Der Schutz gegen das Coronavirus wird für Schwerhörige zum Problem

dzMund-Nasen-Masken

Die Mund-Nasen-Bedeckungen sollen Menschen vor der Verbreitung des Coronavirus schützen. Doch sie stellen auch eine Barriere dar. Für schwerhörige Menschen wird die Kommunikation kompliziert.

Kreis Unna

, 28.05.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Problem ist kaum hörbar – und doch ist es ein sehr großes: „Mund-Nasen-Masken dämpfen die Sprache um bis zu zehn Dezibel“, sagt Hörakustikermeisterin Britta Hesselbach-Komander. Das haben Messungen mit Mundschutz ergeben. „Schwerhörige haben es in dieser Zeit besonders schwer. Inzwischen programmieren wir unseren Kunden aber ein Hörprogramm, welches diese Dämpfung ausgleicht. Das schafft unseren Kunden große Erleichterung“, sagt Hesselbach-Komander.

Masken verhindern das Ablesen von den Lippen

Neben der gedämpften Sprache kommt ein weiteres Problem häufig hinzu: Durch das Tragen von Masken wird das Mundbild verdeckt. „Hochgradig schwerhörige Menschen schauen einem auf den Mund und nicht in die Augen“ erklärt Hesselbach-Komander. Das Ungehörte vom Mund abzulesen, funktioniere bei ihnen praktisch automatisch. Der Pro-Akustik-Verband, in dem sie zusammen mit etwa 100 weiteren selbstständigen Hörakustikmeistern Mitglied ist, habe überlegt, wie man das Maskenproblem für ihre Kundschaft lösen kann und hat Masken mit Klarsichtfolie entwickelt.

Gebärdensprache keine echte Alternative

Für hochgradig hörgeschädigte Menschen ist auch die Gebärdensprache keine echte Alternative. Diese wird zum Beispiel bei wichtigen Pressekonferenzen immer häufiger angewendet, doch im Alltag ist sie fast nicht präsent. Zum einen beherrscht die Gebärdensprache nur ein sehr geringer Teil der Menschen, zum anderen ist auch dabei das Ablesen von den Lippen ein wichtiges Element, das Betroffenen das Verstehen erleichtert.

Profil

Ein Team mit viel Erfahrung

Hörakustikmeisterin Britta Hesselbach-Komander eröffnete 1990 ihr erstes Hörakustik Fachgeschäft in Iserlohn. Inzwischen sind Filialen des Unternehmens auch in Schwerte, Hemer, Fröndenberg und Unna zu finden. Zum Team gehören 23 Mitarbeiter. Ihr Sohn, David Komander, ist ebenfalls Hörakustikmeister und Betriebswirt. Er stieg 2018 ins Unternehmen ein.

Erstaunlich viele Menschen tragen Hörgeräte. Etwa 16 Millionen Menschen sind in Deutschland von einer Hörminderung betroffen – und es sind keineswegs ausschließlich alte Menschen, die ein Hörgerät benötigen. „Es gibt auch junge Menschen, die durch Infektionen oder Lärm eine verringerte Hörfähigkeit haben“, sagt Hesselbach-Komander.

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Die Hörakustikerin bittet um mehr Rücksichtnahme gegenüber den Betroffenen – zumal auch Normalhörende derzeit durchaus Probleme mit dem Verstehen von Sprache haben können. Besonders Laute wie „s“ oder „z“, „t“ oder „k“ kommen nur gedämpft und verschwommen beim Zuhörer an, wenn der Sprecher eine Mund-Nasen-Maske trägt. „Eigentlich sind derzeit alle ein wenig schwerhörig“, bemerkt Hesselbach-Komander mit einem Augenzwinkern.

Hörgeräte gehen beim Abnehmen der Maske verloren

Herkömmliche Mund-Nasen-Masken, die mit einem Gummiband hinter den Ohren befestigt werden, dämpfen aber nicht nur den Schall und machen das Lippenlesen unmöglich. Sie kommen auch in Konflikt mit den Hörgeräten, die ebenfalls hinter den Ohren getragen werden. „Es kam schon zu Verlusten“, weiß die Hörakustikmeisterin.

David Komander zeigt, wie man einen Maskenhalter trägt. Bei diesen entfällt das Auf- und Abnehmen der Masken im Bereich der Ohren. Somit geht ein Hörgerät nicht mehr so schnell verloren.

David Komander zeigt, wie man einen Maskenhalter trägt. Bei diesen entfällt das Auf- und Abnehmen der Masken im Bereich der Ohren. Somit geht ein Hörgerät nicht mehr so schnell verloren. © Hesselbach Hörakustik

Auch dafür hat sie eine Lösung: Maskenhalter. Das sind spezielle Befestigungen, damit die kleinen Hightechgeräte am Ohr nicht verrutschen oder verloren gehen. Diese können gegen eine Spende von 2 Euro zugunsten der örtlichen Tafeln bei Hörakustik Hesselbach erworben werden.

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