Mario Löhr – und wer noch? Andere Parteien lassen sich mit Kandidatenkür Zeit

dzLandratswahl 2020

Die Europawahl hat es deutlich gezeigt: Wahlsiege sind für die SPD im Kreis Unna beileibe kein Selbstläufer mehr. Ein Gegenkandidat für Mario Löhr bei der Landratswahl ist aber noch nicht in Sicht.

Kreis Unna

, 28.05.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die SPD ist am Montagabend vorgeprescht, hat über ein Jahr vor der nächsten Kommunalwahl im Herbst 2020 ihren Kandidaten für die Nachfolge von Langzeit-Landrat Michael Makiolla gekürt. Mario Löhr, seit 2009 Bürgermeister von Selm, soll Makiolla nach dann 16 Jahren auf der Kommandobrücke des Kreishauses ablösen.

Die Mitbewerber lassen sich Zeit

Einen anderen Kandidaten gibt es bisher nicht. Und die anderen Parteien wollen sich mit der Entscheidung, wen sie gegen Löhr ins Rennen schicken, auch noch einige Zeit lassen. Erst im Frühjahr 2020, so hatte Kreisvorsitzender Marco Morten Pufke unserer Redaktion schon vor Monaten mitgeteilt, will die CDU einen Landratskandidaten nominieren. Die Christdemokraten, die bei der Europawahl kreisweit im Vergleich zu 2014 über 5 Prozent Zustimmung eingebüßt haben, brennen zwar darauf, die SPD-Vorherrschaft an der Spitze der Kreisverwaltung zu brechen. Sie müssen sich aber fragen, ob ein eigener Kandidat realistische Chancen darauf hat oder ob sie nicht besser beraten sind, sich mit anderen Parteien zusammen zu tun.

Pufke ist derzeit bemüht, sich alle Optionen offen zu halten. „Wir werden mit den bürgerlichen Parteien Gespräche führen“, kündigt er an und zählt die FDP und die Freien Wähler auf. Auf die Nachfrage, was mit den Grünen sei, ergänzt er: „Sicherlich sprechen wir auch mit den Grünen, das tun wir ja ohnehin regelmäßig.“ Pufke macht freilich auch keinen Hehl daraus, dass er einen schwarzgrünen Kandidaten nicht für unbedingt erstrebenswert hält.

Jetzt lesen

„Wir haben eine Kernwählerschaft, die damit Probleme hätte“, sagt er und verweist auf den misslungenen Versuch in Schwerte. Dort war 2018 mit Adrian Mork ein gemeinsamer Kandidat von CDU, FDP und eben den Grünen chancenlos gegen den heutigen SPD-Bürgermeister Dimitrios Axourgos gewesen.

Mario Löhr – und wer noch? Andere Parteien lassen sich mit Kandidatenkür Zeit

Die Grünen, hier Anke Schneider (l.) und Stephanie Schmidt im Wahlstudio zur Europawahl 2019 im Kreishaus Unna, haben mit über 20 Prozent im Kreis Unna ein Ergebnis eingefahren, das sie selbst überrascht hat. © Kevin Kohues

Die Grünen wollen eine klimafreundlichere Politik

Die Grünen geben sich auf die Frage nach einem möglichen Landratskandidaten ebenfalls gelassen. Kreissprecher Gerrit Heil aus Bönen sagte nach dem für seine Partei berauschenden Europawahl-Ergebnis von kreisweit fast 21 Prozent, darüber erst einmal in Ruhe schlafen zu müssen. Und bevor man sich Gedanken über einen guten Kandidaten mache, gelte es zunächst, sich Gedanken über einen guten Plan für den Kreis Unna und dessen Umsetzbarkeit zu machen.

Mit Blick auf den Klimaschutz würden die Grünen gewiss einiges ändern, etwa die Ansiedelungspolitik der Wirtschaftsförderung. „Nur Flächenversiegelung bringt uns nicht voran“, sagt die stellvertretende Vorsitzende der Kreistagsfraktion, Anke Schneider. 1500 Hektar Fläche habe allein die Landwirtschaft zwischen 2010 und 2017 im Kreis Unna verloren, ergänzt Kreissprecher Heil.

Mario Löhr – und wer noch? Andere Parteien lassen sich mit Kandidatenkür Zeit

Die FDP, hier Michael Klostermann, Björn Oste und Andreas Wette (v.l.) im Wahlstudio zur Europawahl 2019 im Kreishaus Unna, haben mit rund 6 Prozent ihr Ergebnis von 2014 zwar fast verdoppelt, wurden aber trotzdem nur fünftstärkste Kraft. © Kevin Kohues

Die FDP hält sich alle Optionen hoffen

Die FDP verdoppelte bei der Europawahl im Kreis zwar ihr schwaches Ergebnis von 2014, rangierte mit 5,9 Prozent aber trotzdem deutlich hinter der AfD (9,8) unter „ferner liefen“. Rückschlüsse auf die Kommunalwahl lasse das Ergebnis aber nicht zu, sagte der Geschäftsführer der Kreistagsfraktion, Andreas Wette: „Die Kommunalwahl ist eine Persönlichkeitswahl.“ Wen die FDP gegebenenfalls für das Landratsamt ins Rennen schickt, ist völlig offen. „Wir führen Gespräche mit den anderen Parteien und werden uns danach überlegen, ob wir einen gemeinsamen Kandidaten aufstellen oder einen eigenen“, so der stellvertretende Kreisvorsitzende Björn Oste gegenüber unserer Redaktion.

Jetzt lesen