Nach Aus für Teststelle in Unna: Ab zur Corona-Sprechstunde beim Hausarzt

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Nur noch bis Pfingstsonntag bleibt die Corona-Teststelle in Unna geöffnet. Danach sollen Rachenabstriche bei potenziellen Corona-Kranken wieder dezentral in Arztpraxen erfolgen. Das birgt Risiken.

Kreis Unna

, 25.05.2020, 12:43 Uhr / Lesedauer: 2 min

Aus der Ausnahme wird eine Regel: Wer mutmaßlich an Covid-19 erkrankt ist, wird ab Pfingsten nicht mehr in die gesonderte Corona-Teststelle in Unna geschickt. Hausärzte sollen sich dann in ihren Praxen um die Verdachtsfälle kümmern und den Rachenabstrich vornehmen.

Die Abkehr von der zentralen Teststelle hin zur dezentralen Untersuchung wirft die Frage auf, wie die Hausärzte verhindern wollen, dass Corona-Infizierte im Wartezimmer auftauchen und dort das Ansteckungsrisiko für Patienten und Personal erhöhen. Wissenschaftliche Erkenntnisse verdichteten sich zuletzt, dass winzige, in der Luft stehen bleibende Atem-Tröpfchen in geschlossenen Räumen ein unterschätzter Übertragungsweg sind.

Die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) empfiehlt ihren Mitgliedern, die Abläufe in der Praxis so zu organisieren, dass sich Corona-Verdachtsfälle und andere Patienten nicht über den Weg laufen. Je nach räumlichen Verhältnissen gibt es zwei Möglichkeiten.

Sprechzeit nur für Corona-Patienten

Dr. Prosper Rodewyk, Leiter der KVWL-Bezirksstelle Dortmund, nennt zuerst die sogenannte Infektionssprechstunde. „Natürlich sollen Corona-Infizierte nicht in die Praxis rennen, sondern sie sollen sich wie bisher vorher anmelden. Wenn sie sich anmelden, werden sie befragt. Wenn der Patient von Husten, Schnupfen, Heiserkeit berichtet, bestellt der Arzt ihn zum Beispiel für 17 Uhr oder elf Uhr in die Praxis, wenn er eine Infektionssprechstunde anbietet.“ Der Arzt müsse dann dafür sorgen, dass alle anderen Patienten dann schon heraus seien.

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Infektionsraum statt Wartezimmer

Die zweite Möglichkeit ist die Einrichtung eines Infektionsraums. „Dort kommen die Patienten hinein, die sich mit Erkältungssymptomen anmelden“, erklärt Dr. Rodewyk. Vom Wartezimmer und Sprechzimmer ist dieser Bereich idealerweise getrennt. Der Doktor sucht die Patienten im Infektionsraum auf.

Nicht für alle Arztpraxen dürfte eines der beiden Modelle infrage kommen, sei es aus räumlichen Gründen oder weil der Arzt oder sein Personal zur Risikogruppe zählen.

„Wenn es wirklich sein sollte, dass Praxen sagen, dass sie sich nicht in der Lage sehen, das zu machen, werden wir in ihrem Beritt andere Praxen finden, die dazu bereit sind“, sagt Dr. Rodewyk. „Dann werden die Patienten dort hingeschickt.“

Teststelle Unna bis Pfingstsonntag geöffnet

Die Corona-Teststelle in Unna öffnet nach KVWL-Angaben das letzte Mal am Pfingstsonntag, 31. Mai. Weitere Teststellen im Kreis Unna haben ihren letzten Öffnungstag demnach am 29. Mai (Schwerte) und 5. Juni (Lünen).

Landrat Michael Makiolla (SPD) hat die Schließung kritisiert, weil damit die gerade erst aufgebaute Infrastruktur wieder verschwindet. Zudem drückte er Zweifel aus, dass die Kassenärzte jetzt in der Lage sind, die Tests in ihren Praxisräumen durchzuführen. Denn weil sie bei Beginn der Pandemie dazu nicht in der Lage waren, hatte das Gesundheitsamt zunächst eigene Teststellen eröffnet.

Diese waren solange in Betrieb, bis die KVWL ihre Corona-Diagnose- und Behandlungszentren aufgebaut hatte. Die KVWL versichert, dass die Situation in den Praxen inzwischen anders sei als zu Beginn der Pandemie, als Schutzausrüstung fehlte.

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Hausärzte wenig begeistert

Bei den Hausärzten soll sich die Begeisterung dafür, dass sie jetzt keine Corona-Patienten mehr an Teststellen verweisen können, in Grenzen halten. Doch angesichts niedriger Infektionszahlen betrachtet es ihre Dachorganisation als unwirtschaftlich, die Teststellen weiterzuführen. „Die Teststelle ist von allen Ärzten bezahlt worden, und irgendwann ist so ein Säckel alle“, sagt Dr. Prosper Rodewyk.

Covid-19

Krankheitszeichen

Geruchs- und Geschmacksstörungen, Fieber, Husten, Halsschmerzen, allgemeine Schwäche, Schmerzen, laufende Nase und Durchfall – dies sind in dieser Reihenfolge in Europa die häufigsten Symptome für eine Covid-19-Erkrankung. Das geht aus Daten des Europäischen Surveillance Systems hervor, die das Robert-Koch-Institut auf seiner Internetseite wiedergibt.

Derweil wartet Landrat Makiolla auf nähere Einzelheiten zu einer neuen Regelung, die das Gesundheitsamt davor bewahrt, auf Kosten für Corona-Tests sitzen zu bleiben, die es derzeit nicht der KVWL abrechnen kann. In dem Kostenstreit geht es um vorsorgliche Tests bei bestimmten Personen ohne Corona-Symptome. Bislang müssen die Krankenkassen diese Kosten nicht übernehmen.

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