Rasmus Baumann bleibt bis 2024 Chefdirigent der Neuen Philharmonie Westfalen

dzOrchester

Er ist seit fünf Jahren das Gesicht des heimischen Orchesters – und wird es auch in den nächsten fünf Jahren sein: Rasmus Baumann hat seinen Vertrag bei der Neuen Philharmonie Westfalen verlängert.

Kreis Unna

, 19.04.2019 / Lesedauer: 4 min

Der Protagonist war selbst gar nicht da. Umso mehr sprachen andere über ihn. Weil Rasmus Baumann aufgrund einer Erkältung passen musste, übernahm Mark Mefsut als Pressesprecher der Neuen Philharmonie Westfalen am Donnerstag die Vorstellung des neuen Programms in Unna.

Und als erstes verkündete Mefsut, als Cellist seit 1993 selbst Teil des Orchesters, eine wichtige Personalie. „Rasmus Baumann hat seinen zweiten Vertrag als Generalmusikdirektor unterschrieben. Er bleibt uns bis 2024 erhalten“, erklärte der Orchestersprecher mit unübersehbarer Freude.

Sichere Zukunftsperspektive für das Orchester

Überaus verständlich mutet diese Freude nicht nur deshalb an, weil die Arbeit Baumanns innerhalb wie außerhalb des Orchesters hoch geschätzt wird. Sondern auch, weil die Nachricht „für uns Musiker eine tolle Perspektive bedeutet“, wie Mefsut weiter ausführte.

Wenn der Generalmusikdirektor bis 2024 bleibe, heiße das schließlich auch, dass der Bestand des Orchesters mindestens bis dahin sicher sei. Dass dies keineswegs eine Selbstverständlichkeit darstellt, zeigte sich zuletzt vor vier Jahren, als auch die finanzielle Unterstützung des Trägers Kreis Unna auf der Kippe stand. Mit der Unterzeichnung eines Haustarifvertrages inklusive einer Bestandsgarantie bis 2021 endete seinerzeit eine lange Phase der Ungewissheit für die Musiker.

Möglich machten dies damals beiderseitige Zugeständnisse, die Erhöhung von Zuschüssen der Orchesterträger einerseits und der Verzicht der Musiker etwa auf die Wiederbesetzung zehn vakanter Stellen, auf Weihnachtsgeld und tarifliche Nachzahlungen. Zugleich nahm sich das Orchester vor, die Erträge zu steigern und spielt seither längst nicht nur in den Trägerkommunen Gelsenkirchen, Recklinghausen und eben im Kreis Unna auf, sondern tourt fleißig durch NRW und die Republik.

Neue Formate und neue Wege etabliert

Zurück zu Rasmus Baumann: Der Generalmusikdirektor war 2014 in einer nicht nur finanziell schwierigen Zeit angetreten mit dem erklärten Ziel, ein jüngeres Publikum zu erreichen, ohne das alte zu verlieren. Vor dem Hintergrund stetig schrumpfender Abonnentenzahlen der Sinfonische Reihe in Kamen bemühte sich Baumann, mit neuen Formaten und über neue Wege Menschen in die Konzerte zu holen, die sich eher spontan dazu entscheiden und die feste Bindung über ein Abo scheuen. So gelang es, den Verlust von Abonnenten zumindest zu einem beträchtlichen Teil über die Steigerung des freien Kartenverkaufs auszugleichen.

Heute bestehe das Publikum in der Konzertaula Kamen zu drei Vierteln aus Abonnenten und zu einem Viertel aus Einzelkarten-Erwerbern, wie Kreisdirektor und Kulturdezernent Mike-Sebastian Janke auf Nachfrage erklärte. 303 Abonnenten zählte die Sinfonische Reihe in der Spielzeit 2018/19; zum Vergleich: 427 waren es in der Spielzeit 2013/14. Der Besucherschnitt der Konzerte liege aber konstant bei um die 400, so Janke weiter.

