Klimaschutz: Kreis Unna müsste jährlich 39 Millionen Plastikflaschen einsparen

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Der Kreis Unna hat sich zum Klimaschutz bekannt und den Klimanotstand ausgerufen. Seine Bürger aber haben noch Nachholbedarf. Das zeigt ein Blick auf die Mehrwegquote bei Getränken.

Kreis Unna

, 28.10.2019, 15:18 Uhr / Lesedauer: 2 min

Junge Menschen, die sich für den Klimaschutz einsetzen, müssen sich immer wieder sagen lassen, sie lebten selbst nicht so, dass sie das Klima schonen. Selbst wenn das so ist, sind sie im Kreis Unna damit offensichtlich nicht allein. Das sagt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG).

Im Kreis Unna könnten demnach pro Jahr rund 39 Millionen Einwegflaschen allein bei Mineralwasser und Erfrischungsgetränken eingespart werden – wenn Hersteller und Handel konsequent die gesetzliche Mehrwegquote einhielten.

Mehrwegquote deutlich unter dem Soll

Die NGG Dortmund geht bei der Berechnung von einem statistischen Pro-Kopf-Verbrauch von jährlich rund 148 Litern Mineralwasser und 116 Litern Erfrischungsgetränken aus. Hier lag der Anteil wiederbefüllbarer Mehrwegflaschen nach Angaben des Umweltbundesamts zuletzt bei lediglich 33 Prozent. Gesetzlich vorgeschrieben ist seit diesem Jahr jedoch eine Mehrwegquote von 70 Prozent. Für die Differenz von 37 Prozent ergäbe sich, ausgehend von einer durchschnittlichen Flaschengröße von einem Liter, im Kreis Unna eine Plastik-Ersparnis von 39 Millionen Flaschen.

Diese Zahl ist gewaltig – auch angesichts der Tatsache, dass der Kreis Unna den Klimanotstand ausgerufen hat. Die Möglichkeiten der Politik, daran etwas zu ändern, erscheinen aber gering. Die Bürger müssen vor allem selbst aktiv werden, Politik und Verwaltung können sie zur Nutzung von Mehrwegflaschen lediglich ermuntern.

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„Einwegflaschen drücken massiv auf die heimische Umweltbilanz. Denn die Plastikflaschen, auf die es 25 Cent Pfand gibt, werden nach nur einer Benutzung zerschreddert und aufwendig recycelt“, sagt Gewerkschafter Manfred Sträter.

Mehrweg verbessert Ökobilanz

Dagegen ersetzt eine 0,7-Liter-Wasserflasche aus Glas bei der Ökobilanz 37 PET-1-Liter-Flaschen. Zu diesem Schluss kommt die Deutsche Umwelthilfe (DUH). Das Mehrwegsystem sei dabei nicht nur in puncto Umweltschutz wichtig, so Sträter. „Wenn Flaschen aus Glas oder robustem Plastik gesammelt, gereinigt und befüllt werden, dann sichert das auch Arbeitsplätze in der Getränkebranche. Sie beschäftigt rund 10.300 Menschen in Nordrhein-Westfalen.“

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Die NGG ruft die Getränkehersteller und den Handel dazu auf, den „Einweg-Trend auf Kosten von Umwelt und Jobs“ zu beenden. Auch die Politik dürfe nicht länger tatenlos dabei zusehen, wie Mehrwegflaschen vom Markt gedrängt würden, betont Sträter.

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