Profis im Haushalt: Darum sind Hauswirtschafterinnen auf dem Arbeitsmarkt so gefragt

dzFachkräftemangel

Sie sind Profis im Haushalt und werden auf dem Arbeitsmarkt dringend gesucht: Hauswirtschafterinnen genießen eine Art Jobgarantie. Trotzdem gibt es kaum Nachwuchs. Und das hat einen Grund.

Kreis Unna

, 11.07.2019 / Lesedauer: 4 min

Aleyna Ünlü (22) aus Bergkamen und Kimberly Scholl (21) aus Schwerte halten stolz ihre Abschlusszeugnisse in den Händen. Sie sind nun Profis im Haushalt: Drei Jahre Ausbildung zur Hauswirtschafterin liegen hinter den jungen Damen, die damit im wahrsten Sinne Allrounder sind. Spitze im Bügeln, Spülen, Kochen und Waschen. Expertinnen in Fragen rund um Lebens- und Reinigungsmittel, Hygiene und Sauberkeit, Allergien und Krankheiten, Dekoration und Service. Sie sind Asse in allen Fragen rund um Haushaltsführung und -planung – und deshalb gefragte Fachkräfte auf dem heimischen Arbeitsmarkt, auf dem ihnen nun die Türen zu verschiedenen Branchen offen stehen.

„Man muss Spaß daran haben, dementsprechend schmeckt ja auch das Essen.“
Kimberly Scholl über den Beruf des Hauswirtschafterin

„Man muss Spaß daran haben, dementsprechend schmeckt ja auch das Essen“, sagt Kimberly Scholl, die von ihrem Ausbildungsbetrieb übernommen wird. Im Johannes-Mergenthaler-Haus in Schwerte wird sie künftig mehr Verantwortung als bislang übernehmen, unter anderem die Speisepläne zusammenstellen und damit einen großen Beitrag zur Lebensqualität der Bewohner leisten. Das sei doch großartig, sagt die 21-Jährige, die eher zufällig auf Hauswirtschaft als Berufsbild aufmerksam geworden ist. Ursprünglich für den Realschulabschluss an das Unnaer Berufskolleg gekommen, ist sie auf den neuen Bildungsgang aufmerksam geworden und hat über ein Praktikum entdeckt, dass sie nicht nur ein Faible fürs Kochen, sondern Spaß an Hauswirtschaft insgesamt hat.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Impressionen der Hauswirtschafterinnen vom Märkischen Berufskolleg

Acht Schülerinnen haben 2019 am Märkischen Berufskolleg Unna ihre Ausbildung zu Hauswirtschafterinnen absolviert. Unsere Bildergalerie zeigt einige Eindrücke aus den drei Ausbildungsjahren – festgehalten von den Schülerinnen selbst.
11.07.2019
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Prominenter Besuch am Märkischen Berufskolleg: TV-Koch Stefan Marquard – unter anderem bekannt aus "Die Kochprofis" und "Grill den Henssler" – war im Rahmen der Aktion "Sterneküche macht Schule" zu Gast in Unna.© privat
Immer wieder sind im Kreis Unna die hauswirtschaftlichen Talente der Absolventinnen vom Märkischen Berufskolleg gefragt: Unter anderem bewirteten sie eine chinesische Delegation, die im Rahmen einer Schulpartnerschaft das Hansa Berufskolleg besucht hat.© privat
Das Auge isst mit: Das gilt natürlich auch für die Tischgestaltung; Dekoration ist deshalb ebenfalls Bestandteil der Ausbildung zur Hauswirtschafterin. © privat
An einem festlich geschmückten Tisch wie diesem nimmt am Märkischen Berufskolleg einmal im Jahr auch der Landrat Platz: Dann bekochen die Schülerinnen Michael Makiolla mit einem Vier-Gänge-Menü.© privat
An den Tischen, die die Hauswirtschafterinnen des Märkischen Berufskollegs decken, hat freilich alles seine Ordnung: Das Besteck wird beispielsweise in der Reihenfolge des Menüs von außen nach innen eingedeckt. © privat
Apropos vier Gänge: Der Salat gehört nicht nur bei den Hauswirtschafterinnen des Märkischen Berufskollegs in Unna in der Regel zu einem Menü dazu.© privat
Sieht lecker aus – und schmeckt bestimmt auch lecker: Eine Salatvariation, angerichtet für Gäste, die die Schülerinnen während ihrer Ausbildung bewirtet haben.© privat
Vorweg gibt es manchmal einen Aperitif, der den Appetit anregen soll. © privat
Das Dessert ist für viele ja der eigentliche Höhepunkt bei einem Mehrgängemenü. © privat
Dabei kommt es eben auch aufs Anrichten an: Mit viel Liebe zum Detail schmücken die Schülerinnen die Teller ihrer Gäste.© privat
Auch Backen gehört zum Handwerk der Hauswirtschafterinnen: In diesem Fall Windbeutel, die nicht nur lecker aussehen – sondern auch ziemlich lecker sind.© privat

