Maskenpflicht wird im Zug beachtet, aber nicht auf dem Bahnsteig

dzCoronavirus

Ein Besuch am Bahnhof Holzwickede am ersten Tag der Maskenpflicht zeigt: Auf dem Bahnsteig an der frischen Luft bei Sonnenschein verzichten die Passagiere trotz Vorschrift lieber auf den Schutz vor Mund und Nase.

27.04.2020, 15:14 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Maskenpflicht gilt auch auf Bahnhöfen, doch auf dem Bahnsteig in Holzwickede legen sich die wenigen Reisenden am Montagmittag den Mund-Nasen-Schutz erst kurz vor oder beim Einsteigen in den Zug an. Umgekehrt ziehen sich die Aussteigenden den Stoff vom Gesicht, sobald sie den Bahnsteig betreten. Denn die Sonne scheint, es ist warm. Lieber frei durchatmen statt unter dem Stoff schwitzen.

Fünf Jugendliche stehen in einer Gruppe zusammen. Die Masken ziehen sie auf Nachfrage aus der Tasche. Sie wollen den Mund-Nasen-Schutz erst für den Zug aufsetzen. „Die Masken tragen wir auch in der Schule, außer im Klassenraum, wo wir viel Abstand haben“, sagt einer der Jugendlichen. Der Widerspruch, im Klassenzimmer auf Abstand zu gehen, aber auf dem Bahnsteig eng zusammen zu warten, scheint sie nicht zu stören.

Florian Höing (mit seiner Partnerin Nicole Hillegeist und Tochter Myra) sagt: „Die Maskenpflicht ist im Zug okay.“

Florian Höing (mit seiner Partnerin Nicole Hillegeist und Tochter Myra) sagt: „Die Maskenpflicht ist im Zug okay.“ © Carsten Fischer

Zwei andere Schüler sitzen auf einer Bank. Auch sie sind auf dem Nachhauseweg. „Heute morgen haben im Zug fast alle Leute Masken aufgehabt“, sagt einer von ihnen. „Ich finde das gut, wenn man eine trägt, weil viele andere auch eine haben.“

Der Rhein-Münsterland-Express RE7 in Richtung Hagen rollt ein, die Schüler verschwinden im Zug. Florian Höing und Nicole Hillegeist mit ihrer Tochter Myra steigen aus. „Die Maskenpflicht ist im Zug okay“, sagt der Unnaer. Ihm ist die Erleichterung anzumerken, dass er jetzt an der frischen Luft die Maske abziehen kann. Nur vereinzelt habe er im Zug Leute ohne Mund-Nasen-Schutz gesehen.

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Wenn genügend Menschen Mund und Nase bedecken, kann dies laut Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts dazu beitragen, die Ausbreitung von Covid-19 in der Bevölkerung zu verlangsamen und Risikogruppen vor einer Infektion zu schützen. Mustafa Yücel, der auf die Hellwegbahn RB 59 nach Unna wartet, trägt ein graues Stofftuch um den Hals, dass er bei Bedarf vors Gesicht zieht. „Ich finde die Maskenpflicht in Ordnung. Schützt uns alle“, sagt er.

Mustafa Yücel warten auf den Gegenzug der gerade eingefahrenen Eurobahn und findet die Maskenpflicht in Zügen gut: „Schützt uns alle“.

Mustafa Yücel wartet auf den Gegenzug der gerade eingefahrenen Eurobahn und findet die Maskenpflicht in Zügen gut: „Schützt uns alle“. © Carsten Fischer

In der Eurobahn sind die Zugbegleiter angewiesen, Passagiere ohne Maske freundlich auf die Pflicht hinzuweisen. Mit Sanktionen ist zunächst nicht zu rechnen. Gerade am Anfang einer Neuerung könne es jedem passieren, dass er die Maske vergessen habe. „Ein Schal reicht auch“, sagt Nicole Pizzuti, Sprecherin des Eurobahn-Betreibers Keolis. Sie bestätigt auch, dass es streng genommen nicht erlaubt ist, ohne Maske auf dem Bahnsteig zu sein. „Beim Betreten des Bahnhofs gilt ja schon die Maskenpflicht“, sagt sie.

Wer in Holzwickede auf den Zug wartet, steht auf dem kleinen Bahnhof selten in einem Pulk von Menschen. Ob mit oder ohne Maske – auf der 200 Meter langen Plattform ist genug Platz, um Abstand zu Mitreisenden zu halten.

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