Rasmus Baumann bleibt bis 2024 Chefdirigent der Neuen Philharmonie Westfalen

Die Musiker Tania Garcia Crespo und Francois-Marie Lhuissier bei der Vorstellung des neuen Philharmonie-Programms mit Kreisdirektor Mike-Sebastian Janke (l.), der Kamener Bürgermeisterin Elke Kappen und Bernd Engelhardt, dem Vorsitzenden des Kulturausschusses des Kreistages. © Udo Hennes

Beim Kreis Unna, betonte der Kulturdezernent in Vertretung von Landrat Michael Makiolla, sei die Zufriedenheit und Freude über die Verlängerung Baumanns sehr groß. Gleiches gelte für die „fantastische Arbeit des gesamten Orchesters“. Ähnlich äußerte sich die Kamener Bürgermeisterin Elke Kappen, die von „unserem Orchester“ sprach und betonte, dass sich die Musiker der Region in besonderer Weise verbunden fühlten und hier tief verwurzelt seien.

Neun Sinfonie- und zwei Open-Air-Konzerte

Die nächste Spielzeit 2019/20 wird erneut mit einer Mischung aus Altbewährtem und Überraschungen aufwarten. Die Sinfonische Reihe in der Konzertaula Kamen ist und bleibt das Herzstück des Programms und wartet einmal mehr mit herausragenden Solisten wie der japanischen Weltklasse-Geigerin Akiko Suwanai auf. Künstler von Weltrang, die sonst in den großen Konzerthäusern Berlins, Londons oder New Yorks zu Hause sind, nach Kamen zu holen, hat sich in den vergangenen Jahren als eine Spezialität Baumanns erwiesen. „Er lockt sie immer mit Stücken, die sie noch nie gespielt haben“, verriet Mark Mefsut.

Rasmus Baumann bleibt bis 2024 Chefdirigent der Neuen Philharmonie Westfalen

Umsonst und draußen: Zu den kostenlosen Open-Air-Konzerten der Neuen Philharmonie in Kamen (Bild) und Unna zieht es jedes Jahr viele hundert Besucher. © Stefan Milk

Ein fester Bestandteil des Programms bleiben die beiden sommerlichen Open-Air-Konzerte in Kamen und Unna. Die GSW Kamen Klassik kommt am 7. Juli gar nicht klassisch daher, sondern steht unter der Überschrift „NPW goes Pop: Back to the 70s“. Beim Open Air auf dem Marktplatz in Unna am 1. September darf sich das Publikum auf den kostenlosen Genuss von Brahms‘ zweitem Klavierkonzert und Schumanns Rheinischer Sinfonie freuen.

Kartenvorverkauf und weitere Informationen

  • Der Kartenvorverkauf für die Sinfonische Reihe in Kamen läuft über den Kulturbereich des Kreises Unna, ebenso wie die Abos.
  • Kontakt: Kreis Unna - Kultur, Hansastraße 4, 59425 Unna, Tel. (02303) 27 14 41, E-Mail doris.erbrich@kreis-unna.de
  • Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag 7.30 bis 16.30 Uhr, Freitag 7.30 bis 12.30 Uhr
  • Weitere Informationen: www.neue-philharmonie-westfalen.de

Institutionen wie das Weihnachtskonzert in Unna, das Silvesterkonzert in Fröndenberg und das Neujahrskonzert in Lünen bereichern das Programm ebenso wie die von Baumann einst begründete und längst etablierte Crossover-Reihe „NPW goes...“: Am 13. März 2020 heißt es in der Stadthalle Unna „ABBA forever“. Nicht zu vergessen die Kammermusik auf Haus Opherdicke und die Kinder- und Schulkonzerte. Noch ausgeweitet wird das Angebot der Familienkonzerte, von denen es 2020 im Kreis Unna gleich zwei gibt: eines am 8. März in Lünen und eines am 10. Mai in Fröndenberg. „Papa Haydns kleine Tierschau“ soll sich schon für Kinder ab vier Jahren eignen und präsentiert klassische Musik mit viel Witz und Spaß.

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