Corona statt Corolla und Corsa: Ohne Bote läuft die Kfz-Zulassung nicht

dzEingeschränkter Behördenservice

Kein Zutritt zum Kreishaus: Damit ist Autofahrern der Weg zur Kfz-Zulassungsstelle verwehrt. Wer ein Auto an- oder ummeldet, braucht dafür einen für den Online-Service freigeschalteten Personalausweis – oder Leute wie Christiane Rabe.

Kreis Unna

, 30.03.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Schlechte Zeiten für Autoverkäufer: Bei den Händlern fällt durch die Corona-Krise der erwartete Frühjahrsboom aus. Die Nachfrage ist in einer Zeit wirtschaftlicher Unsicherheit eingebrochen und die Showrooms der Autohäuser sind wie viele andere Läden zwangsgeschlossen. „Das verbliebene Geschäft läuft online oder telefonisch“, sagt Wilhelm Jonas vom gleichnamigen Opel-Vertragshändler in Unna.

Ohne Zulassungsdienst keine neuen Papiere

Wer trotz oder gerade wegen der Corona-Krise jetzt ein Auto anschafft, bekommt seinen Autoverkäufer möglicherweise nur kurz bei der Schlüsselübergabe oder Probefahrt zu Gesicht. Das ist immerhin noch mehr Service, als derzeit bei einem Gang zur KFZ-Zulassungsstelle zu erwarten ist. Manche Kunden müssen verdutzt feststellen, dass die Tür der An-, Um- und Abmeldestelle wie das gesamte Kreishaus als Schutzmaßnahme gegen Corona geschlossen ist. „KFZ-Zulassungen sind nur noch über Händler und Zulassungsdienste möglich. Alle Termine werden abgesagt, neue können bis auf Weiteres nicht vereinbart werden“, teilte der Kreis Unna bereits am 17. März mit.

Zulassungsstelle

Nur Kfz-Abmeldung online

  • Einen Online-Service bietet die Kfz-Zulassungsstelle in Unna für Gelegenheitskunden nicht an – mit einer vorübergehenden Ausnahme: Die Abmeldung eines Kraftfahrzeugs ist per Briefpost möglich.
  • Ein Abmeldeformular ist bei www.kreis-unna.de als Download erhältlich. Dieses wird ausgefüllt und dann zusammen mit der Zulassungsbescheinigung (Teil 1) im Original, den Nummernschildern und der Angabe einer Rücksendeanschrift an die Kfz-Zulassungsstelle geschickt.

Stellt sich die Frage für Autokäufer, wo sie vor Ort einen Zulassungsdienst finden, der noch Zugang zum Amt bekommt und die Formalitäten erledigen darf. Autohändler lassen sich kaum für diesen Zweck einspannen, wenn man den Wagen nicht dort, sondern von privat gekauft hat. Es gibt zwar noch das Online-Portal der Kfz-Zulassungsstelle stva.kreis-unna.de, aber dies nützt nur den Inhabern eines dafür freigeschalteten Personalausweises. „Bei den Onlineangeboten ist seit Schließung der Verwaltung für den Publikumsverkehr ein Anstieg von Anträgen zu verzeichnen“, erklärt Behördensprecherin Constanze Rauert. Auch die Zahl der Anrufe sei gestiegen. Die Behörde sah sich aufgrund der Anfragen schon nach wenigen Tagen gezwungen, wenigsten die Abmeldung von Autos auf dem Postweg zu ermöglichen.

Nicht jeder Nummernschildpräger ist ein Zulassungsdienst

Die Suche nach einem Zulassungsdienst in der Nachbarschaft des Kreishauses führt zuerst zu den vier Nummernschild-Prägern an der Friedrich-Ebert-Straße: EHA, Astorga, Tönjes und Rabe. Nicht alle bieten den Zulassungsservice an, aber geöffnet sind derzeit ohnehin nur Tönjes und Rabe.

Kunden geben die nötigen Dokumente für die Zulassung bei Tönjes im Laden ab. Der bundesweite Anbieter schaltet dann einen Partner ein, den Märkischen Zulassungsdienst (MKZ). Tönjes-Bereichsleiter Kai Wichmann bittet die Kunden um Geduld, dass es zu einigen Tagen Bearbeitungszeit kommt, bis Papiere und Nummernschilder abholbereit sind. Der Zulassungsdienst müsse selbst erst einen Termin im Kreishaus bekommen.

Christiane Rabe an der Prägemaschine für Nummernschilder.

Christiane Rabe an der Prägemaschine für Nummernschilder. © Borys Sarad

Ganz neu im Angebot ist der Zulassungsdienst bei der Autowerkstatt Rabe. Der Familienbetrieb prägte bislang lediglich Nummernschilder. Inhaber Frank Rabe und seine Frau Christiane reagieren auf Anfragen von Kfz-Haltern, die nicht wissen, wie sie ihr Auto an-, um- oder abgemeldet bekommen. Das Werkstattgeschäft hat wegen der Corona-Krise stark nachgelassen. „Es gehen nicht viele Leute raus. Das Geld ist überall knapp, da denken die Leute nicht zuerst an ihr Auto, sondern eher an Klopapier“, meint Christiane Rabe.

Boten werden an der Tür abgefangen

Auch die Boten der Zulassungsdienste kommen zunächst nicht weiter als bis zur Tür der Verwaltungszentrale. „Sie geben ihre Taschen und Anträge an der Tür ab und werden angerufen, wenn diese bearbeitet und fertig sind“, erklärt Behördensprecherin Rauert. „Bearbeitet werden nur vollständige Anträge, wenn die Kennzeichenschilder schon beigefügt sind. Die Möglichkeit, die Kennzeichenschilder während der Bearbeitungszeit oder im Nachhinein zu besorgen, gibt es nicht mehr.“ Nur beim Abholen und Bezahlen dürfen die Vermittler das Gebäude kurz betreten. Das Prozedere gilt sowohl für die Zulassungsstelle in Unna als auch für die Filiale in Lünen. Diese wickeln – Stand 2018 – rund 18.000 Neuzulassungen pro Jahr ab.

Wunschkennzeichen weiter möglich

Auf einen ganz bestimmten Service brauchen Autohalter in der Corona-Zeit nicht zu verzichten: Das UN- oder LÜN-Wunschkennzeichen kann online oder unter Tel. 02303/27-3700 reserviert werden.

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