Offener Brief: Flüchtlinge sollen aus Massener Aufnahmelager ausquartiert werden

dzCorona-Vorsorge

St. Augustin, Mettmann, Euskirchen – und bald auch Unna-Massen? Nach Corona-Fällen in Flüchtlingsheimen in NRW warnen Kirchen und Initiativen vor einem mutmaßlichen erhöhten Corona-Ansteckungsrisiko in der Unnaer Erstaufnahme-Einrichtung.

Unna

, 23.05.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Neun Institutionen und Initiativen aus dem Kreis Unna fordern eine stärke Vorsorge gegen einen etwaigen Corona-Ausbruch in der Unnaer Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge (EAE). Die Flüchtlingshilfe-Organisationen haben sich in einem offenen Brief zu Wort gemeldet und fordern unter anderem eine Ausquartierung von Bewohnern sowie Coronatests für Bewohner und Mitarbeiter.

Der Flüchtlingsbeauftragte des Evangelischen Kirchenkreises Unna, Volker Jeck, hat den offenen Brief initiiert. Weitere Unterzeichner sind der Arbeitskreis Asyl Schwerte, der Caritasverband für den Kreis Unna, die Flüchtlingsinitiative „Willkommen in Holzwickede“, der Flüchtlingsrat im Kreis Unna, der Integrationsrat der Kreisstadt Unna, der Katholische Pastoralverbund Kamen-Kaiserau, der Patenschaftskreis für Flüchtlinge in Fröndenberg und die Initiative „WeltOffen Unna“.

Rund 300 Menschen sind derzeit in der früheren Landesstelle für Aussiedler untergebracht. Vor einem Aufnahmestopp im März waren es noch über 400. Die Unterzeichner des offenen Briefs meinen, dass Abstandsregeln bei den herrschenden Wohnverhältnissen „schwer umzusetzen“ sind und dass Gemeinschaftsunterkünfte ein „eklatantes Risiko“ für die Bewohner bergen, sich anzustecken. Nach Corona-Fällen in Flüchtlingsheimen wie in St. Augustin, Mettmann und Euskirchen fordern sie Maßnahmen, die einen Ausbruch in der Unnaer EAE verhindern.

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Wörtlich heißt es in dem Brief: „Die Menschen – darunter auch viele Familien und mehr als 70 Kinder und Minderjährige – leben in kleinen Räumen, die jeweils mit vier Pritschen, einem kleinen Tisch und einem Stuhl ‚möbliert‘ sind. Die Einrichtung ist nur für den Aufenthalt von wenigen Tagen, aber nicht von mehreren Wochen oder gar Monaten eingerichtet.“ Besonders für die Kinder und psychisch belastete, traumatisierte Personen sei diese Enge unzumutbar, im Fall einer nötig werdenden Quarantäne gar unerträglich.

Mit insgesamt neun Forderungen und Vorschlägen wollen die Unterzeichner einen besseren Schutz der EAE-Bewohner erreichen. Diese reichen vom besonderen Schutz für Geflüchtete aus Risikogruppen bis hin zur „Vermeidung größerer Quarantänelager“ und einer „dezentralen Unterbringung“ in leer stehenden Hotels, städtischen, landes- und bundeseigenen Häusern und anderen Gebäuden. Die EAE besteht selbst aus Mehrfamilienhäusern der öffentlichen Hand.

Wohnverpflichtung aufheben

Angehörige von Bewohnern wären bereit, ihre Verwandten in Wohnungen aufzunehmen, wie die Flüchtlingshilfe-Institutionen herausgefunden haben. Sie fordern von den Behörden, die „Wohnverpflichtung“ aufzuheben und „schnell und unbürokratisch“ sogenannte Besuchserlaubnisse zu erteilen.

Das am Freitag veröffentlichte Schreiben ging an Landrat Michael Makiolla (SPD), die Bürgermeister im Kreis Unna, Regierungspräsident Hans-Josef Vogel (CDU) sowie an die Landesregierung mit Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) und Integrationsminister Joachim Stamp (FDP).

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