Neue Schutzwesten halten Kalaschnikow stand

dzZwei für jeden Streifenwagen

Die Streifenwagen der Polizei im Kreis Unna sind mit einer neuen Schutzweste ausgestattet. Sie soll Beamte auch vor Schnellfeuerwaffen schützen. Das Land Nordrhein-Westfalen reagiert mit der Anschaffung auf die wachsende Terrorgefahr.

Kreis Unna

, 18.10.2016, 11:48 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es dauert nur wenige Sekunden, bis Polizeihauptkommissar Dino Tönnies die schwarze Weste aus der untersten Lade des Kofferraums gezogen und angelegt hat. Ein Kollege hilft ihm dabei, zieht die Klettverschlüsse stramm. Jetzt liegen Torso und Halspartie hinter dicken Platten, die wie ein mehrschichtiges Puzzle die überlebenswichtigen Organe des Körpers lückenlos abdecken. Rund acht Kilo zusätzliches Gewicht lasten jetzt auf Tönnies‘ Schultern – dafür wird ihm im Ernstfall eine weit schwerer wiegende Last genommen. Nämlich die Sorge, schwer bewaffneten Tätern nicht ausreichend geschützt gegenüber zu treten. Die Unterziehschutzwesten, die auch weiterhin zur Standardausrüstung im Wach- und Wechseldienst gehören, schützen vor Angriffen mit Pistolen und Stichwaffen. Nicht aber vor Waffen wie Kalaschnikow-Sturmgewehren, mit denen die Terroristen das Blutbad in Paris anrichteten. Die neuen Westen bieten den Schutz.

Ein Panzer aus Kunststoff

Das ist die neue Weste

Um dem Beschuss mit Schnellfeuerwaffen standhalten zu können, wurden in der neuen Schutzweste unter anderem Polyamid und hochverdichtetes Polyethylen verbaut. Die Platten sind sehr fest – die Form kann der Träger nicht mehr verändern. Die einzelnen Platten sind wie bei einer Art mehrschichtigem Puzzle zusammengelegt, bei dem die Spalten abgedeckt werden.

Die Terroranschläge von Paris und andernorts waren es auch, die das Land Nordrhein-Westfalen zum Anlass genommen hat für die Investition. Mehr als zehn Millionen Euro kosteten die landesweit 10.000 neuen Westen für Polizisten im Wach- und Wechseldienst. 72 davon hat die Kreispolizeibehörde Unna bekommen, die ihre Streifenwagen mit jeweils zwei Westen ausgestattet hat. So sind sie für die Polizeibeamten am Einsatzort sofort griffbereit, wenn sie sie für erforderlich halten.

„Je weniger wir wissen, desto mehr müssen wir für die Eigensicherung tun.“
Erster Polizeihauptkommissar Thomas Stoltefuß

„Je weniger wir wissen, desto mehr müssen wir für die Eigensicherung tun“, erläutert der Leiter des Verkehrsdienstes der Kreispolizeibehörde, Erster Polizeihauptkommissar Thomas Stoltefuß. Für Dino Tönnies bedeutet das: „Im Zweifel lieber einmal zu viel anziehen als einmal zu wenig.“

Die nordrhein-westfälische Polizei sei bemüht, die Beamten auf ähnliche Szenarien wie das in Paris vorzubereiten, spricht Landrat Michael Makiolla von „neuen Bedingungen durch Terroranschläge“. Wenn normale Polizisten plötzlich mit rücksichtslosen und schwer bewaffneten Tätern konfrontiert seien, müssten sie sich des größtmöglichen Schutzes sicher sein können. Deshalb sei die flächendeckende Ausrüstung auch außerhalb der Ballungsgebiete enorm wichtig.

Mit den neuen Westen, das betont auch Landrat Makiolla, seien die Polizeibeamten nicht vor jeder Gefahr gefeit, „aber sie sind im Einsatz deutlich besser vorbereitet“. Das sei vor allem deshalb wichtig, weil in aller Regel ganz normale Streifenpolizisten als erste am Einsatzort und deshalb großem Gefahrenpotenzial ausgesetzt seien. Bis Spezialeinheiten der Polizei eintreffen, vergeht laut Makiolla bis zu eine Stunde.

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