Schutz vor Coronavirus: Justizvollzugskrankenhaus in Fröndenberg ist abgeriegelt

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Im JVK Fröndenberg wurden Schutzmaßnahmen vor dem Coronavirus getroffen. Während das Personal den Kontakt mit den Insassen kaum verhindern kann, treffen viele Einschränkungen die Häftlinge.

Fröndenberg

, 28.03.2020, 08:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Besucher müssen derzeit leider draußen bleiben. Auch im Justizvollzugskrankenhaus Fröndenberg (JVK) mussten in den vergangenen Wochen Schutz- und Vorsichtsmaßnahmen zur Abwehr des Coronavirus getroffen werden. Personal und Inhaftierte müssen Abstand wahren, auch wenn das nicht immer möglich ist. Auch ein Besuchsverbot gibt es mittlerweile, wie Joachim Turowski, Leiter des JVK, erzählt.

„Wir haben eigentlich noch Glück“, ist mit das Erste, was Turowski über die Lippen kommt, als das Wort Coronavirus fällt. Im Vergleich zu den anderen Krankenhäusern in der Umgebung gehe es im JVK noch gemäßigt zu. „Bei uns ist es vor allem Vorsichts- und Vorbereitungsarbeit, die wir hier machen.“

Das bedeutet unter anderem, dass im JVK auf das Abstandsgebot geachtet wird, das auch außerhalb gelte. „Keine Rudelbildung zum Beispiel“, sagt Turowski. „Und auch keine externen Besucher mehr.“

Abstand halten nicht umsetzbar

Für die Pflegekräfte sei es jedoch nicht umsetzbar, einen Abstand von zwei Metern zu ihrem Umfeld zu wahren. Sie müssten ihre Patienten berühren, und sei es nur zum Blutdruck messen. Da im JVK bislang noch kein Corona-Fall aufgetreten ist, kümmere man sich vor allem darum, dass das auch so bleibt und die Pflegekräfte ihrer Arbeit weiter ungehindert nachgehen können.

Auch das Personal muss auf Abstandhaltung achten und Gruppen vermeiden.

Auch das Personal muss auf Abstandhaltung achten und Gruppen vermeiden. © Archiv

Während im Inneren fast alles seine gewohnten Wege geht, werden also besonders Neupatienten mit Vorsicht behandelt. „Die werden ausführlich und gründlich gescreent“, so Turowski. Die Mitarbeiter würden dabei Schutzmaske und Kittel tragen. Es gehe vor allem darum, den Virus jetzt nicht ins JVK zu lassen.

Personal draußen mehr gefährdet als bei der Arbeit

Dabei ist die Wahrscheinlichkeit vergleichsweise gering, dass jetzt ein Infizierter eingeliefert wird. Das Land Nordrhein-Westfalen hat die Aufnahme neuer Insassen deutlich zurückgefahren. Der verhängte Vollstreckungsstopp für Ersatzfreiheitsstrafen und kurze Freiheitsstrafen soll helfen, den Justizvollzug zu entlasten und auf das Coronavirus vorzubereiten. „Unsere Angestellten sind derzeit beim Einkaufen mehr gefährdet als im Justizvollzugskrankenhaus“, so Turowski.

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Doch der Leiter des JVK ist vorsichtig optimistisch. In ein paar Tagen würde sich zeigen, ob die Schutzmaßnahmen Wirkung zeigen. Dann sind die Patienten, die schon länger im Krankenhaus sind, bereits zwei Wochen dort. Das JVK hätte also erste, vorsichtige Gewissheit, ob es das Virus schon zu ihnen geschafft hat. „Alle, die dann schon zwei Wochen hier sind, sind dann relativ sicher.“

Justizvollzugskrankenhaus abgeriegelt

Die größte Einschränkung erfahren die Inhaftierten beim Besuchsverbot. „Es gibt derzeit ein flächendeckendes Besuchsverbot im Justizvollzug“, sagt Turowski. Schutzkleidung wäre derzeit knapp. „Man könnte die Besucher nicht so zubinden, dass sie niemanden infizieren können.“

Daher darf niemand rein. Das Justizvollzugskrankenhaus sei „zum Leidwesen der Gefangenen abgeriegelt“, so Turowski. Doch die meisten Insassen würden verstehen, dass das derzeit erforderlich ist.

Nun hofft der JVK-Leiter nur darauf, dass es der Virus nicht in die Räumlichkeiten des Krankenhauses schafft. „Wir haben hier ein großes Problem im Vollzug, wir können räumliche Nähe nicht verhindern. Es ist hier drinnen viel enger als draußen.“ Wenn einer der Häftlinge sind infiziert, könnten die anderen kaum ausreichend geschützt werden.

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