Das Kreishaus ist seit Wochen eingerüstet: die Fassade wird saniert. Und das nicht mal 15 Jahre nach der Komplettsanierung des Gebäudes.

Kreis Unna

, 07.02.2020, 17:59 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das Kreishaus in Unna ist offenbar ein Sanierungsfall – und das nicht mal 15 Jahre nach der aufwendigen Komplettsanierung des Gebäudes durch einen privaten Investor. Allein: Darüber reden will niemand so recht. Und das lässt ein von der Kreisverwaltung gefeiertes Projekt im Zwielicht erscheinen.

Kreishaus schon ein Sanierungsfall: Ein Schatten auf dem PPP-Vorzeigeprojekt

Nach einer Sanierung Mitte der 1970er-Jahre bestand die Fassade des Kreishauses aus einem Glasmosaik mit etwa 1,75 Millionen Riemchen. Schon in den ersten 20 Jahren nach Fertigstellung lösten sich immer wieder Teile des Glasmosaiks. 1996 wurde das Mosaik zurückgebaut und durch einen Silikatputz ersetzt. © Archiv

Seit Wochen ist das Kreishaus eingerüstet, wird an der Fassade des markanten Gebäudes an der Friedrich-Ebert-Straße gearbeitet. Nach Informationen dieser Redaktion ist ein nicht unerheblicher Wasserschaden ursächlich, den im Grunde auch der Investor bestätigt, aber herunterspielt.

Investor spielt Wasserschaden herunter

Im Laufe der Jahre sei es „vereinzelt zu Wassereintritt an Teilen der Fassade“ gekommen, heißt es in einer schriftlichen Information vonseiten der Projekt- und Betriebsgesellschaft Kreis Unna (PBKU), deren Mitgesellschafter der Kreis Unna mit einem Anteil von zehn Prozent ist. Mit 90 Prozent deutlich mächtiger: Die Kreishaus Unna Holding GmbH mit Sitz in Neu-Isenburg bei Frankfurt. Zur Behebung des Schadens habe man sich „in enger Abstimmung mit dem Kreis Unna für eine vorzeitige Sanierung der Fassade auf eigene Kosten entschieden“.

Kreishaus schon ein Sanierungsfall: Ein Schatten auf dem PPP-Vorzeigeprojekt

In den Jahren 1960 bis 1964 gebaut, wurde das Kreishaus an der Friedrich-Ebert-Straße in Unna in den Jahren 2005 und 2006 im Rahmen eines bis dato einmaligen PPP-Models (public-private-partnership) umfangreich saniert und erweitert © Archiv

Der Wasserschaden – wirklich nur ein Randaspekt der derzeit laufenden Maßnahme? Dr. Peter Seifert als Vetreter der Holding und Sonja Hauschild als Mitglied der PBKU-Geschäftsführung betonen im Rahmen eines Vor-Ort-Termins mehrfach: Ja. Mit am Tisch sitzen für die Kreisverwaltung als Juniorpartner Dezernent Ludwig Holzbeck und Jochen Pfeiffer, Mitarbeiter der Zentralen Dienste im Kreishaus; und deren Schilderung klingt irgendwie anders.

Wasserpfützen auf den Fensterbänken

Demnach bildeten sich nach Starkregenereignissen offenbar regelmäßig Wasserpfützen auf den Fensterbänken – wohlgemerkt: im Innern des Gebäudes. Und das offenbar über einen längeren Zeitraum immer mal wieder; erstmals „vor drei, vier Jahren“, sagt Holzbeck auf Nachfrage. Das Problem sei zwar nicht vollflächig, sondern in einzelnen Büros aufgetreten – aber nicht nur in bestimmten Gebäudeteilen und auch nicht immer gleichzeitig.

Nach dem Ausmaß des Schadens befragt, sagen hinter vorgehaltener Hand auch andere Mitarbeiter der Kreisverwaltung, dass die Fassade des Kreishauses ganz offensichtlich nicht dicht ist. In einer schriftlichen Ergänzung der Pressestelle der Kreisverwaltung auf Rückfragen dieser Redaktion ist derweil von „diversen Wassereintritten“ die Rede. Die Gründe seien durch die PBKU ermittelt worden.

