Pflegedienste schlagen wegen Coronavirus Alarm: „Wir werden handlungsunfähig!“

dzAmbulante Pflege

Was im Alltag das Toilettenpapier ist, ist in der Pflege der Mundschutz: Heiß begehrt, aber in Zeiten des Coronavirus fast nicht zu bekommen. Pflegedienste haben Angst, vergessen zu werden.

Fröndenberg

, 27.03.2020, 19:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dass die Versorgung medizinischer Einrichtungen weiter eine der größten Herausforderungen in der Corona-Krise ist, haben die Verantwortlichen in Bund und Land längst erkannt. Von großen Bestellungen ist immer wieder die Rede und von der Sicherstellung der Leistungsfähigkeit der Krankenhäuser.

„Aber wo bleiben wir da?“, fragt Ursula Balzer-Kotecki vom Pflegedienst Ruhr aus Fröndenberg. Die Kaufmännische Leitung des ambulanten Dienstes hofft jeden Tag, dass bestellte Einmalhandschuhe, Desinfektionsmittel und vor allem Mundschutz geliefert werden – täglich vergeblich.

„Wir werden handlungsunfähig!“ Mit diesen deutlichen Worten spricht Balzer-Kotecki nicht nur für den Pflegedienst Ruhr, sondern auch für viele andere Unternehmen der Branche. Sie alle legen Wert auf eine qualitativ hochwertige Versorgung ihrer Klienten. Im Fall des Pflegedienstes Ruhr kümmern sich 21 Mitarbeiterinnen um rund 130 Patienten.

Schutz für Patienten und Mitarbeiter

Die Corona-Krise trifft die Pflegedienste knallhart. Die Wahrung eines Abstandes von mindestens 1,50 Meter zu den Menschen, die allesamt der Risikogruppe angehören, ist für die Pflegekräfte unmöglich. Umso wichtiger ist es, dass sie wenigstens Handschuhe und Mundschutz tragen, sich die Hände desinfizieren.

„Wir benutzen bei uns ein Gel. Das tropft nicht so, lässt sich gut in den Händen verreiben“, berichtet Balzer-Kotecki. Natürlich wurde schon in den Zeiten vor Corona regelmäßig für Nachschub gesorgt. „Wir warten ja nicht, bis die letzte Packung angebrochen ist“, hat Balzer-Kotecki stets ein Auge auf die Lagerhaltung.

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Als sie im Februar dann neue Desinfektionsmittel bestellte, spürte sie zum ersten Mal die Auswirkungen der Corona-Krise. „Damals ging das in Italien gerade los. Schon da bekam ich eine Lieferverzögerung“, erinnert sich Balzer-Kotecki. Inzwischen wäre sie froh, wenn sie überhaupt noch ein Lieferdatum genannt bekäme.

Engmaschige Versorgung durch Pflegedienste

„Herr Spahn spricht immer von der Versorgung der Krankenhäuser. Aber was ist mit den Pflegediensten?“, fürchtet Balzer-Kotecki, dass die Bedeutung dieser Unternehmen unterschätzt wird. Für die Lieferanten sind sie jeweils nur Kleinabnehmer, das engmaschige Netz der Pflegedienste versorgt aber Menschen überall – in der Stadt wie auf dem Land.

Der Pflegedienst Ruhr bekommt eine erste Hilfe von einer ehemaligen Angestellten. Die hat angeboten, hunderte Mundschutze zu nähen. „Das Angebot nehmen wir natürlich gerne an“, sagt Balzer-Kotecki.

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