Seit Mittwochnachmittag ist die Straße „Im Ort“ im Lüner Süden gesperrt. Bei Geothermiebohrungen hatte eine Fachfirma in rund 120 Metern Tiefe ein Gasvorkommen angebohrt. Die ersten Anwohner können zurück in ihre Häuser.

Kreis Unna

, 25.10.2018, 14:42 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit Mittwochnachmittag entweicht unter hohem Druck Methangas (CH4) und fördert auch Grundwasser, das wie eine Fontäne aus dem Rohr schießt, das als eine Art Kamin eigens zum Gasablass gesetzt wurde.

Weil Methangas zündfähig ist und brennen würde, wurden entsprechende Sicherheitsvorkehrungen getroffen: Die Anwohner in einem Umkreis von rund 50 Metern um das Bohrloch wurden zunächst in Sicherheit gebracht, der Strom der Straßenlaternen abgestellt und die Straße gesperrt. Nach den ersten Maßnahmen zur Gefahrenabwehr blieb die Feuerwehr zur Sicherheit auch über Nacht, die Anwohner konnten nicht in ihre Häuser zurück. Am Tag danach zeigt sich jedoch, dass das Grundwasser frei von Schadstoffen ist und der Druck, mit dem das Gas entweicht, langsam, aber stetig abnimmt. Weil das Methangas auch leichter als Luft ist, verflüchtigt es sich von allein.

Ende ist noch nicht in Sicht

Doch auch wenn der Druck im Vergleich zu Mittwoch extrem nachgelassen hat und von Stunde zu Stunde augenscheinlich weniger wird, ist ein Ende noch nicht in Sicht. „Es kann niemand sagen, wie groß das Gasvorkommen ist“, sagt Dr. Benedikt Spangardt, Pressesprecher der Stadt Lünen. Um eine Blase und damit einen unterirdischen Hohlraum handelt es sich nämlich nicht. Das Gestein in der Tiefe ist eher porös, ähnlich eines Bimssteins, und umschließt das Gas, das in Steinkohleregionen typisch ist.

Zur Sache

Das ist Methan

Methan ist mit 85 bis 98 Prozent Hauptbestandteil des Erdgases. Das Gas mit der Summenformel CH4 ist farblos und hat keinen Geruch. Es verbrennt mit einer bläulichen Flamme, dabei entsteht in Verbindung mit Sauerstoff Kohlendioxid und Wasser.

Erste Bewohner können zurück, Methangas strömt aber weiter aus

Die Einsatzkräfte haben die Umgebung des Gasaustrittes abgesperrt.

Einmal angebohrt, kann das Gas aus dem Gestein entweichen. „Das Gasvolumen im Boden ist dadurch aber nicht einschätzbar“, so Spangardt, und wie lange es noch ausblase, ließe sich dadurch seriös nicht vorhersagen. Der Boden, so die gute Nachricht, würde dadurch aber auch nicht instabil.

Erste Anwohner können zurück in ihre Häuser

Wann alle betroffenen Anwohner wieder in ihre Häuser zurückkehren können, ist noch ungewiss. Diejenigen, die auf der linken Straßenseite und damit dem Baugrundstück gegenüber wohnen, können aber aufatmen: Ab 16 Uhr am Donnerstag können sie zurück in ihre Häuser, ausgenommen ist lediglich das Haus, das der Bohrstelle direkt gegenüber liegt.

Erste Bewohner können zurück, Methangas strömt aber weiter aus

Bei der Lagebesprechung am Donnerstagvormittag besprachen die Vertreter von Stadt, Bezirksregierung, Oberbergamt, Feuerwehr und Fachfirma das weitere Vorgehen.

Lange hatte ein Fachkonsortium aus Ordnungsamt, Feuerwehr, Oberbergamt und Fachfirma beraten, was man tun könnte. „Wir wollen versuchen, den Kamin umzusetzen“, hatte Spangardt am Mittag erklärt. Doch was zunächst möglich schien, erwies sich aus technischen Gründen dann doch als nicht durchführbar. Diese Maßnahme sollte es ermöglichen, den Sicherheitsradius in Richtung einer Pferdekoppel zu verlagern, sodass der linke Bürgersteig und die Häuser der linken Straßenseite wieder hätten freigegeben werden können. Dass die ersten Anwohner aber dennoch wieder zurück in ihre Häuser können und vermutlich auch der Bürgersteig wieder zur Nutzung freigegeben werden kann, liegt an der verringerten Gasmenge, die inzwischen austritt. „Es strömt aber immer noch Gas aus“, betont Spangardt und erklärt, dass deshalb die unmittelbaren Nachbarn und das Wohnhaus gegenüber nach wie vor evakuiert bleiben muss.

Ähnlicher Vorfall vor einigen Wochen

Erleichtert wird die Maßnahme durch die Erfahrungen, die vor einigen Wochen in Hamm-Pelkum gemacht wurden. Dort war es ebenfalls bei Geothermiebohrungen durch dieselbe Fachfirma zu einem Gasaustritt gekommen. „Die Abläufe sind nun bekannt und alle beteiligten arbeiten sehr gut zusammen“, lobte Spangardt.

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