Kinder im Kontaktverbot: „Tim braucht einfach seine Freunde wieder“

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Die Corona-Krise trifft uns alle. Über kleine Kinder wird bisher wenig gesprochen. Dabei wirken sich die Einschränkungen für sie zunehmend belastender aus. Eine Familie aus Holzwickede erzählt.

Kreis Unna

, 05.04.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit einigen Tagen schon zieren zwei Regenbögen die Fenster des Hauses von Familie Langer aus Holzwickede. Sie sollen signalisieren, dass in ihrem Haus zwei Kinder wohnen. So wie bei Langers leuchten gerade in vielen Fenstern in Holzwickede, im Kreis Unna und ganz Deutschland Regenbögen als Zeichen der Solidarität unter Familien in der Corona-Krise.

Kinder können sie beim Spazieren gehen suchen und zählen. Und lernen dabei zu verstehen, dass auch die anderen Kinder gerade zuhause bleiben müssen, dass sie nicht allein sind mit dieser ungewöhnlichen Situation.

Eine ganz normale Familie, deren Leben gerade Kopf steht

Der Alltag vieler Familien hat sich durch Corona komplett verändert. Sie spüren langsam, wie die Situation zunehmend belastender wird. Seit drei Wochen sind jetzt die Kitas geschlossen, seit zwei Wochen gilt das strenge Kontaktverbot.

Für den knapp vierjährigen Tim und seine Altersgenossen heißt das vor allem: keine Treffen mehr mit Freunden oder Nachbarskindern, kein Spielplatz, keine Besuche von Oma und Opa, keine Ausflüge ins Schwimmbad oder in den Zoo.

Für seine Mutter Julia und seinen Vater Dirk heißt das: Zusätzlich zum fünf Monate alten Säugling Nick, dessen Betreuung an sich schon ein Vollzeit-Job wäre, geben sie alles, um auch ihren „Großen“ so gut wie möglich zu beschäftigen.

Es gibt nichts zu jammern, kein Betreuungsproblem und einen Garten

Jammern liegt ihnen fern. Sie ist in Elternzeit, sie haben kein Betreuungsproblem. Und die Familie hat ein eigenes Grundstück mit Garten. Es gibt ein Spielhaus, einen Sandkasten, ein Trampolin. Andere, etwa Familien in kleinen Mietwohnungen oder Alleinerziehende, sind deutlich schlechter dran.

„Tim“, sagt seine Mutter, „kann hier viel machen.“Aber der Junge werde es langsam leid. „Ihm fällt zunehmend die Decke auf den Kopf. Ihm fehlen total die sozialen Kontakte.“

Beim Spazieren gehen, mehr bleibt ja kaum an Aktivität außerhalb des eigenen Grundstücks, hätten sie neulich Tims besten Kumpel mit seiner Familie getroffen. Es gilt das Prinzip Hoffnung: „Es ist den beiden schwer gefallen, Abstand zu halten. Aber sie haben schon Pläne geschmiedet, was sie machen, wenn Corona endlich vorbei ist.“

Die Kinder kennen alle das Coronavirus

Doch erstmal kam die ernüchternde Nachricht, dass sämtliche Einschränkungen auf jeden Fall bis zum Ende der Osterferien aufrechterhalten werden. Für Kinder, die in diesem Alter inzwischen alle das Wort Coronavirus beherrschen, aber kein Zeitgefühl haben, heißt das vor allem: Auch Ostern findet ohne Oma und Opa statt.

Doppelt schade findet Julia Langer das, weil ihre eigene Oma, die Uroma von Nick und Tim, an Ostersonntag auch noch Geburtstag hat. Es ist schon eine beachtliche Zeit der Entbehrungen, die allen Beteiligten einiges abverlangt. Auch den Kleinsten in unserer Gesellschaft.

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Wie die meisten Familien halten sich die Langers an das Kontaktverbot, das gerade die Großeltern-Generation schützen soll.

Die Kinder brauchen ihre Freunde wieder

Jung und Alt eint die Hoffnung auf eine Lockerung der Maßnahmen zum Ende der Osterferien. Einen Säugling und ein Kindergartenkind gleichzeitig zu betreuen, sei ein riesiger Spagat, sagt Julia Langer, „einer nörgelt eigentlich immer“.

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Tim brauche einfach seine Freunde wieder, und er freue sich schon wieder riesig auf den Kindergarten. Wann er wieder hingehen darf, kann derzeit niemand sagen.

Die Regenbögen mögen auch als Symbol der Hoffnung dafür stehen, dass es nicht mehr allzu lange dauert.

Charlotte (4) aus Holzwickede ist eines von vielen Kindern, das in den vergangenen Tagen einen Regenbogen ins Fenster gemalt hat. Er zeigt an: In diesem Haus wohnt ein Kind. Und allen anderen Kindern, die ihn sehen, signalisiert er: Ihr seid nicht allein in dieser Situation.

Charlotte (4) aus Holzwickede ist eines von vielen Kindern, das in den vergangenen Tagen einen Regenbogen ins Fenster gemalt hat. Er zeigt an: In diesem Haus wohnt ein Kind. Und allen anderen Kindern, die ihn sehen, signalisiert er: Ihr seid nicht allein in dieser Situation. © Kohues

Die vierjährige Tochter des Autors dieser Zeilen sagte zu diesem Thema am Freitag ungefragt: „Coronavirus ist Mist. Papa darf nicht zur Arbeit fahren, ich darf nicht in den Kindergarten. Wir dürfen nur zuhause sein, immer nur zuhause. Das ist so langweilig.“
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