Die Musikschule Kamen bietet während der Corona-Krise Fernunterricht an. Doch die Schüler lernen in dieser Zeit nicht nur auf ihren Instrumenten, sondern auch etwas fürs Leben.

Kamen

, 28.03.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Videounterricht, Telefonate oder musikalische Grüße per Post – die Kamener Musikschullehrer sind erfinderisch geworden, um auch in der Corona-Krise den Kontakt zu ihren Schülern zu halten. Während es im Schulgebäude am Bollwerk selbst ruhig geworden ist und die Klassenzimmer leer bleiben, arbeiten die Lehrer zu Hause umso intensiver.

„Das ist ein gewaltiger Zeitaufwand“, sagt Musikschulleiter Alexander Schröder. Die Lehrer wollen schließlich jeden Schüler individuell betreuen und das muss technisch erst einmal ermöglicht werden. Mit manchen tauschen sie E-Mails aus, kommunizieren über WhatsApp oder Skype und sogar Klangdateien sind in Umlauf.

Die Mühen werden belohnt, der Fernunterricht funktioniert gut und kommt bei den Schülern an. „Gerade in jüngeren Familien ist es Gang und Gäbe, übers Internet zu kommunizieren. Viele Schüler finden den Internetunterricht richtig cool“, sagt Schröder. Natürlich komme es vor, dass die Übertragungsrate nicht optimal ist, aber dann kann immer noch ganz klassisch das Telefon zur Hand genommen werden.

Kinder und Jugendliche sind selber für ihre Tagesstruktur verantwortlich

Der Fernunterricht ist aber nicht nur gut, weil die Schüler ihre Instrumente nicht verlernen. Es fordert und fördert auch das eigenverantwortliche Arbeiten. „In diesen Zeiten fallen die festen Tagesstrukturen weg“, sagt Schröder. Egal ob Schule, Musik- oder Sportunterricht – all das, was sonst Ordnung in den Tagesablauf bringt, ist derzeit nicht mehr möglich. „Die Schüler sind jetzt gefragt, so gut es geht, eigene Tagesstrukturen zu finden“, sagt Schröder. Musikunterricht aus der Ferne ist eine Form davon, aber natürlich auch das eigenständige Üben.

Eigentlich ist es besser, wenn der Musiklehrer den Nachwuchsmusikern die Handgriffe persönlich zeigen kann. Wegen des Coronavirus ist das derzeit nicht möglich. Deshalb ist auch Eigeninitiative der Musikschüler gefragt.

Eigentlich ist es besser, wenn der Musiklehrer den Nachwuchsmusikern die Handgriffe persönlich zeigen kann. Wegen des Coronavirus ist das derzeit nicht möglich. Deshalb ist auch Eigeninitiative der Musikschüler gefragt. © dpa

Und ein schöner Nebeneffekt ist freilich die Stimmung, die durch Musik verbreitet wird – ein Blick nach Italien, wo ganze Nachbarschaften sich mit Gesang und Musik gegenseitig aufmuntern und Hoffnung machen, genügt, um zu zeigen, welche Kraft und Wirkung Musik hat.

„Musizieren ist für sich selbst und andere eine gute Sache. Besonders in schwierigen Zeiten und in Zeiten, in denen man auf sich selbst zurückgeworfen wird, ist es wichtig, dass dass man aktive Tätigkeiten ausübt. Immer nur zu lesen und Filme zu schauen ist auf den Tag gesehen auch zu wenig“, findet Schröder.

Junge Musikschüler bekommen Post von der Musikfee

Wer sich jetzt allerdings denkt, dass er die Zeit, die man in dieser Krise dazugewonnen hat, dafür nutzen kann, ein neues Instrument zu erlernen, der wird es nicht so einfach haben. Persönlicher Unterricht ist für Anfänger die bessere Lösung. Deshalb richtet sich der Fernunterricht der Musikschule auch nur an die Schüler, die schon ein, zwei Jahre Unterricht genommen haben.

Doch auch die jüngeren Musikschüler werden von ihren Lehrern nicht alleine gelassen. Für sie gibt es zwar nicht direkt Musikunterricht – was wegen des Gruppenunterrichts digital ohnehin schwer zu bewältigen wäre – sondern Post oder E-Mails mit Aufgaben.

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Manche bekommen auch ein Päckchen von der Musikfee. Sie schickt dem Kurs „Erlebnis Musik mit Instrument“ ein kleines Paket, in dem Aufgaben enthalten sind und ein E-Mail-Kontakt. An diesen Kontakt dürfen die Kinder sich wenden, wenn sie Fragen oder die Aufgaben erfüllt haben.

Die Aufgaben sind kreativ und lassen den Kindern freie Hand. „Sie können sich zum Beispiel kleine Musikstücke ausdenken, sich einen Titel aussuchen und dazu Musik erfinden oder sich eine Geschichte vorlesen lassen und dazu die Musik spielen. Oder sie gehen in die Natur und lauschen den Vögeln und kreieren daraus ein Stück“, sagt Schröder.

In dem Paket sind Anregungen enthalten, die die Fantasie der Kinder entfalten soll. Für sie ergibt sich aus der derzeit schwierigen Situation also irgendwie etwas Positives: „Jetzt sind sie notgedrungen frei von allen Fesseln des didaktischen Lernens und können selber auf Entdeckungstour gehen.“

Die Musikschule hat fast alle Schüler erreicht. Falls in Einzelfällen noch kein Kontakt zu Schülern zustande gekommen sein sollte, bittet die Musikschule um Rückmeldung unter der E-Mail-Adresse info@musikschule-kamen.de.
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