Nach Unfällen mit Senioren: Studie untersucht Fahrkompetenz im Alter

Teilnehmer gesucht

Ein 76-Jähriger verwechselt Bremse und Gas, rast mit seinem Auto in ein Gartencenter. Danach fordern viele Eignungstests für Senioren. Ob diese Forderung berechtigt ist, soll eine Studie klären.

Kreis Unna

, 27.11.2018, 11:49 Uhr / Lesedauer: 1 min
Nach Unfällen mit Senioren: Studie untersucht Fahrkompetenz im Alter

Es sind Unfälle wie dieser, die immer wieder Diskussionen um Senioren am Steuer entfachen: Ein 76-Jähriger verwechselte im August dieses Jahres beim Einparken seines Automatik-SUV vermutlich Gas- und Bremspedal und richtete einen erheblichen Sachschaden in einem Gartencenter und Café an. © Stefan Milk

Im August sorgte der spektakuläre Unfall in einem Gartencenter in Bergkamen für Aufsehen, im September fuhr eine 84-Jährige in Fröndenberg in eine Gruppe von Schülern. Unabhängig von der Ursache ist das öffentliche Reaktionsmuster immer gleich: Das hohe Alter ist „schuld“, die Senioren sollen doch bitte ihren Führerschein freiwillig abgeben oder sich wenigstens einer Gesundheitsprüfung unterziehen, fordern viele Menschen in den sozialen Netzwerken. Doch das Thema ist auch deshalb heikel, weil der Führerschein und das eigene Auto eine Mobilität und Unabhängigkeit etwa von Angehörigen bedeuten, denen viele Senioren nach eigenem Bekunden „doch nicht zur Last fallen wollen“.

Voraussetzungen für sicheres Autofahren bis ins hohe Alter ermitteln

Das Leibnitz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund untersucht das Thema, das mit der zunehmenden Zahl von Senioren im Straßenverkehr immer wichtiger wird, nun wissenschaftlich. Die Studie „Sicher Fahren“ soll Aufschluss darüber geben, ob und wie sich die Fahrkompetenz mit steigendem Alter verändert. Die Erkenntnisse sollen helfen, die Voraussetzungen für sicheres Autofahren bis ins hohe Alter zu ermitteln.

Teilnehmer der Jahrgänge 1941 bis 1950 gesucht

Wie Ernst-Dieter Standop als Vorsitzender der CDU-Senioren-Union im Kreis Unna und Vorstandsmitglied der Kreisseniorenkonferenz mitteilt, sucht das Leibnitz-Institut ältere Kraftfahrer, die sich an dem Projekt beteiligen. Die Autofahrerinnen und Autofahrer sollten aus den Geburtsjahrgängen 1941 bis 1950 stammen. In Abständen von etwa 15 Monaten werden bis zum Jahr 2021 Fahrgewohnheiten, Sehfähigkeit und geistige Fitness überprüft, auch mithilfe eines Fahrsimulators.

Ein Blick auf die Polizei-Statistik weist übrigens seit 2015 eine Stagnation bei der Unfallbeteiligung von Senioren (65 Jahre und älter) aus. Allerdings bemerkte die Kreispolizeibehörde Unna bei der Vorstellung ihrer jüngsten Unfallstatistik, dass die Zahl gegenüber den Jahren 2011 bis 2014 mit durchschnittlich 129 verunglückten Senioren sich ab 2015 deutlich erhöht habe. Der Schnitt der Jahre von 2015 bis 2017 liegt bei 172.

  • Wer sich für die Teilnahme an der Studie „Sicher Autofahren“ interessiert, kann sich beim Leibnitz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund melden.
  • Kontakt: Tel. (0231) 1084-461 (Anrufbeantworter), E-Mail: sicherfahren@ifado.de
  • Weitere Informationen gibt es hier.
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