Oberkreisdirektor Karl-Heinrich Landwehr: Das Ehrenamt war sein Lebensglück

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Er war ein Tausendsassa. Ein unerschütterlicher, humorvoller und geselliger Zeitgenosse. Zum Tode des langjährigen Oberkreisdirektors Karl-Heinrich Landwehr.

Kreis Unna

, 16.10.2019, 12:24 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zuweilen war Karl-Heinrich Landwehr ein wenig über sich selbst verblüfft. Engagiert und hilfsbereit, umtriebig und ruhelos: Das sind Prädikate, die einem mit als erste zu diesem Tausendsassa einfallen. „Ich wundere mich selbst manchmal, dass das so geht“, sagte er anlässlich seines 80. Geburtstags vor vier Jahren im Lichte zahlreicher Ämter, die er Zeit seines Lebens bekleidet hat.

23 Jahre lang Oberkreisdirektor des Kreises Unna

Hauptamtlich war er über 20 Jahre lang Oberkreisdirektor, prägte den in seiner heutigen Form seit 1975 bestehenden Kreis Unna in seiner Zeit von 1976 bis 1999 maßgeblich mit. Ehrenamtlich war er in vielen Vereinen und Verbänden zuhause. Denn ehrenamtliches Engagement – das war für ihn pures Lebensglück. Und eben dieses Lebensglück war Landwehr buchstäblich ins Gesicht geschrieben. Er war ein glücklicher Mensch. Einer, der gerne, viel und vor allem herzlich lachte. Schon seiner vielen Lachfalten wegen war der erste Eindruck von ihm stets geprägt von Sympathie.

Oberkreisdirektor Karl-Heinrich Landwehr: Das Ehrenamt war sein Lebensglück

Karl-Heinrich Landwehr als junger Mann in den 1950er-Jahren. © Archiv

Auf der Werver Heide geboren, besuchte Landwehr nach der Volksschule Heeren-Werve das Pestalozzi-Gymnasium Unna. Nach dem Abitur 1955 studierte er Jura in Münster, arbeitete zur Finanzierung seines Lebensunterhaltes und des Studiums unter Tage auf der Zeche Königsborn. Im Zug nach Münster lernte er seine Frau Ingrid kennen, die er 1960 heiratete und gemeinsam mit ihr zwei Töchter großzog.

Für die Verfolgung von NS-Verbrechern zuständig

Landwehr arbeitete unter anderem acht Jahre als Staatsanwalt bei der Zentralstelle für die Verfolgung von NS-Verbrechern in Dortmund. Politisch war er durch und durch Sozialdemokrat. Motiviert durch Willy Brandt trat er 1969 in die SPD ein, wurde 1973 Kreisvorsitzender und 1975 Kreistagsabgeordneter und Kreisrechtsdirektor. Der damalige Landrat Fritz Böckmann erkannte die Führungsqualitäten Landwehrs, ermutigte ihn, Oberkreisdirektor zu werden. Er wurde es – und behielt das Amt 23 Jahre lang inne.

„Wir haben vieles anders gemacht als andere.“
Karl-Heinrich Landwehr zu seinem 80. Geburtstag

„Wir haben vieles anders gemacht als andere, denn wir mussten immer aufpassen, dass wir als Kreis Unna zwischen den großen Städten Dortmund und Hamm nicht zerrieben werden“, erinnerte sich Landwehr an diese Zeit zurück. Eng verbunden mit seinem Namen sind die Gründung des ersten kommunalen Umweltamtes Deutschlands im Jahre 1982 und die Einrichtung der ersten Gesundheitshäuser im Bundesgebiet in Lünen und in Unna im Jahr 1991. Darüber hinaus war er vor allem im Kultursegment engagiert. Haus Opherdicke, Schloss Cappenberg und auch das Sinfonieorchester sind kulturelle Perlen seiner Zeit.

Oberkreisdirektor Karl-Heinrich Landwehr: Das Ehrenamt war sein Lebensglück

Von 1955 bis 2011 leitete Karl-Heinrich Landwehr den Evangelischen Posaunenchor Unna-Lünern. © Archiv

Die Liebe zur Kultur spiegelte sich denn auch in seinem ehrenamtlichen Engagement wider. In Unna-Lünern war er jahrzehntelang Chorleiter, von 1955 bis 2011 leitete er den Evangelischen Posaunenchor, zwischenzeitlich auch den Singkreis und den MGV Sangeslust. Eng verbunden ist sein Name auch mit dem DRK-Kreisverband, dem Reit- und Fahrverein Unna, dem Kreisreiterverband Unna – all diesen Verbänden diente er zeitweilig als Vorsitzender. Und das ist nur ein Ausschnitt seines Engagements, das im Sommer 2004 mit dem Verdienstkreuz erster Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland gewürdigt wurde. Wie gesagt: Manchmal wunderte er sich ein wenig über sich selbst.

Ein unerschütterlicher, humorvoller und geselliger Zeitgenosse

Der „Lange“, wie Karl-Heinrich Landwehr in Anbetracht seiner stattlichen Körpergröße von 1,95 Metern von vielen genannt wurde, war nicht nur deshalb ein herausragender Mann. Mit Leidenschaft und Enthusiasmus setzte er sich für die Gesellschaft ein, verlor dabei niemals Lust und Laune. Landwehr war irgendwie unerschütterlich. Ein humorvoller und geselliger Zeitgenosse, der neben seiner Familie vor allem seine Heimat liebte – auch wenn er gerne unterwegs war.

Am Dienstag ist Karl-Heinrich Landwehr nach langer und schwerer Krankheit verstorben.

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