Nach Hitze-Tod auf der A2: Für Tiertransporte gelten in der EU eigentlich strenge Regeln

dzTiertransporte

Der völlig überhitzte Tiertransporter, den die Polizei am Dienstag bei Bönen stoppte, sorgt bundesweit für Diskussionen – und hat sogar bereits ein Verbot zur Folge.

Kreis Unna

, 25.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Der Tiertransporter, auf dessen Ladefläche am späten Dienstagnachmittag drei Schweine den Hitzetod fanden, hätte unter diesen Bedingungen gar nicht fahren dürfen. Eine EU-weit geltende Verordnung macht klare Vorgaben zu den Transportbedingungen.

Temperaturen von fünf bis 30 Grad erlaubt

Demnach muss die Temperatur in dem Transporter in einem Bereich zwischen fünf und 30 Grad Celsius liegen; die Toleranz nach oben und unten liegt bei fünf Grad Celsius. Die Messung der Polizeibeamten, die den Transporter nach dem Hinweis eines aufmerksamen Autofahrers auf der A2 bei Bönen stoppten, ergab eine Lufttemperatur von 41 Grad Celsius auf der Ladefläche; lag damit also noch deutlich über der Toleranzgrenze.

EU-Verordnung regelt auch die Wasserversorgung

Noch dazu war der Wassertrank zur Versorgung der Tiere leer. Auch in dieser Frage ist die Verordnung eigentlich unmissverständlich: „Während der Beförderung muss die ständige Versorgung der Tiere mit Wasser gewährleistet sein“, heißt es unter anderem zu dem Transport von Schweinen. Selbst Mindest-Rationen sind festgelegt – noch dazu ist laut Verordnung bei langen Beförderungen darauf zu achten, dass jederzeit Wasser nachgefüllt werden könne.

Baden-Württemberg verbietet Transporte bei starker Hitze

Der Vorfall erregte im Kreis Unna und darüber hinaus große Aufmerksamkeit. So sollte unter anderem in Baden-Württemberg noch am Donnerstag ein Erlass in Kraft treten, der Tiertransporte bei über 30 Grad verbieten soll, wie SWR3 unter Berufung auf den dortigen Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) berichtet. Überhaupt scheint die Politik für die Problematik von Tiertransporten in heißen Sommermonaten sensibilisiert zu sein. Gemäß Beschluss der Agrarministerkonferenz im Herbst vergangenen Jahres sollen die deutschen Genehmigungsbehörden in den Sommermonaten bei hohen Temperaturen keine Transporte in Drittländer mehr genehmigen. Das hilft freilich nur für Lebendexporte aus Deutschland. Der Tiertransporter, der am Dienstag gestoppt worden war, war aus Frankreich zu einem deutschlen Schlachthof aufgebrochen.

„Und das alles, damit Fleisch für unter drei Euro das Kilo auf dem Teller landen kann.“
Marion Kuehn-Seepe (FDP)

Dazu meldete sich als Reaktion auf die Berichterstattung über den Vorfall unter anderem auch die Bergkamenerin Marion Kuehn-Seepe (FDP) zu Wort. „Ich habe 1983 in meiner Ausbildung zur Fleischfachverkäuferin gelernt, dass Schlachttiere auf dem direkten, also kürzesten Weg der fachgerechten Tötung zugeführt werden müssen.“ Der Fleischtourismus innerhalb der EU und auch in Drittländer sei alles andere als das, der Vorfall am Dienstag in Bönen sei deshalb auch kein Einzelfall, vermutet sie. „Und das alles, damit Fleisch für unter drei Euro das Kilo auf dem Teller landen kann. Beim nächsten Grillen einfach mal darüber nachdenken!“, schreibt Kuehn-Seepe.

Genehmigung für Strecken über 65 Kilometer nötig

Übrigens: Nicht jeder Transportunternehmer darf nach Gutdünken Tiere durch die EU fahren. Für alle Strecken von mehr als 65 Kilometern müssen die Transportunternehmer eine Zulassung besitzen.

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