Das neue Jugendhilfe-Haus der Werkstatt in Unna wächst. Acht von 16 Plätzen sind inzwischen belegt. Unsere Leser können helfen, den Jugendlichen dort den Start in ein besseres Leben zu erleichtern.

Kreis Unna

, 14.06.2019, 16:43 Uhr / Lesedauer: 2 min

Pascal ist 15 Jahre alt. Wer das Glück hat, in einer heilen Familie aufzuwachsen, lebt in diesem Alter noch bei Mama und Papa und erlebt das, was die Pubertät und das Erwachsenwerden eben so mit sich bringen. Die erste Party, das erste Bier, der erste Kuss, die erste große Liebe.

Erst den Haushalt geschmissen, dann die Schule

Pascal hatte dieses Glück nicht. Seine Eltern trennten sich, als er sechs Jahre alt war, die Mama zog mit vier Geschwistern weit weg. Pascal blieb mit einer weiteren Schwester beim Vater – und musste fortan den Haushalt schmeißen. „Mit acht, neun Jahren habe ich die Wäsche gewaschen, geputzt und gekocht“, erinnert er sich. Er wollte dann lieber zur Mama, obwohl er dort immer dem Stiefvater das Bier bringen musste. Es ging vor Gericht, den Sorgerechtsstreit gewann der Vater. Doch dort ging es nicht mehr lange gut, Pascal brach den Kontakt ab und lebte fortan in Wohngruppen verschiedener Jugendhilfe-Einrichtungen. Die letzte musste er verlassen, weil es „Beef mit den Betreuern“ gab, wie er sagt, nachdem er nicht mehr zur Schule gegangen war. Seit einigen Wochen wohnt Pascal im Jugendhilfe-Haus, das die Werkstatt im Kreis Unna gerade im Zentrum Unnas aufbaut. Als einer von acht Jugendlichen, ebenso viele Plätze sind noch frei.

Jugendliche von zwölf bis 18 Jahren

In der Einrichtung, im Volksmund würde man „Heim“ sagen, werden Jugendliche im Alter von zwölf bis 18 Jahren von Sozialarbeitern und Erziehern in drei Gruppen betreut: Es gibt eine Regelgruppe für die Jüngeren sowie eine Verselbständigungs-WG und Jugendwohnen für die Älteren (ab 16). Das Ziel ist, dass alle Bewohner fit fürs Leben gemacht werden, einen Schulabschluss machen, an den sich idealerweise eine Berufsausbildung anschließt. Damit sie irgendwann auf eigenen Füßen stehen können. Dabei hilft das vielfältige Angebot der Werkstatt, etwa in Form des eigenen Berufskollegs und der Produktionsschulen, natürlich ungemein.

Neues Jugendhilfe-Haus der Werkstatt in Unna wächst – und die Zeitungsspende hilft dabei

Im Keller der neuen Jugendhilfe-Einrichtung in Unna soll ein Fitnessraum mit Geräten und einem Boxsack entstehen. In die Planungen beziehen Einrichtungsleiterin Marion Velikonja und Gruppenleiterin Claudia Knegt (v.r.) die Bewohner wie den 15-jährigen Pascal (l.) mit ein. Auch Praktikantin Imke hilft tatkräftig mit. © Marcel Drawe

Überhaupt ist Schule ein zentraler Bestandteil des Konzepts, die Rückkehr von hartnäckigen Verweigerern ins Bildungssystem unabdingbar für das Erreichen des Ziels. Nach Möglichkeit gehen die Jugendlichen in eine Regelschule, wenn das nicht möglich ist, besteht aber auch die Möglichkeit von Ersatzunterricht in der Einrichtung.

Zurück zur Schule

Pascal geht bereits wieder regelmäßig zur Schule, und auch sonst vermittelt er den Eindruck, als ginge es ihm gut in der neuen Umgebung. „Hier will ich bleiben, hier fühle ich mich wohl“, sagt er. So wohl sogar, dass er sein berufliches Ziel nach einem Praktikum im Offenen Ganztagsbereich einer Schule klar benennt. Er will Erzieher werden.

Neues Jugendhilfe-Haus der Werkstatt in Unna wächst – und die Zeitungsspende hilft dabei

Bewohner Pascal und Praktikantin Imke haben dem zukünftigen Fitnessraum am vergangenen Wochenende schon einmal einen frischen Anstrich verpasst. © Privat

Fitnessraum im Keller

Ein Projekt, in das auch Pascal eingespannt ist, betrifft die Gestaltung des Freizeitbereiches im Haus. Geplant ist die Einrichtung eines Fitnessraums im Keller des Hauses an der Gerhart-Hauptmann-Straße mit Trainingsgeräten und einem Boxsack. Hierfür gibt es anders als für die staatliche Aufgabe der Jugendhilfe keine öffentlichen Mittel. Die Werkstatt möchte den Erlös der diesjährigen Aktion Zeitungsspende dafür verwenden. Die Jugendlichen, die bereits im Haus wohnen, sind in die Planungen einbezogen. Einen Fitnessraum finde sie attraktiver als etwa einen Kicker- oder Bastelraum, sagt die 17-jährige Alicia. Und Pascal beteuert: „Ich mag Sport und werde den Raum oft nutzen.“

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