Kirchentag: Wer hat noch ein Bett frei?

dzPrivatquartiere

Für den Evangelischen Kirchentag in Dortmund werden händeringend Privatquartiere gesucht – auch im Kreis Unna. Familie Eppmann hat sich bereits angemeldet und freut sich auf den Besuch.

Kreis Unna

, 30.03.2019, 16:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es wird ein Fest der Superlative: Zum Deutschen Evangelischen Kirchentag vom 19. bis 23. Juni in Dortmund werden 200.000 Besucher erwartet – aus Deutschland und der ganzen Welt. Doch wer von auswärts kommt, braucht auch eine Herberge für die Nacht – ein schwieriges Unterfangen, wenn die Hotels der Stadt bereits komplett ausgebucht und die Gemeinschaftsquartiere in Schulen und Turnhallen belegt sind. Da ist Gastfreundschaft gefragt – auch bei den Menschen im Kreis Unna.

„Wir brauchen insgesamt 8000 Privatquartiere“, betont Stephan von Kolson, Pressesprecher des Kirchentags. Bisher sei man bei etwa 3200 – viel zu wenig, wenn man bedenke, dass man bis Ostern alle Betten zusammenhaben wolle und noch nicht mal bei der Hälfte sei. „Vielleicht denken einige, dass bis Juni ja noch reichlich Zeit ist. Aber es ist total wichtig, dass sich Gastgeber jetzt melden, weil wir die Vergabe der Plätze ja auch koordinieren müssen“, appelliert von Kolson an die Menschen in Dortmund und der Umgebung.

Überschaubare Zahlen

Denn nicht nur in Dortmund selbst werden Unterkünfte gesucht. In der gesamten Region – zwischen Lünen und Hagen sowie Unna und Essen – sollen Kirchentagsgäste unterkommen. Noch sind die Zahlen für den Kreis Unna allerdings überschaubar: Während in Unna bislang 147 Privatquartiere gemeldet wurden, sind es in Schwerte 119, in Lünen 104, in Kamen 65 und in Holzwickede 14.

Kirchentag kostet 18 Millionen Euro

  • Der Deutsche Evangelische Kirchentag ist eineBewegung, die seit 1949 besteht und alle zwei Jahre in einer anderen Großstadt zu Gast ist.
  • Der 37. Deutsche Evangelische Kirchentag findet vom 19. bis 23. Juni in Dortmund statt.
  • Insgesamt kalkuliert der Kirchentag mit Ausgaben von 18 Millionen Euro, die wie üblich je zu einem Drittel aus öffentlichen Mitteln, von der Landeskirche und durch den Verkauf von Eintrittskarten getragen werden.
  • Das Land Nordrhein-Westfalen beteiligt sich mit 3,9 Millionen Euro. Die Veranstaltung sei keine reine innerkirchliche Veranstaltung, sondern ein wichtiges, öffentliches Forum zur Diskussion gesellschaftlicher Herausforderungen, teilte die zuständige Bezirksregierung Arnsberg mit. Die Stadt Dortmund hat 2,7 Euro Finanz-Förderung bewilligt.
  • Weitere Informationen zum Kirchentag gibt es online unter www.kirchentag.de

Familie Eppmann aus Unna ist mit gutem Beispiel vorangegangen und hat sich bereits registrieren lassen. „Unsere Tochter Marie hat uns darauf gebracht. Sie absolviert derzeit ihren Bundesfreiwilligendienst beim Kirchentag“, erzählt Mutter Petra. Da war es quasi eine Selbstverständlichkeit, dass die Familie sich als Gastgeber meldet.

Doch Petra Eppmann weiß auch, wie es ist, selbst Gast zu sein. Als Jugendliche sei sie unter anderem beim Kirchentag in Düsseldorf gewesen. „Da haben wir in Bundeswehrzelten ohne Boden geschlafen. Ich weiß noch, wie kalt das war“, erinnert sich die heute 52-Jährige. Schön sei es trotzdem gewesen.

Miteinander im Mittelpunkt

Wen die Familie beherbergen wird, steht noch nicht fest. Das soll Mitte Mai bekannt gegeben werden. „Platz ist für vier Personen. Wir könnten zum Beispiel eine Familie mit zwei Kindern aufnehmen“, sagt Petra Eppmann. Die Unnaerin ist schon sehr gespannt auf ihren Besuch: „Irgendwie ist es auch ein kleines Abenteuer. Ich hoffe, dass wir gutes Wetter haben, dann können wir vielleicht gemeinsam etwas unternehmen, zum Kirchentag fahren oder abends grillen.“

Das Miteinander steht beim Kirchentag ohnehin im Mittelpunkt. Die Veranstaltungen seien so interaktiv wie nie zuvor, hob Generalsekretärin Julia Helmke bei der Programmvorstellung hervor. Erstmals gebe es mitten in der Stadt ein großes Workshophaus mit mehr als 160 Veranstaltungen. Offene Podiumsdiskussionen und ein Jugend-Zentrum in einer aus Schiffscontainern errichteten Kirche sollen zur Diskussion und Beteiligung einladen. Bei Großgottesdiensten auf verschieden Plätzen in Dortmund sowie zum Abschluss im Westfalenstadion werden Zehntausende Menschen erwartet.

Reichlich Polit-Prominenz

Und auch reichlich Polit-Prominenz hat sich angekündigt. So werden neben Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Außenminister Heiko Maas (SPD) auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und alle seine lebenden Amtsvorgänger zu dem Großereignis erwartet.

Das Motto „Was für ein Vertrauen“ ist die inhaltliche Klammer für das Programm aus Vorträgen, Gesprächs- und Diskussionsrunden, Bibelarbeitskreisen und Mitmachaktionen. „Damit werden wir auch ein Zeichen setzen gegen die Spaltung und Polarisierung der Gesellschaft“, ist Kirchentagspräsident Hans Leyendecker überzeugt. Thematisch soll es unter anderem um den Klimaschutz, soziale Schieflagen und den Missbrauch in der Kirche gehen.

Wer sich den Kirchentag also wie eine Art Konfirmationsunterricht im XXL-Format vorgestellt hat, liegt völlig falsch. Das ist auch Petra Eppmann aus Unna wichtig, zu betonen: „Es ist einfach ein großes Fest, bei dem es um religiöse und politische Themen geht, um gute Laune, das Mit- und Füreinander.“ Auch Tochter Marie weiß, dass ein Kirchentag alles andere als langweilig ist. „Bei so einem Kirchentag herrscht eine ganz besondere Atmosphäre. Da geht es total familiär zu, auch wenn man sich gar nicht kennt“, erinnert sich die 19-Jährige an die letzte Ausgabe in Berlin.

Damit möglichst viele Menschen dabei sein können, braucht es allerdings noch ein paar Privatquartiere. Familie Eppmann appelliert daher an alle potenziellen Gastgeber in der Region, ein Bett bereitzustellen. „Es wäre toll, wenn noch mehr Leute, auch ohne Kirchentags-Erfahrung, einen Gast bei sich aufnehmen würden, um diese tolle Erfahrung zu machen“, findet Marie. (Mit Material von dpa)

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Haushalt verabschiedet
CDU und FDP im Angriffsmodus: So leidenschaftlich war die Haushaltsdebatte im Kreistag
Hellweger Anzeiger Nach Räumung
„Kiki Island“: Zwölfjähriger soll Bombendrohung gegen Indoor-Spielhalle verschickt haben
Hellweger Anzeiger Mitgliederentscheid
Walter-Borjans und Esken: Das hält Kaczmarek von den neuen Parteichefs der SPD