Kreis Unna soll wieder eigenes Personal putzen lassen

dzAntrag der Grünen

Der Kreis Unna verfügt über eine Vielzahl öffentlicher Gebäude. Sie sollen künftig nicht mehr von externen Anbietern, sondern von eigenen Kräften gereinigt werden. Das fordern die Grünen.

Kreis Unna

, 10.08.2018, 12:13 Uhr / Lesedauer: 1 min

Als der damalige Kreisdirektor Dr. Thomas Wilk 2014 vorschlug, die Reinigung der kreiseigenen Gebäude zu privatisieren, war die Finanzsituation des Kreises Unna dramatisch schlechter als heute. Der Vorschlag war seinerzeit Bestandteil einer langen Liste von Sparmaßnahmen, sollte den Kreishaushalt um eine sechsstellige Summe entlasten. Eine vollständige Umstellung gab es zwar nicht, doch die Grünen würden das Rad nun gerne ganz zurückdrehen.

150.000 Euro Mehrkosten im Jahr

Fraktionschef Herbert Goldmann schätzt die Mehrkosten, die dem Kreishaushalt durch die Reinigung in Eigenregie entstehen würden, grob auf 150.000 Euro im Jahr. Aus mehreren Gründen hält er sie aber für gerechtfertigt. Zum einen hat sich die Haushaltssituation in den vergangenen Jahren deutlich und kontinuierlich verbessert. Zum anderen habe der Kreis Unna als öffentlicher Arbeitgeber eine Pflicht, für soziale Standards zu sorgen und Menschen in sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse zu bringen.

In Richtung der SPD, die sich bekanntlich seit Langem vehement für einen Sozialen Arbeitsmarkt stark macht, sagt Goldmann: „Wir können nicht immer einen Sozialen Arbeitsmarkt fordern, aber die hierfür notwendigen Schritte im eigenen Haus unterlassen.“ Durch den Antrag für die nächste Kreistagssitzung, die übrigens erst am 9. Oktober stattfindet, wird aus Goldmanns Sicht die politische Glaubwürdigkeit der Kreispolitik getestet.

Perspektiven für Langzeitarbeitslose

Die Rückführung der Reinigungsleistungen in die eigenen Hände könne vielleicht sogar zukünftig einigen Langzeitarbeitslosen eine berufliche Perspektive bieten, sagt der sozialpolitische Sprecher der Grünen, Jochen Nadolski-Voigt. In der Tat läuft das Bundesprogramm Soziale Teilhabe, das rund 700 Langzeitarbeitslosen eine Beschäftigung gebracht hat, zum Jahresende aus – bisher ersatzlos. Inwiefern die Teilnehmer etwas von der Einführung des Sozialen Arbeitsmarktes haben werden, ist noch unklar.

  • Die Kreisverwaltung steht dem Vorstoß der Grünen nicht nur offen gegenüber, sondern hat das Thema intern bereits aufgegriffen, wie Sprecherin Constanze Rauert am Freitag sagte. „Wir schauen, dass wir unsere Verantwortung als Arbeitgeber und für den Haushalt miteinander vereinbaren“, so Rauert.
  • Neben den bekannten Bürogebäuden wie den beiden Kreishäusern gehören auch die Berufskollegs und Förderschulen zum Gebäude-Portfolio des Kreises. Bei der Reinigung kommen derzeit sowohl Mitarbeiter des Kreises als auch von beauftragten Fremdfirmen zum Einsatz.