Wieso die Evangelische Kirche Handwerker, Finanzexperten und Organisationstalente braucht

dzKirchenkreis Unna

Kirche von unten gestalten – in der Evangelischen Kirche hat das Tradition. Und deswegen werden jetzt Männer und Frauen gesucht, die Lust haben, als Kirchenvorstand zu arbeiten.

Unna, Holzwickede, Fröndenberg, Bergkamen

, 13.11.2019, 12:37 Uhr / Lesedauer: 2 min

Kirchenvorstand. Das klingt nach verstaubtem Ehrenamt. Dass die Arbeit als Presbyter ganz schön aufregend sein kann, zeigt allein der Blick auf die Stadtkirche in Unna. Deren Sanierung wird von dem Presbyterium koordiniert – für die Männer und Frauen dieses Gremiums bedeutet das, dass sie plötzlich mit Millionensummen hantieren und Entscheidungen treffen mussten, die für die nächsten Jahrhunderte entscheidend für das Antlitz der Stadtkirche sein werden. Klingt nach einem Vollzeitjob – ist aber ein Ehrenamt. Und genau dafür sucht der Evangelische Kirchenkreis jetzt neue Mitstreiter.

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Martina Thalmann lächelt. Die Sängerin des Gospelchores „HeiLights“ aus der Martin-Luther-Kirchengemeinde in Bergkamen ist eines von vier „Models“, die auf Plakaten des Evangelischen Kirchenkreises Unna dafür werben, sich an der Kirchenwahl 2020 zu beteiligen – als Kandidat. Denn Martina Thalmann weiß, wie wichtig es ist, dass die Kirchengemeinden vor Ort kompetente und engagierte Kirchenvorstände haben.

Versammlungen in den Gemeinden

Kandidaten können sich noch bis zum 29. November melden

  • Damit in einer Gemeinde tatsächlich gewählt werden kann, braucht es mehr Kandidaten als Plätze: Alle volljährigen Gemeindemitglieder unter 75 Jahren können sich zur Wahl stellen.
  • Am 11. November startete das offizielle Wahlvorschlagsverfahren. Die Suche nach geeigneten Personen ist allerdings häufig schon vorher angelaufen. Bis zum 29. November werden noch weitere Vorschläge angenommen. Dazu reichen fünf Unterschriften für einen Kandidaten oder eine Kandidatin.
  • Zum Stand der Wahl in der jeweiligen Gemeinde finden im Laufe des Novembers überall Gemeindeversammlungen statt. Die einzelnen Termine in den Gemeinden:
  • Bergkamen: Martin-Luther-Kirchengemeinde Bergkamen, 15.11, 18 Uhr im Martin-Luther-Zentrum Oberaden, Preinstraße 38, Bergkamen
  • Fröndenberg: Ev. Kirchengemeinde Dellwig, 19.11., 20 Uhr, Gemeindehaus Billmerich, Holzwickeder Str. 1, Unna; Ev. Kirchengemeinde Frömern: 20.11., 19.30 Uhr, Gemeindehaus, Brauerstr., Fröndenberg
  • Holzwickede: Ev. Kirchengemeinde Holzwickede-Opherdicke, 17.11., im Anschluss an den Gottesdienst um 11 Uhr, Kirche am Markt, Holzwickede
  • Kamen: Ev. Kirchengemeinde zu Heeren-Werve, 21.11., 18 Uhr, Lutherzentrum, Mittelstr.
  • Unna: Ev. Kirchengemeinde Hemmerde-Lünern, 15.11., 19 Uhr, Ev. Kirche, Unna-Lünern; Ev. Kirchengemeinde Königsborn, 17.11., im Anschluss an den Gottesdienst um 10 Uhr, Paul-Gerhardt-Kirche, Fliederstr., Unna; Ev. Kirchengemeinde Unna, 17.11., im Anschluss an den Gottesdienst um 11 Uhr, Stadtkirche Unna

„Ohne Ehrenamt funktioniert vieles einfach nicht, gerade im kirchlichen Bereich“, sagt Thalmann. Ehrenamtliche Kirchenvorstände – das hat in der evangelischen Kirche Tradition. „Wir wollen daran festhalten, dass die Kirche von unten geleitet wird, auch wenn es immer schwieriger wird, die Menschen dafür zu finden“, sagt Dietrich Schneider, Pressesprecher des evangelischen Kirchenkreises Unna.

Rund 150 Kandidaten braucht es im Kirchenkreis

Ungefähr 150 Kandidaten werden kreisweit in den Gemeinden gesucht, um neue Kirchenvorstände zu bilden. Diese Leitungsgremien werden alle vier Jahre gewählt und kandidieren kann jeder, der Mitglied der evangelischen Kirche, über 18 Jahre und unter 75 Jahre alt ist. Wer gewählt wird, gestaltet das Kirchenleben im wahrsten Sinne des Wortes, denn das Presbyterium – so heißt das Kirchenvorstandsgremium – ist zuständig für alle Fragen des Gemeindelebens.

„Da geht es um die Gebäude, um Personal und um die Organisation“, erklärt Silke Dehnert, Öffentlichkeitsreferentin des Kirchenkreises, „Presbyter müssen Entscheidungen treffen, die nicht immer einfach sind, das sieht man jetzt zum Beispiel an der Stadtkirche in Unna. Da geht es um Millionensummen. Und es ist nicht immer einfach, die Wünsche der Gemeindemitglieder unter einen Hut zu bekommen.“

Um Entscheidungen zur sanierungsbedürftigen Stadtkirche in Unna treffen zu können, braucht es handwerklichen Verstand, gleichzeitig aber auch Finanzexperten, die im Blick behalten, was möglich ist und was nicht. Presbyter, die in diesen Bereichen Fachwissen mitbringen, sind also gefragt.

Gesunder Menschenverstand ist eine Grundvoraussetzung

„Wir freuen uns natürlich über Menschen, die fachliche Kompetenz in solchen Bereichen mitbringen“, sagt Schneider, betont aber auch: „Fachwissen kann auch einfach gesunder Menschenverstand sein. Wir brauchen Menschen, die organisieren können und die wissen, was vor Ort passiert.“

Wissen, was in der Gemeinde los ist – das hält auch Martina Thalmann für eine wichtige Voraussetzung für Kirchenvorstandskandidaten. „Die Mischung der Generationen ist wichtig, denn je nach Alter hat man einen ganz anderen Blick auf das, was in der Gemeinde los ist“, sagt sie.

Die Arbeit der Presbyter könne nicht hoch genug bewertet werden, findet sie: „Man muss als Kirchengemeinde ein Auge darauf haben, dass dieses Ehrenamt wertgeschätzt wird.“

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