Obwohl die Türen zu den Geschäften der Kamener Einzelhändler geschlossen bleiben, wird drinnen oft dennoch gearbeitet. Die Läden setzen auf Online Shopping und Abholung.

Kamen

, 29.03.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Überall ist derzeit zu lesen, dass das Leben stillsteht. Vor allem wenn man in der Innenstadt die geschlossenen Geschäfte und Restaurants sieht, drängt sich einem der traurige Eindruck auf, dass Einzelhändler und Restaurantbesitzer derzeit wenig bis gar nichts zu tun haben. Dass das nicht stimmt, zeigt nicht nur das Beispiel von manchen Gastronomen, die auf Lieferservice oder Abholdienst umgestellt haben. Auch viele Ladenbesitzer haben Lösungen gefunden, mit der Krise umzugehen.

Der Punkt für die kreativste Idee geht wohl an die Buchhandlung Willi Schulte in Heeren-Werve. Dort steht ein Abholtisch im Innenhof. Die Käufer geben telefonisch oder per Mail ihre Bestellung auf und können sich dann die Bücher, die schon auf dem Tisch bereitliegen, abholen. Das Geld überweisen sie oder werfen es in die Box, die bereitsteht. „Da es meist kleinere Beträge sind, werfen viele lieber Bargeld ein“, sagt Stefanie Thielen.

Ein zweiter Tisch steht am Eingang der Buchhandlung Willi Schulte. Heeren-Werver können sich dort Zeitungen und Zeitschriften mitnehmen und das Geld dafür in die kleine Dose werfen.

Ein zweiter Tisch steht am Eingang der Buchhandlung Willi Schulte. Heeren-Werver können sich dort Zeitungen und Zeitschriften mitnehmen und das Geld dafür in die kleine Dose werfen. © Borys Sarad

Der Tisch steht zwischen 10 und 12 Uhr sowie von 17 bis 18 Uhr bereit – damit die Bücher nicht zu lange draußen liegen.

Zusätzlich steht vor dem Laden ein weiterer Tisch, auf dem Tageszeitungen, Rätselhefte etc. liegen. „Viele sind jeden Morgen vorbeigekommen, denen möchten wir auch weiterhin die Möglichkeit geben, ihre Zeitung zu bekommen“, sagt Thielen. Auch auf dem Tisch vorne steht eine Box, in die man einfach das Geld hineinwerfen kann.

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Juwelier Becher arbeitet an einem neuen Online Shop

Das Angebot werde gut von den Kunden angenommen, erzählt Thielen. Die Buchhandlung Willi Schulte ist also trotz Krise recht gut aufgestellt und kann das Geschäft, wenn auch eingeschränkt, weiterlaufen lassen.

bbfdesign

Schnell zum eigenen Online Shop

  • Geschäfte, die noch keinen Online Shop haben, können sich professionellen Rat holen – zum Beispiel in der Kamener Firma bbfdesign.
  • Inhaber Björn Alexander Binder bietet an, in dieser schweren Zeit, kurzfristig zu reagieren und einen Online Shop ohne viel „Schnick Schnack“ und hohe Kosten zum Laufen zu bringen.
  • Der Kunde kann das Liefergebiet eingrenzen, online seine Warenbestände abbilden und das Angebot auch auf Plattformen wie Amazon oder Ebay bringen. Wie genau und was noch möglich ist, erklärt Binder unter Tel. (02307) 9169255 oder via info@bbfdesign.de

Einen Online Shop musste das Geschäft nicht aus dem Boden stampfen, den gibt es bereits seit 2017. Da aber vor allem der persönliche Verkauf das Hauptgeschäft ausmacht, läuft der Abholtisch besser – denn ein klein bisschen persönlichen Kontakt gibt es dann doch, wenn Thielen die Kunden aus der Buchhandlung heraus begrüßen kann. Natürlich mit reichlich Abstand.

Während der Abholtisch die perfekte Lösung für die Buchhandlung ist, bietet sich diese Methode freilich nicht für jeden Einzelhändler an – wie im Falle von Juwelier Becher. Doch auch hier sind die Mitarbeiter trotz Schließung am Arbeiten. „Wir stellen das ganze System um und bekommen einen neuen Online-Shop“, sagt Jan Becher. Zwar gebe es schon einen Online Shop, der sei jedoch veraltet. „Jetzt ist die Zeit da, um daran zu arbeiten“, sagt Becher.

