Die Deutschen lieben ihr Bargeld, heißt es oft. Aber digitales Bezahlen ist stark im Kommen. Zum 14. September ändert sich beim Online-Banking einiges. Was Kunden wissen sollten.

Kreis Unna

, 12.07.2019 / Lesedauer: 4 min

43.000 Kunden der Sparkasse Unna-Kamen haben im Juli Post bekommen. Der Brief ist überschrieben mit „Änderung der Bedingungen für das Online-Banking und Einführung ergänzender Bedingungen für digitale Karten mit individualisierten Authentifizierungsverfahren zum 14. September 2019“.

Das ist fraglos nicht die Art von Lesestoff, den jeder Kunde direkt „verschlingt“; nicht wenige dürften es erst einmal beiseitegelegt haben.

Doch es geht jeden an, der Bankgeschäfte und Bezahlvorgänge online erledigt, völlig unabhängig davon, bei welcher Bank er oder sie Kunde ist. Unsere Redaktion hat die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema zusammengestellt.

? Warum ändert sich überhaupt etwas?

Zum 14. September setzen die Geldinstitute eine EU-Vorgabe um, die den sperrigen Titel Zweite Zahlungsdiensterichtlinie trägt, abgekürzt PSD 2 (für engl. Payment Services Directive 2). Die europaweit einheitlichen Regeln sollen für mehr Sicherheit und Vertrauen bei elektronischen Zahlungen sorgen. Die Rechte der Bankkunden sollen ebenso gestärkt werden wie der Wettbewerb im Zahlungsverkehr, an dem längst auch Online-Dienste teilnehmen.

? Was ändert sich?

Einiges. Die Änderungen betreffen etwa das Online-Banking (Umsatzabfragen, Überweisungen), das mobile Bezahlen mit der digitalen Karte im Smartphone sowie Kreditkartenzahlungen im Internet. Und es gibt neue Vorschriften für Drittdienste, sogenannte Zahlungsauslösedienste und Kontoinformationsdienste.

? Was hat es mit diesen Drittdiensten auf sich?

Nicht nur das Einkaufen, sondern auch das Bezahlen im Netz ist ein riesiger Markt geworden, jeden Tag werden in Deutschland millionenfach Zahlungen angewiesen. Die Nutzung eines Online-Bezahldienstes wie PayPal, Click&Buy oder Sofortüberweisung ist bei Kunden inzwischen beliebter als der Kauf auf Rechnung und der Lastschrifteinzug. Sparkassen, Volksbanken und die deutschen Privatbanken stehen einerseits in Konkurrenz zu diesen Diensten, betreiben andererseits mit PayDirekt längst auch einen eigenen, gemeinsamen Zahlungsauslösedienst.

? Und was ist ein Kontoinformationsdienst?

Diese Dienste, einer der größten in Deutschland ist Check24, können Kontostände und Umsätze abrufen und dem Nutzer etwa anzeigen, wofür er sein Geld ausgibt, wo er etwas sparen könnte, um dann auch gleich die Kündigung des jeweiligen Vertrages vorzunehmen. Kunden, die mehrere Konten bei verschiedenen Banken besitzen, können sich diese auf einen Blick anzeigen lassen. Die Nutzung ist für den Kunden in aller Regel kostenlos – er bezahlt quasi mit seinen Daten. Denn durch den Zugriff auf sämtliche Transaktionen können die Dienste natürlich Rückschlüsse etwa auf das Einkaufsverhalten ziehen und entsprechende Angebote in Form von Werbung unterbreiten. Kommen so Käufe zustande, kassieren sie vom Verkäufer eine Provision.

? Aber die Dienste gibt es ja schon. Was ändert sich denn nun?

