Projekt „VerA“: Im Tandem stark durch die Ausbildung

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Damit Auszubildende nicht so schnell das Handtuch werfen, stehen ihnen beim Ausbildungsprojekt „VerA“ Senior-Experten zur Seite. Einer davon ist Armin Schumacher aus Unna.

Kreis Unna

, 21.11.2019, 18:05 Uhr / Lesedauer: 3 min

Stress in der Schule, Ärger bei der Arbeit, Angst vor der Prüfung: Auszubildende haben manchmal mit vielen Problemen zu kämpfen. Rund jeder Vierte bricht daher seine Lehre ab. Zu viele, wie die Initiatoren des bundesweiten Projekts „VerA“ finden. Das Mentorenprogramm vermittelt Fachkräfte im Ruhestand – sogenannte Senior-Experten – an Jugendliche, die kurz davor sind, ihre Ausbildung abzubrechen und Hilfe benötigen. Die Erfolgsquote lässt sich sehen.

Armin Schumacher aus Unna ist einer dieser Experten. Der 76-Jährige hat früher als Lehrer und später viele Jahre im Landesinstitut für Schule in Soest gearbeitet. Er kennt die Herausforderungen, die das Leben und die Berufswelt mit sich bringen. Und weil er als Rentner nicht nur „zuhause im Ohrensessel sitzen wollte“, gibt er diese Erfahrung seit ein paar Jahren bei „VerA“ weiter. Zwei Auszubildende hat er bereits erfolgreich betreut, aktuell hilft er zwei weiteren.

Von Mathenachhilfe bis hin zu Prüfungstipps

Wie die Hilfe aussieht, ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Schumacher hat mit seinen Schützlingen schon Englischvokabeln und Mathe gepaukt oder Tipps zum Umgang mit Prüfungsangst gegeben. Bei Problemen spricht der 76-Jährige auch mal mit Chefs in den Ausbildungsbetrieben und Lehrern an den Berufsschulen oder hilft bei Behördengängen. Wichtig sei dabei, dass alles in Absprache mit dem Auszubildenden erfolge. „Und ich behandele alle Informationen vertraulich“, betont Schumacher. Nur so lasse sich mit der Zeit ein Vertrauensverhältnis aufbauen.

Projekt „VerA“: Im Tandem stark durch die Ausbildung

Als Senior-Experte im Mentorenprogramm „VerA“ hilft Armin Schumacher jungen Menschen, Schwierigkeiten in ihrer Ausbildung zu überwinden. © Bettina Hesse

Die Betreuung ist in der Regel auf ein bis zwei Jahre angelegt und erfolgt eins zu eins. Wie oft und wo sich der Senior-Experte und Auszubildende treffen, legt das Tandem selbst fest. „Das kann zum Beispiel ein Mal pro Woche in einem Café oder in der Berufsschule sein“, erklärt Schumacher. Nicht immer tauche der Jugendliche auf, es gebe auch manche, die das Programm irgendwann abbrechen. „Aber in der Regel funktioniert diese Betreuung gut, weil es keine Zwangsveranstaltung ist“, betont Schumacher.

Pro Jahr werden 3000 Auszubildende unterstützt

Das Projekt „VerA“ gibt es bereits seit 2008. Bundesweit werden jedes Jahr etwa 3000 Auszubildende unterstützt. Im Bezirk der Handwerkskammer Dortmund, zu der auch der Kreis Unna gehört, sind es derzeit 26, wie Angela Hövelmann weiß. Sie ist Regionalkoordinatorin bei „VerA“ und bringt Senior-Experten und Auszubildende zusammen.

