Lüner „Grapscher“ muss 7500 Euro Geldstrafe bezahlen

dzBelästigung im „Maritimo“

Nach der sexuellen Belästigung einer Mitarbeiterin eines Freizeitbades führte die Spur später per Zufall zu einem „Grapscher“ nach Lünen. Jetzt wurde der 27-Jährige endgültig verurteilt.

Lünen

, 06.12.2018 / Lesedauer: 3 min

Die junge Frau hatte nur ein Handtuch umgewickelt, der Badegast griff grinsend zu: Mehr als ein Jahr nach einem hässlichen Übergriff auf eine damals 18-jährige Mitarbeiterin im Saunabereich des Freizeitbads „Maritimo“ in Oer-Erkenschwick muss ein Lüner Badegast (27) endgültig eine Geldstrafe in Höhe von 7500 Euro bezahlen. Das ergab am Donnerstag ein Berufungsprozess am Bochumer Landgericht.

„Hoch, aber vertretbar“

Richter Dirk Reitzig hatte dem Angeklagten sofort zu erkennen gegeben, dass die am 14. September 2018 vom Amtsgericht Recklinghausen verhängte 7500-Euro-Geldstrafe (150 Tagessätze zu je 50 Euro) nicht zu beanstanden ist. Die Erfolgsaussichten der Berufung seien im Grunde gleich null.

Das Ziel des Lüners, eine Geldstrafe unterhalb der im Führungszeugnis stets ersichtlichen 90 Tagessätze zu erhalten, sei nicht erreichbar. Das erstinstanzliche Urteil, so Richter Dirk Reitzig wörtlich, sei „hoch, aber vertretbar“. Und seine 15. Strafkammer nicht dafür da, korrekte Urteile eines Amtsgerichts im Nachhinein beim Strafmaß nach unten zu korrigieren. „Das Berufungsgericht ist keine Rabattinstanz“, stellte Richter Reitzig klar. Parallel hatte auch Staatsanwältin Katrin Drifthaus unmissverständlich erkennen lassen, dass eine Reduzierung der Geldstrafe mit ihr nicht zu machen ist.

Mitarbeiterin trug nur ein „Hamam-Handtuch“

Der Zwischenfall im Maritimo geht zurück auf den 9. November 2017. Der 27-Jährige hatte laut Urteil im Anschluss an einen Saunagang gegen 21 Uhr an der Theke gestanden, als die als Saunameisterin nur mit einem so genannten „Hamam-Handtuch“ bekleidete Angestellte ihn freundlich gebeten hatte, zur Seite zu gehen. Beim Vorbeigehen hatte der Badegast dann offenbar feist grinsend zugepackt - und die 18-jährige Mitarbeiterin dabei oberhalb des Handtuchs in der Intimzone berührt. Im Anschluss daran hatte der 27-Jährige andere Maritimo-Mitarbeiter noch als „Dreckspack“ beschimpft, mit Blick auf die Erteilung eines Hausverbots falsche Personalien angegeben und war dann auch noch geflüchtet.

Bei der Tätersuche half Zufall

Bei der Suche nach dem Badegast hatte den Ermittlern nach einer Strafanzeige der jungen Frau anschließend im wahrsten Sinne des Wortes „Kommissar Zufall“ geholfen. Weil ein Polizeibeamter, der ebenfalls privat im Maritimo gewesen ist, den Namen des Angeklagten wusste und in Zusammenhang mit dem flüchtigen „Grapscher“ bringen konnte, führte die Spur letztlich zu dessen Wohnung nach Lünen.

Nach zweimaliger Beratung mit seiner Verteidigerin Nicola Skoberne zog der Lüner Angeklagte seine Berufung zurück. Das Urteil wegen sexueller Belästigung und Beleidigung ist damit rechtskräftig.

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