Deutlich dichter als die Fassade des Kreishauses halten Seifert und Hauschild. Die sprechen auch auf mehrfache Nachfrage beständig von „kleineren Ärgernissen“ und „Komforteinbußen“, hier seien „versteckte Problemchen zu Problemen“ geworden. Zunächst ist nur von der Westseite die Rede, später heißt es, im Osten und Westen habe es „ähnliche Mängel“ gegeben. Auf konkrete Fragen und Nachfragen gibt es aber nur unkonkrete Antworten; bis Seifert irgendwann einräumt, dass die Begrifflichkeit „Komforteinbußen möglicherweise nicht ganz treffend gewählt“ sei. Treffender sind die Ausführungen der Pressestelle der Kreisverwaltung in besagter Mitteilung: Demnach werden die Schäden „im Rahmen einer Komplettsanierung der Ost-, Süd- und Westfassaden mit dem Aufbringen neuer Putzschichten sowie der Beseitigung festgestellter Schadstellen an der Nordfassade nachhaltig behoben“.

Holding und Projektgesellschaft mauern

Holding und Projektgesellschaft dagegen mauern. Etwa auf die Frage nach den Kosten der Maßnahme, die sich nach Informationen dieser Redaktion auf einen siebenstelligen Betrag beziffern lassen. „Das wissen wir erst, wenn es fertig ist“, sagt Hauschild – und auf Nachfrage nach einer etwaigen Kalkulation: „Viele Nullen.“ Sie mauert auch, als es um die Ursachen geht. Das sei „dem Baujahr geschuldet“. Auf den Hinweis, dass im Rahmen der umfänglichen Grundsanierung bis zum Wiedereinzug der Kreisverwaltung Mitte 2006 doch auch die Fassade vollständig saniert worden ist, sagt Seifert: „Dazu haben wir keine historische Information“. Und auf die Frage, ob damals möglicherweise Fehler gemacht worden sind, die ursächlich für das Eindringen von Wasser sein könnten: „Dazu kann niemand hier am Tisch etwas sagen.“

Kreishaus schon ein Sanierungsfall: Ein Schatten auf dem PPP-Vorzeigeprojekt

Ein Bild aus Mai 2005: Mitglieder des Kreis-Bau- und Technikausschusses sehen sich im mittlerweile entkernten Kreishaus um, um sich über den Fortgang der Sanierungsarbeiten zu informieren. © Archiv / Kreis Unna

Versicherung bei Finanzierung mit im Boot

Wahrscheinlicher ist, dass niemand an diesem Tisch etwas dazu sagen will. Zu entlocken ist den Vertretern des Investors noch, dass es sich „in Teilen um einen Versicherungsschaden“ handelt. Womöglich eine Haftpflichtangelegenheit, was dann eben doch für einen Baumangel im Rahmen der Komplettsanierung sprechen würde. Darüber lässt sich aber eben nur spekulieren.

Sicher: Der Investor ist ein privatwirtschaftliches Unternehmen, der Öffentlichkeit keine Rechenschaft schuldig. Und: Dem Kreis Unna kann es im Prinzip egal sein, solange eben dieser Investor im Rahmen der Public-Private-Partnership seinen Verpflichtungen nachkommt. Gleichwohl zahlt der Kreis Unna als Mieter in seinem eigenen Gebäude jedes Jahr einen Millionenbetrag an eben dieses privatwirtschaftliche Unternehmen – und das Gebäude ist und bleibt ein öffentliches, geht nach Ablauf der 25-jährigen Vertragslaufzeit zurück an den Kreis Unna. „Public“ heißt öffentlich – wenn die Öffentlichkeit im Rahmen dieser sogenannten Partnerschaft allerdings so schlecht informiert wird, dann ist das zwielichtig. Und das lässt das gesamte PPP-Konstrukt fragwürdig erscheinen.

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