Fit für den Beruf mit SES-Ausbildungsbegleitern

  • Hunderte Experten engagieren sich in Deutschland bei der Initiative „VerA“ – kurz für „Verhinderung von Ausbildungsabbrüchen“.
  • Das Projekt wurde 2008 vom Senior Experten Service (SES) in Bonn und den Spitzenverbänden der deutschen Industrie, des Handwerks und der freien Berufe aufgelegt.
  • Die Experten kümmern sich um Auszubildende, die während ihrer Ausbildung auf Schwierigkeiten stoßen und diese abbrechen wollen. Als lebens- und berufserfahrene Vertrauenspersonen geben die ehrenamtlichen Begleiter ihren Schützlingen Halt und Orientierung und helfen bei Problemen zum Beispiel in der Schule sowie im Lehrbetrieb.
  • Jährliche begleiten die Senior-Experten in Deutschland etwa 3000 Auszubildende.
  • 10.000 Auszubildende haben bisher von dem Angebot profitiert. Die Erfolgsquote liegt bei 80 Prozent.
  • Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.
  • „VerA“ ist immer auf der Suche nach ehrenamtlichen Senior-Experten. Mitmachen können Fachkräfte im Ruhestand, die ihr Know-how gern an junge Erwachsene weitergeben.
  • Bevor sie mit den Azubis in Kontakt kommen, durchlaufen die Senior-Experten ein zweitägiges Vorbereitungsseminar. Darüber hinaus gibt es regelmäßige Treffen mit anderen ehrenamtlichen Helfern und eine kleine Aufwandsentschädigung.
  • Die Online-Registrierung findet man unter www.ses-bonn.de. Als Ansprechpartner im Kreis Unna stehen Armin Schumacher unter Tel. 02303/52075 sowie Angela Hövelmann unter Tel. 02361/891102 zur Verfügung.
  • Weitere Informationen über die Ausbildungsinitiative finden sich im Internet unter
    https://vera.ses-bonn.de/

Die Anfragen erreichen Hövelmann auf den unterschiedlichsten Wegen. Die Auszubildenden selbst können eine Begleitung anfordern, manchmal sind es aber auch Angehörige, Berufsschulen, Betriebe oder Kammern, die sich an „VerA“ wenden. „Wir suchen dann einen geeigneten Senior-Experten vor Ort und organisieren ein erstes Kennenlerntreffen. Bei dieser intensiven Art der Betreuung muss die Chemie schon passen, sonst macht es keinen Sinn“, sagt Hövelmann. Doch der Aufwand scheint sich zu lohnen: Über 80 Prozent der begleiteten Azubis bringen die Ausbildung zu Ende.

Eine Erfolgsquote, die auch Senior-Experten wie Schumacher in ihrem Ehrenamt bestärkt. Für den 76-Jährigen gibt es aber noch einen anderen Grund, junge Erwachsene in dem Mentorenprogramm zu unterstützen. „Ich habe im Leben gute Karten gehabt, da ist es doch angebracht, dass ich etwas zurückgebe“, sagt der Unnaer, der sich auch über „VerA“ hinaus ehrenamtlich engagiert.

Auszubildende sind dankbar für Hilfe

Auch die Handwerkskammer Dortmund ist überzeugt von dem Mentorenprogramm und aus diesem Grund auch Kooperationspartner. „Für viele Auszubildende hat die Betreuung einen Mehrwert, weil sie eine Mischung aus sozialpädagogischer und fachlicher Hilfe ist“, betont Tobias Schmidt, Leiter der Abteilung Ausbildungsberatung und Nachwuchswerbung, Fachkräftesicherung. Von Vorteil sei auch, dass es sich um ein Eins-zu-eins-Coaching handele, so Schmidt weiter.

Die meisten Auszubildenden sind dankbar für die Begleitung, die für sie und den Ausbildungsbetrieb kostenlos ist. „Ohne die Hilfe eines Ausbildungsbegleiters hätte ich es nicht geschafft, die Ausbildung beim ersten Mal zu bestehen“, schreibt zum Beispiel Emil auf der Internetseite von „VerA“. Yasin bedankt sich für die Unterstützung seines Betreuers: „Ich weiß, dass ich jederzeit zu ihm kommen kann, wenn ich Probleme bekomme, das ist toll.“

Und auch Schumacher hat noch einen Satz einer seiner Schützlinge im Ohr. Kurz nach der bestandenen Prüfung sagte der: „Ich hätte nie gedacht, dass wir das schaffen.“

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