Beschimpfungen der Tafel-Mitarbeiter in der Corona-Krise: So vergrault man Engagement

dzKommentar

In der Corona-Krise wird Engagement mehr denn je gebraucht. Wenn jetzt aber die Mitarbeiter der Tafel im Kreis Unna beschimpft werden, gefährdet man genau dieses wichtige Gut. Ein Kommentar.

Unna

, 27.03.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 1 min

Seit 15 Jahren versorgt die Tafel im Kreis Unna bedürftige Menschen mit Lebensmitteln. 15 Jahre, in denen ein nahezu unveränderter Mitarbeiterstamm Woche für Woche an den Ausgabestellen steht, Lebensmittel sortiert und verteilt. Mitarbeiter, die alle nicht mehr jung sind. Der Job bei der Tafel – das ist keiner, den die jungen Berufstätigen machen. Das sind die Rentner und die alleinstehenden alten Damen, fast alle über 70 Jahre alt. Und alle eint dieselbe Motivation: Sie wollen helfen.

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„Jetzt diejenigen, die sonst immer helfen, im Stillen, ohne viel Aufsehens zu machen, zu beschimpfen und ihnen vorzuwerfen untätig zu sein, das ist nicht nur traurig, das geht schlicht und einfach auch nicht.“

Dass sie es ausgerechnet jetzt in der Corona-Krise nicht können, liegt zum Einen an ihnen selbst: Sie gehören plötzlich zur Risikogruppe, sind selbst am meisten gefährdet, sich mit dem neuen Virus anzustecken. Eine Essensausgabe mit über hundert verschiedenen Menschen an einem Ort könnte da schlimme Folgen haben. Zum eigenen Schutz müssen sie zuhause bleiben – und wer die Helfer der Tafel kennt, kann ahnen, wie schwer das etlichen von ihnen fallen wird.

Gleichzeitig sind es die völlig irrationalen Hamsterkäufe, die die Arbeit der Tafel zum Erliegen gebracht haben. Wenn diejenigen, die das Geld dafür haben, mehr kaufen, als sie rational benötigen, bleibt für die, die ohnehin weniger haben, nichts mehr übrig. Allein das ist schon traurig genug.

Jetzt aber diejenigen, die sonst immer helfen, im Stillen, ohne viel Aufsehens zu machen, zu beschimpfen und ihnen vorzuwerfen untätig zu sein, das ist nicht nur traurig, das geht schlicht und einfach auch nicht. Einrichtungen wie die Tafel werden auch nach Corona gebraucht – vermutlich mehr denn je. Wer sie jetzt beschimpft und beleidigt, vergrault damit möglicherweise dringend notwendiges Engagement. Und das kann sich unsere Gesellschaft nicht leisten – auch nach Corona nicht.

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