Ähnlich erging es der 22-jährigen Aleyna: Sie hat vor drei Jahren am Lippeberufskolleg Lünen ihre Fachoberschulreife nachgemacht, ist dort auf den Berufszweig der Hauswirtschaft aufmerksam geworden und hat sich dann für eine vollzeitschulische Ausbildung am Märkischen Berufskolleg in Unna entschieden. Der Unterschied zur dualen Ausbildung, die Mitschülerin Kimberly Scholl absolviert hat: Der schulische Anteil ist höher, der Fokus liegt vor allem auf der Theorie; sukzessive steigt der Anteil an Praxistagen in Praktikumsbetrieben von zunächst einem auf zuletzt drei Tage die Woche. In der dualen Ausbildung gilt vom ersten bis zum letzten Ausbildungtag: drei Tage Schule, zwei Tage Betrieb die Woche.

Ausbildung mit vielfältigen Jobmöglichkeiten

Beide fühlen sich nun gleichermaßen gut gerüstet für ihre berufliche Zukunft. Hauswirtschafterinnen arbeiten in Wohn-, Betreuungs- und Pflegeeinrichtungen, in Erholungsheimen und Jugendherbergen, in Tagungs- und Bildungshäusern, in Krankenhäusern, Kur- und Reha-Kliniken, in der Gastronomie und Hotellerie oder in Privathaushalten. Kurzum: Die Chancen sind genauso vielfältig wie das Berufsbild vielseitig ist.

Acht von anfangs 26 Schülerinnen machten den Abschluss

Und dennoch: In diesem Sommer haben am Märkischen Berufskolleg in Unna nur acht Schülerinnen den Abschluss zu Hauswirtschafterinnen gemacht. Gestartet war die Klasse vor drei Jahren mit 26 Schülern. Enttäuschte oder falsche Vorstellungen und mangelnde Motivation: Die Gründe für den Abbruch der Ausbildung waren freilich vielfältig. Klassenlehrerin Christiane Birkelbach-Beyer sagt aber auch: „Niemand von denen ist morgens aufgewacht und wollte Hauswirtschafterin werden.“ In so einem Ausbildungsgang mit vergleichsweise wenig Prestige sei es umso wichtiger, die Schüler eng zu begleiten.

„Niemand von denen ist morgens aufgewacht und wollte Hauswirtschafterin werden.“
Christiane Birkelbach-Beyer, Klassenlehrerin

Umso bedauerlicher findet auch Schulleiterin Brit Albrecht, dass die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten durchgesetzt hat, dass das Berufskolleg künftig nur noch den dualen Ausbildungsgang zur Hauswirtschafterin anbieten kann, nicht mehr den vollzeitschulischen. Albrecht: „Viele Schülerinnen und Schüler brauchen positive Erfahrungen und ein hohes Maß an sozial-pädagogischer Unterstützung – je enger die Begleitung durch die Schule, desto besser sind die Chancen für die Schüler.“ Die Gewerkschaft aber habe in dem vollzeitschulischen Ausbildungsgang offenkundig eine Konkurrenz zur dualen Ausbildung gesehen und darauf beharrt, dass praktische Ausbildung primär Aufgabe der Wirtschaft sei. Unverständlich findet Albrecht das, zumal jede zweite der diesjährigen Absolventinnen die Ausbildung am Märkischen Berufskolleg vollzeitschulisch absolviert habe. „Auch das sind Fachkräfte, die von den Betrieben händeringend gesucht werden – und jetzt zur Verfügung stehen.“

Profis im Haushalt: Darum sind Hauswirtschafterinnen auf dem Arbeitsmarkt so gefragt

Erhielten am Märkischen Berufskolleg in Unna nun ihre Abschlusszeugnisse: Die acht Absolventinnen, die den Ausbildungsgang zu Hauswirtschafterinnen absolviert haben. © Marcel Drawe

Aleyna Ünlü und Kimberly Scholl sind überzeugt, dass beide Ausbildungswege Vorteile bringen. Klar: Die duale Ausbildung ist mit einem monatlichen Gehalt verbunden, man ist fester Bestandteil eines Teams und kann mehr Praxiserfahrungen sammeln. Die vollzeitschulische Ausbildung dagegen bietet mehr Zeit, sich intensiv mit einzelnen Themen zu befassen, verbindet theoretischen und praktischen Unterricht in der Schule mit Praktika in Betrieben. Für sie sei Letzteres die richtige Wahl gewesen, sagt Aleyna Ünlü. „In den Betrieben arbeitet man häufig unter Zeitdruck, an der Schule haben wir mehr Zeit – entsprechend viel habe ich hier gelernt.“

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Das machen Hauswirtschafterinnen in der Ausbildung

Ausführliche Informationen zur dualen Ausbildung zur Hauswirtschafterin gibt es am Märkischen Berufskolleg, Tel. (02303) 271245
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