürfe.

Rekordspende für die Tafel – und eine ganz bittere Nachricht

Brotkörbe in der Tafel-Ausgabe im evangelischen Gemeindehaus Holzwickede: Die Unnaer Tafel sieht sich aufgrund großer personeller Nöte gezwungen, vier Ausgabestellen im Kreis Unna mindestens für drei Monate zu schließen. © Marcel Drawe

Vier Ausgabestellen müssen schließen

Wie prekär die finanzielle Lage der Tafel und wie groß der Unterstützungsbedarf ist, machte am Donnerstag auch eine andere, traurige Nachricht deutlich: Weil über 30 staatlich bezahlte Mitarbeiter-Stellen zum Jahresende wegfallen, verkündete die Tafel die Schließung von vier Ausgabestellen zum 1. Januar. Betroffen sind Unna-Massen, Bönen, Holzwickede und Fröndenberg.

Anstrengende Arbeit

Der Hintergrund: 35 Männer und Frauen sind bisher im Zuge des Beschäftigungsprogramms „Soziale Teilhabe“ bei der Tafel vor allem in der Abholung und Verteilung der Lebensmittel auf die Ausgabestellen tätig. Sie leisten eine anstrengende körperliche Arbeit, haben schwere Kisten zu heben und tragen. Die 120 Ehrenamtlichen, die oft schon im Rentenalter sind, können diesen Job nicht machen. Zum Jahresende müssen die Teilhabe-Kräfte nun aufhören, weil das Beschäftigungsprogramm ausläuft – und ein Übergang in den neu zu schaffenden Sozialen Arbeitsmarkt zumindest bei der Tafel als Träger nicht möglich ist. Die Tafel hätte sich in diesem Fall an den Lohnkosten beteiligen müssen, was sie als „armer Träger“, der kein Geld verdient, schlicht nicht leisten kann.

Nur noch drei Stellen

Das neue Teilhabechancengesetz, das Bundestag und Bundesrat kürzlich verabschiedet haben, sieht deutlich weniger Fördermittel und damit weniger geförderte Stellen für den Kreis Unna vor. Der Tafel wurden bisher nur drei geförderte Stellen zugesagt – 32 weniger als bisher.

Deshalb gebe es eine Absprache, neue Arbeitsgelegenheiten bei der Tafel zu schaffen, sagte Uwe Ringelsiep als Geschäftsführer des Jobcenters unserer Redaktion. Es gehe dabei um Ein-Euro-Jobs. Das heißt: Mit anderen Arbeitskräften könnte es weitergehen. Die jetzigen Mitarbeiter werden aber erst einmal in die Arbeitslosigkeit zurückfallen. Ihnen will das Jobcenter andere Angebote machen, sie im Idealfall auf den ersten Arbeitsmarkt vermitteln oder zu einem anderen Träger im Sozialen Arbeitsmarkt.

Die Tafel hofft, im Zuge noch ausstehender „arbeitsmarktpolitischer Klärungsprozesse“ im ersten Quartal des neuen Jahres doch noch mehr Stellen gefördert zu bekommen als bisher zugesagt. Deshalb, so Trümper am Donnerstag, gelte die Schließung der vier Ausgabestellen zunächst nur bis einschließlich März. Die aktuelle Situation lasse ihr aber keine andere Wahl.

Fünf Ausgabestellen bleiben

An den verbleibenden Ausgabestellen (Bergkamen, Werne, Lünen, Königsborn, Selm) werde sich nichts ändern. Hier geht es zur Webseite der Tafel mit allen Ausgabestellen und Öffnungszeiten.

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