Nach den Bewerbungsgesprächen ist eine Vorentscheidung gefallen: Mike-Sebastian Janke wird neuer Kreisdirektor. Der 34-jährige Beigeordnete der Stadt Iserlohn überzeugte auch die Opposition im Kreistag, die allerdings bei ihrer grundsätzlichen Kritik am Auswahlverfahren bleibt.

Kreis Unna

, 17.04.2018, 21:07 Uhr / Lesedauer: 3 min

Am Mittag hüllten sich die Fraktionsgeschäftsführer von SPD und CDU noch in Schweigen, suggerierten sogar einen offenen Ausgang der für den Nachmittag terminierten Gespräche. Da war allerdings längst offenkundig, was (fast) alle Spitzen sämtlicher Couleurs am Abend denn auch offiziell bestätigten: Der 34-jährige Iserlohner Mike-Sebastian Janke ist wie erwartet designierter Kreisdirektor.

Nachdem die Fraktionsspitzen von SPD und CDU den sozialdemokratischen Beigeordneten der Stadt Iserlohn dem Vernehmen nach bereits vor einigen Wochen zu Gesprächen eingeladen und sich schließlich auf ihn geeinigt haben sollen, stellte der Jurist sich am Dienstag nun im offiziellen Bewerbungsgespräch vor. Zunächst dem erweiterten Ältestenrat, am frühen Abend dann in drei Runden allen Mitgliedern der Fraktionen und Gruppen im Kreistag. Um Zeit zu sparen, hatten sich SPD und GfL/UWG einerseits, andererseits die Fraktionen von Bündnis ‘90/ Die Grünen, Linkspartei und FDP sowie die Gruppe der Piratenpartei zusammengetan. Allein die Christdemokraten wollten mit den Bewerbern unter sich bleiben.

Janke war freilich nicht allein, dem zweiten Bewerber rechneten Insider jedoch von vorneherein allenfalls Außenseiterchancen zu; er galt als zu jung und unerfahren. Ein dritter Kandidat hatte wegen einer lukrativen Offerte an seinem jetzigen Arbeitsort in Mitteldeutschland kurzfristig einen Rückzieher gemacht.

Insofern lag auf der Hand, was nach der ersten Gesprächsrunde am Nachmittag denn auch als gesichert durchsickerte: Janke wird’s! Er soll sehr gut vorbereitet und entsprechend überzeugend, gegenüber seinem Mitbewerber auch thematisch breiter aufgestellt gewesen sein und damit gepunktet haben. Die Gespräche vor der versammelten Kreistagsmannschaft am Abend waren nur noch Formsache – offiziell bestätigt wurde die Personalie dennoch erst danach.

Zur Person

Das ist der neue Kreisdirektor

Mike-Sebastian Janke

Mike-Sebastian Janke

Mike-Sebastian Janke ist 34 Jahre alt. Er stammt gebürtig aus Iserlohn-Letmathe, studierte an der Universität Osnabrück Rechtswissenschaften und erlangte 2011 die Zulassung als Rechtsanwalt. Zum 1. Januar 2014 wurde er Beigeordneter der Stadt Iserlohn für die Ressorts Planen, Bauen, Umwelt- und Klimaschutz. Als Jugendlicher trat Janke 2002 in die SPD ein, nach der Kommunalwahl 2009 wurde er als damals 26-Jähriger zum Vorsitzenden der SPD-Fraktion im Iserlohner Stadtrat gewählt. Dieses Amt hatte er bis zu seinem Wechsel in den Verwaltungsvorstand der Stadt Iserlohn inne – zu seinem Nachfolger an der Fraktionsspitze wählte die SPD dann übrigens Dimitrios Axourgos; seines Zeichens seit kurzem Bürgermeister der Stadt Schwerte.

Birgitte Cziehso und Wilhelm Jasperneite erklärten für ihre Fraktionen am Abend jeweils, dass sie sich einstimmig für Mike-Sebastian Janke entschieden hätten. Beide Kandidaten seien formal wie auch persönlich geeignet gewesen, so Cziehso. Ausschlaggebend sei die kommunalpolitische Vorerfahrung von Janke gewesen, so die SPD-Fraktionsvorsitzende. Ähnlich argumentierte Jasperneite für die Christdemokraten. Janke habe klare Vorstellungen über die künftige Entwicklung des Kreises Unna gehabt. „Bei aller Spekulation: Sein kommunalpolitischer Hintergrund war für die CDU-Fraktion bei der einstimmigen Entscheidung der entscheidende Faktor.“

Damit spielte Jasperneite auf den Vorwurf an, die Entscheidung sei bereits vor Wochen pro Janke gefallen. Unter anderem übte Grünen-Fraktionschef Herbert Goldmann am Dienstagabend erneut scharfe Kritik an der Vorgehensweise von SPD und CDU; betonte aber auch, dass die Auswahl Mike-Sebastian Jankes „keine schlechte Entscheidung“ sei und man ihm persönlich den intransparenten Auswahlprozess nicht anlasten könne. Er genau wie auch Vertreter anderer Oppositionsparteien spekulieren bereits seit Wochen über einen möglichen Deal im Hinterzimmer: jetzt ein SPD-Mann als Kreisdirektor, als Nachfolger des in absehbarer Zeit in den Ruhestand wechselnden Dezernenten Dr. Detlef Timpe ein CDU-Mann. Ähnliches soll schon bei der Nachbesetzung der Dezernentenstellen von Rüdiger Sparbrod und Norbert Hahn geschehen sein; es wurden Torsten Göpfert (SPD) und Dirk Wigant (CDU). Offiziell bestreiten SPD und CDU das nach wie vor.

„Ich kommentiere das jetzt nicht“, betonte Jasperneite lediglich einmal mehr, dass man ergebnisoffen in die Gespräche gegangen sei. Brigitte Cziehso sagte, dass es im Vorfeld der Gespräche am Dienstag „natürlich Kontakte zu beiden Bewerbern gegeben“ habe. In welcher Form – darüber hüllte sie sich mit Verweis auf Interna allerdings in Schweigen.

Landrat wird vermutlich schnell Gespräche führen

Der weitere Zeitplan sieht nun vor, dass Janke in der Kreistagssitzung am Dienstag, 8. Mai, offiziell zum neuen Kreisdirektor gewählt wird. Es gilt als sicher, dass der zweite Bewerber, der theoretisch noch im Rennen ist, bis dahin einen Rückzieher macht. Landrat Michael Makiolla (SPD) wird vermutlich schon in den kommenden Tagen mit Iserlohns Bürgermeister Dr. Peter Paul Ahrens (SPD) den Kontakt suchen, um einen möglichen Termin für einen Wechsel Jankes ins Kreishaus zu avisieren. Gemeinhin gilt eine dreimonatige Frist in solchen Situationen als üblich, Janke würde demnach im Sommer seinen Dienst in Unna antreten. Die Stelle des Kreisdirektors war vakant geworden, nachdem Dr. Thomas Wilk (SPD) zum Jahreswechsel überraschend ins Ministerium von Ina Scharrenbach (CDU) nach Düsseldorf gewechselt war.

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