Bauerkind, Bauerntrampel, Landei: Kinder von Landwirten werden immer wieder Opfer von Mobbing. Fünf Studenten wollen dagegen ein Zeichen setzen – und zwar mit einer hippen Kleiderkollektion.

Kreis Unna

, 17.11.2018, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Botschaft von Jan Möllenbrink und seinen Freunden ist eigentlich ganz einfach: Bauernkinder sollten stolz auf ihre Herkunft sein. Doch das ist heutzutage nicht selbstverständlich. Denn Kinder von Landwirten werden zunehmend zu Zielscheiben von Hänseleien. Gemeinsam mit vier Freunden von der Uni hat Möllenbrink deshalb das Projekt „bauernkind“ ins Leben gerufen. Unter dem gleichnamigen Label vertreiben sie eine ganze Kleiderkollektion – und wollen damit ein Zeichen gegen Mobbing setzen.

Die Idee für das Projekt ist etwa ein Jahr alt. Damals wollten die fünf Agrarstudenten von der Universität Göttingen nur einen Pullover für die eigene Clique gestalten – und zwar mit einem Logo, das ihre Verbundenheit zum Landleben ausdrückt. Im Familien- und Bekanntenkreis kam die Idee gut an. Und als die Studenten dann in den Nachrichten mit einem Beitrag über Mobbing von Bauernkindern konfrontiert wurden, stand der Entschluss schnell fest, „dem Projekt eine größere Plattform zu geben“, so Möllenbrink.

Als „Bauer“ abgestempelt

Der 24-Jährige ist in Werne aufgewachsen, zwar nicht auf einem Bauernhof. Aber schon als kleiner Junge liebte er das Leben auf den Höfen in der Nachbarschaft. Der Vater ist Diplom-Agraringenieur, dazu kam das Hobby: der Reitsport. „Dadurch habe ich während meiner gesamten Jugend bis zum Abitur jede freie Minute auf dem Hof verbracht“, erinnert sich Möllenbrink. Für Schulkameraden und Bekannte war er somit nur noch „der Bauer“.

Selbst hat Möllenbrink diese Bezeichnung nie als Mobbing empfunden, aber der negative Unterton, der bei dem Begriff „Bauer“ damals wie heute mitschwingt, ist auch ihm nicht entgangen. Der steht mit Gummistiefeln und Mistforke im Stall: Das ist das Bild, das viele Menschen vor Augen haben, wenn sie an den Beruf des Bauern denken. Mit der Realität hat das kaum etwas zu tun. „Grund ist der fehlende Bezug der breiten Masse zur modernen Landwirtschaft“, ist Möllenbrink überzeugt. Das mache es insbesondere für junge Leute schwieriger, im sozialen Umfeld akzeptiert zu werden.

Tatsächlich sollen Kinder von Landwirten zunehmend Opfer von Mobbing sein – davon jedenfalls ist Bauernverbandspräsident Joachim Rukwied überzeugt. „Aus Gesprächen gewinne ich den Eindruck, dass mehr Bauernkinder in der Schule gemobbt werden. Das bereitet mir Sorge“, sagte er Anfang des Jahres in einem Interview mit der „Osnabrücker Zeitung“. Als Ursache für die Entwicklung führte er die teils unsachliche Debatte über Landwirtschaft in der Gesellschaft an, bei der Landwirte häufig diskreditiert würden. Das müssten sich Umwelt- und Tierschutzverbände ankreiden lassen, lautete Rukwieds Fazit. Konkrete Zahlen zu Mobbing von Bauernkindern gibt es allerdings nicht.

Mit T-Shirts und Pullovern gegen Mobbing von Bauernkindern

Ob Pullover, T-Shirts oder Mützen: „bauernkind“ verfügt bereits über eine breite Produktpalette. © Bauernkind

Mit Stolz auf der Brust

Genau diese Entwicklungen wollen Möllenbrink und seine Freunde nicht hinnehmen. Ihr Anspruch ist es, über den „bauernkind“-Kreis hinaus zu zeigen, wer man ist und wo man herkommt – und darauf auch stolz zu sein. Den Ausdruck „bauernkind“ soll man stolz auf der Brust tragen.

Und anscheinend haben die Studenten damit einen Nerv getroffen. Denn nicht nur im Freundes- und Bekanntenkreis kommen die T-Shirts, Pullover, Mützen und Turnbeutel mit dem Schriftzug „bauernkind“ gut an. Mittlerweile haben schon etwa tausend Artikel die WG der Studenten in Göttingen verlassen. Nur mithilfe ihrer Kommilitonen und Freunde konnten sie die große Nachfrage bewältigen, sagt Möllenbrink.

Alles in Eigenregie

Denn die fünf Studenten machen von der Vermarktung über den Vertrieb bis hin zum Versand alles in Eigenregie. Das ist nicht nur unfassbar zeitintensiv, es läuft auch nicht immer alles rund. Vieles funktioniere nach dem Motto „Learning by doing“, sagt Möllenbrink. Wie man ein Unternehmen gründet, lerne man halt nicht im Studium. Die Gruppe ist daher auch froh, dass sie auf die Unterstützung von Freunden und Bekannten zählen kann.

Wie es mit „bauernkind“ weitergeht, ist noch offen. Denn auch wenn das Projekt den fünf Studenten ans Herz gewachsen ist, strebt doch jeder von ihnen eine Karriere in der Landwirtschafts- oder Forstbranche an. Sie sind schließlich stolze Bauernkinder.

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