Während früher nur größere Bestellungen geliefert wurden,bringt der Elektromarkt Brumberg während der Coronakrise auch kleinere Geräte zu den Kunden. Patrik Przedula und Pascal Grafe (v.l.) bearbeiten Online-Bestellungen.

Während früher nur größere Bestellungen geliefert wurden, bringt der Elektromarkt Brumberg während der Corona-Krise auch kleinere Geräte zu den Kunden. Patrik Przedula und Pascal Grafe (v.l.) bearbeiten Online-Bestellungen. © Borys Sarad

Er hofft, dass der neue Shop Ende des Monats online geht – und dass die Anfragen damit steigen. Denn bisher wird das Angebot nur vereinzelt genutzt, etwa bei spezielleren Produkten, die nicht so einfach im Internet bestellt werden können. Becher hofft jedoch, dass die Kamener in der Krise beim heimischen Juwelier bestellen – auch wenn die Preise höher sein mögen. „Im Internet ist alles preiswerter, aber wir zahlen hier Miete und bilden Mitarbeiter aus“, erklärt er.

Der Elektromarkt Brumberg hat trotz Corona viel zu tun

Während Becher und sein Team an der Software-Renovierung arbeiten, reißen die Mitarbeiter des Elektromarkt tatsächlich Teppichboden raus. „Wir wollen die Mitarbeiter nicht in Kurzarbeit schicken, deshalb sind hier alle zugange“, sagt Andreas Brumberg. Während ein Teil der Mitarbeiter mit Renovierungsarbeiten beschäftigt sind, kümmern sich andere um das Tagesgeschäft – und das brummt trotz Ladenschließung.

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Reparaturen und Beratungen laufen weiter über das Telefon und auch einen Online Shop hat der Markt schon länger. In der Corona-Krise bietet Brumberg zudem an, auch kleinere Geräte zu innerhalb von 10 Kilometern zu liefern und ist somit schneller als andere Online-Shops.

Zudem gebe auch viele Kunden, die ihre Ware abholen. Dank des Wetters könne dabei draußen auch genug Abstand gehalten werden, sagt Brumberg. „Es gibt kein Gedrängel, die Leute halten sich an die Regeln“, freut er sich. Wenig überraschend ist es, dass neben Haushaltsgeräten vor allem Computer und Fernseher gut laufen.

Weil der Laden vorerst geschlossen bleibt, beschäftigen sich die Mitarbeiter von Brumberg anders – und starten mit der ohnehin geplanten Renovierung des Verkaufsraums. Ein neuer Teppich soll her.

Weil der Laden vorerst geschlossen bleibt, beschäftigen sich die Mitarbeiter von Brumberg anders – und starten mit der ohnehin geplanten Renovierung des Verkaufsraums. Ein neuer Teppich soll her. © Borys Sarad

Regionale Einzelhändler mit Gutscheinen unterstützen

Was andere Einzelhändler, aber auch Gastronomen und Dienstleister in Kamen während der Krise anbieten, ist neuerdings auf der Internetseite www.kamen-liefert.de zusammengefasst. Die Plattform hat die Kamener Interessengemeinschaft der Gewerbetreibenden (KIG) ins Leben gerufen. Auf der Seite finden sich zum Beispiel geänderte Öffnungszeiten und Liefermöglichkeiten.

Wer die Einzelhändler in der Umgebung zwar unterstützen möchte, gerade aber keinen Fernseher oder frischen Lesestoff braucht, kann das über die Internetseite www.gutundschein.de tun. Ins Leben gerufen hat sie das Kamener Unternehmen P1 Commerce gemeinsam mit einem Partner aus Dortmund.

Auf der Seite können Gutscheine für lokale Läden erworben werden, die man dann nach Corona persönlich einlösen kann. Wer seinen Friseur, sein Lieblingsgeschäft, -Cafe oder - Restaurant auf der Seite noch nicht findet, kann mit einem vorgefertigten Formular darauf aufmerksam machen. Wie genau das funktioniert, ist auf der Seite ausführlich beschrieben.

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