Wenn Luisa da ist, können Frauen sich sicherer fühlen

dzGewalt gegen Frauen

Wenn Luisa da ist, können Frauen sicher sein: Sie finden Hilfe, wenn sie danach suchen – und zwar ohne unangenehme Fragen beantworten zu müssen. Nun weitet das Frauenforum die Kampagne aus.

Kreis Unna

, 23.07.2019, 13:27 Uhr / Lesedauer: 2 min

Luisa ist für Frauen vielerorts zum Synonym für Sicherheit geworden. Immer mehr Gastronomen und Veranstalter im Kreis Unna machen mit: Fühlen Frauen sich bedrängt oder aus irgendeinem Grund nicht sicher, fühlen sie sich bedroht oder wurden sogar sexuell belästigt, brauchen sie beim Thekenpersonal nur nach Luisa fragen. Die Mitarbeiter wissen dann, dass ihre Hilfe gefragt ist, bieten umgehend einen Schutzraum und helfen diskret aus der Situation.

„Ist Luisa hier?“
Der Code, wenn Frauen Hilfe brauchen

Bei 24 Gastronomiebetrieben im Kreis Unna können Frauen bereits auf Luisa vertrauen, gleiches galt zuletzt bei der Festa Italiana in Unna wie auch beim Hafenfest in der Marina Rünthe – und gilt Anfang September auch beim dreitägigen Stadtfest in Unna.

Unkomplizierte Hilfe ohne unangenehme Fragen

Natürlich ist generell zu hoffen, dass Frauen überall Hilfe finden, wenn sie danach suchen – insbesondere in Clubs und Kneipen. Beim Luisa-Code können sie aber darauf vertrauen, sich nicht erst erklären und möglicherweise unangenehme Fragen beantworten zu müssen. Man wird sie fragen, wie man ihr helfen kann; etwa mit einem Taxi oder der Benachrichtigung einer Freundin. Man wird aber niemals danach fragen, was eigentlich passiert ist.

Was der Code auslöst

Das ist Luisa

  • Mitarbeiter bieten der hilfesuchenden Person einen Ort als Rückzugsmöglichkeit an; etwa einen Personalraum, die Küche oder Toiletten.
  • Sie fragen die betroffene Frau, inwiefern sie ihr behilflich sein können; aber keinesfalls danach, was genau passiert ist.
  • Eventuell möchte die Frau, dass jemand weiß, dass sie sich unwohl fühlt und ein Auge darauf hat, wenn sie ihre Sachen von ihrem Sitzplatz holt.
  • Mitarbeiter bieten der Frau an, ein Taxi zu rufen, oder sind ihr dabei behilflich, einen Angehörigen oder einen Freund zu kontaktieren.
  • Wenn die Frau von jemandem abgeholt wird, bleiben Mitarbeiter bis dahin in Kontakt mit ihr.
  • Ist die hilfesuchende Person an einem Ort, können Mitarbeiter die verursachende Person optional auffordern, zu gehen.
  • Auf keinen Fall lassen Mitarbeiter zu, dass die hilfesuchende Frau den Ort verlässt und die Person, von der sie sich bedroht fühlt, ihr folgen kann.
  • Für weitere Hilfen verweisen Mitarbeiter auf die Angebote der Frauen- und Mädchenberatungsstelle.
  • Im Zweifel rufen Mitarbeiter die Polizei zur Hilfe.

„Das erspart den Frauen unangenehme Situationen und senkt die Hemmschwelle deutlich“, erklärt Ariane Raichle. Die 41-jährige Diplom-Pädagogin arbeitet für die Frauen- und Mädchenberatungsstelle des Frauenforums im Kreis Unna und wünscht sich, dass noch mehr Gastronomen und Veranstalter mitmachen. Mehr noch: Überall, wo Grenzüberschreitungen möglich sind, hofft Ariane Raichle, dass Luisa Einzug hält. Sich der Kampagne anschließen bedeute schließlich nicht, dass die entsprechende Einrichtung ein Problem mit Übergriffen auf Frauen habe – sondern einzig und allein, dass man sich vorbeugend mit der Thematik befasst habe.

Frauenforum sucht weitere Partner für die Kampagne

Raichle hofft auf weitere Kooperationspartner. In der Stadt Münster beispielsweise, wo die Luisa-Kampagne vom Frauen-Notruf entwickelt wurde, hat der dortige DRK-Kreisverband alle Sanitäter entsprechend geschult; wo immer sie beispielsweise auf Großveranstaltungen im Einsatz sind, können Frauen sich mit dem Luisa-Code an sie wenden. Erste Gespräche dazu laufen laut Raichle auch im Kreis Unna. Eine Vorreiterrolle nimmt unterdessen das Solebad Werne ein, dass sich kürzlich als erstes Schwimmbad im Kreis Unna der Kampagne angeschlossen hat. Grenzüberschreitungen werden dort nicht geduldet. Das gilt mit Sicherheit auch für die anderen Frei- und Hallenbäder im Kreis Unna; das Solebad aber zeigt deutlich seinen Standpunkt.

Aufkleber, Flyer und Plakate weisen auf Kampagne hin

Wo der Luisa-Code verstanden wird, weisen Aufkleber, Flyer und Plakate auf die Kampagne hin. „Luisa ist hier!“, steht darauf geschrieben – und Frauen können sich darauf verlassen, im Zweifel einfach und diskret Hilfe zu finden.

Gastronomen, Veranstalter und andere, die sich der Kampagne anschließen, müssen indes nicht mehr als ein bisschen Zeit investieren. Mitarbeiterinnen der Frauen- und Mädchenberatungsstelle des Frauenforums kommen für Schulungen und weisen die Mitarbeiter entsprechend ein; und schon ist Luisa da, wann immer sie gebraucht wird.

Wer sich der Kampagne anschließen möchte, wendet sich an die Frauen- und Mädchenberatungsstelle unter Tel. (0 23 03) 8 22 02.

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Katastrophenschutzübung

Übung für extremen Ernstfall: mit Unwetter, Feuer im Seniorenheim und Brand im Chemiewerk

Hellweger Anzeiger Kirchenkreis Unna

Wieso die Evangelische Kirche Handwerker, Finanzexperten und Organisationstalente braucht

Hellweger Anzeiger 365-Euro-Ticket

Bus und Bahn für einen Euro am Tag: Billig allein reicht nicht für die Verkehrswende