Die Konto- und Zahlungsdienste sind nunmehr gesetzlich anerkannt und unterliegen der Bankenaufsicht (Bafin), bei der sie sich auch registrieren lassen müssen. Sie dürfen – immer den Kundenauftrag vorausgesetzt – auf das Konto „schauen“ und Daten abrufen. Die Anbieter sind allerdings verpflichtet, diese Daten nur für den vom Kunden beauftragten Zweck zu verwenden. Und sie müssen dafür sorgen, dass die abgefragten Sicherheitsmerkmale wie Anmeldename, PIN und TAN niemand anderem zugänglich sind.

? Darauf mag nicht jeder Kunde vertrauen. Soll der Zahlungsverkehr im Internet nicht eigentlich sicherer werden?

Letztlich muss jeder Kunde für sich selbst entscheiden, ob und wem er gegebenenfalls Zugriff auf seine Kontodaten gibt. Das reine Online-Banking soll aber tatsächlich sicherer werden, und zwar durch eine Kombination von sehr personalisierten Faktoren.

? Welche Faktoren sind das?

Vom 14. September an ist im Online-Banking etwas Pflicht, was im Bank-Fachchinesisch „starke Kundenauthentifizierung“ heißt. Zwei von drei Faktoren aus folgenden Kategorien müssen dann erfüllt sein:

  • Wissen, also etwas, was nur der Kunde weiß (z.B. PIN)
  • Besitz, also etwas, was nur der Kunde besitzt (z.B. das Smartphone, an das eine TAN übermittelt wird, oder die Sparkassen-Card mit TAN-Generator)
  • Sein, also etwas, das nur der Kunde sein kann (biometrische Merkmale, z.B. Fingerabdruck oder Gesichtserkennung)

Die neuen Vorschriften bedeuten im Umkehrschluss das Aus für die sogenannten i-Tan-Listen. Die per Post verschickten Papierlisten mit durchnummerierten TANs dürfen ab dem 14. September nicht mehr zur Autorisierung von Überweisungsaufträgen oder anderen Bankgeschäften verwendet werden.

Neue Bestimmungen fürs Online-Banking: Was Kunden jetzt wissen sollten

Ab dem 14. September können die iTAN-Papierlisten beim Online-Banking nicht mehr verwendet werden. © picture alliance/dpa

? Doppelte Sicherheit durch Eingabe von PIN und TAN kennt man doch schon von Überweisungen. Was also ist daran neu?

Zukünftig kann die „starke Authentifizierung“ auch in anderen Fällen erforderlich sein, zum Beispiel beim Zugriff auf Kontoinformationen (Kontostand und Umsätze, alle 90 Tage). Es gibt allerdings auch Ausnahmen, etwa Umbuchungen vom Girokonto aufs Tagesgeldkonto.

? Was ändert sich beim mobilen Bezahlen im Supermarkt oder Modegeschäft?

Immer mehr Händler bieten das Bezahlen per digitaler Karte an, weil es für beide Seiten eine Zeitersparnis darstellt – und außerdem für den Händler weniger Aufwand bedeutet, wenn er kein Kleingeld mehr bereithalten muss. Künftig gilt: Wenn die Zahlung den Betrag von 25 Euro übersteigt, muss die Freigabe über das Mobiltelefon erfolgen, etwa durch Eingabe des Gerätecodes, und nicht wie bisher durch Eingabe der PIN am Kassenterminal.

Neue Bestimmungen fürs Online-Banking: Was Kunden jetzt wissen sollten

An dem Symbol rechts neben dem Chip lässt sich erkennen, ob mit der EC-Karte bereits kontaktloses Bezahlen möglich ist. © picture alliance / Rolf Vennenbe

Und wenn ich das alles gar nicht will?

Jeder Kunde hat es selbst in der Hand, ob und wie er Online-Banking und mobiles Bezahlen nutzt. Die Zustimmung zu den Änderungen gilt als erteilt, wenn der Kunde nicht bis zum 14. September widerspricht. Bis dahin besteht auch die Möglichkeit der fristlosen und kostenfreien Kündigung des Online-Banking-Vertrages. Im Zweifel empfiehlt sich auch ein persönliches Gespräch mit dem Kundenberater des Vertrauens.

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