Kassenärzte warnen: Arztbesuch nicht aus Corona-Angst verschleppen

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Ältere und chronisch kranke Menschen, aber auch andere Patienten scheuen offenbar aus Angst vor dem Coronavirus den Gang zum Arzt. Kassenärzte sprechen von einer „gefährlichen Entwicklung“.

Unna, Kamen, Bergkamen, Fröndenberg, Holzwickede

, 15.06.2020, 15:57 Uhr / Lesedauer: 2 min

Angesichts der Coronavirus-Pandemie und nach der Schließung von Corona-Teststellen sehen Kassenärzte eine anhaltende Scheu bei kranken Menschen, eine Arztpraxis aufzusuchen. Die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) tritt in einer Pressemitteilung der Sorge entgegen, dass beim Besuch einer Praxis Ansteckungsgefahr droht.

„Viele ältere und chronisch kranke Patienten, aber auch Patienten mit akuten Symptomen, scheuen immer noch den Gang in die Praxen – aus Angst, sich mit dem Virus anzustecken. Das ist eine gefährliche Entwicklung, die wir nicht zulassen dürfen“, erklärte der KVWL-Vizevorsitzende und Hausarzt Dr. Volker Schrage am Montag. „Bis ein Impfstoff gegen das SARS-CoV-2-Virus vorliegt, müssen wir uns alle auf ein Leben mit dem Virus einrichten.“

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Die Arztpraxen haben seit dem Beginn der Pandemie ihre Abläufe den verschärften Hygienevorschriften angepasst. Als die Infektionszahlen stiegen, wurden zentrale Corona-Teststellen, unter anderen in Unna, Schwerte und Lünen, eingerichtet. Mit sinkenden Zahlen wurde diese bis Anfang Juni wieder aufgelöst. Neu ist, dass Patienten mit Corona-Verdacht nun ausschließlich in den Arztpraxen untersucht und getestet werden sollen. Damit sich die Wege von möglichen Corona-Infizierten und anderen Patienten nicht kreuzen, bieten die Ärzte laut KVWL spezielle Infektionssprechstunden an.

Notwendige Untersuchungen nicht aufschieben

„Schieben Sie notwendige Untersuchungen nicht weiter auf! “
Thomas Müller, KVWL

Die KVWL führt in ihrer aktuellen Mitteilung nicht aus, ob die Angst von Patienten vor einem Arztbesuch durch die Umorganisation gefördert worden ist. Die aus Sicht der Kassenärzte nicht gerechtfertigte Scheu vor dem Arztbesuch wird eher mit einer allgemeinen Verunsicherung erklärt. „Viele Bürger sind nach den prägenden Ereignissen der vergangenen Wochen und den Erfahrungen, die sie durch die weltweite Corona-Pandemie in den verschiedenen Lebensbereichen gemacht haben, verunsichert. Mittlerweile kehrt jedoch eine neue Normalität in unser gesellschaftliches Leben zurück und diese muss nun auch für die ambulante Versorgung gelten“, erklärt KVWL-Vorstandsmitglied Thomas Müller.

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Wer eine Erkrankung aus Angst vor einer Coronavirus-Infektion verschleppt, erweist seiner Gesundheit keinen Dienst. Müller appelliert an die Patienten: „Schieben Sie notwendige Untersuchungen nicht weiter auf! Auch Routineuntersuchungen und Präventionsangebote sind wichtig und sollten nun wieder wie gewohnt in Anspruch genommen werden. Die Haus- und Fachärzte in Westfalen-Lippe sind auf die neue Situation vorbereitet.“

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Auf Kritik an der Schließung der Teststellen, die etwa von Landrat Michael Makiolla (SPD) geäußert worden war, geht die KVWL nicht ein. Die aktuelle Stellungnahme trägt den Titel „Ambulante Versorgung in Westfalen-Lippe: Zurück zur Normalität“. Aufgrund der insgesamt niedrigen Infektionszahlen richteten die KVWL und ihre Mitglieder den Blick nun nach vorn. Inzwischen seien die jeweils knapp 30 Corona-Diagnose- und Behandlungszentren wieder geschlossen und größtenteils zurückgebaut worden, heißt es. Die ambulante medizinische Versorgung finde damit wieder in den regulären Praxisstrukturen statt.

Bei Corona-Verdacht: Nicht unangemeldet zur Praxis kommen

Weiterhin gilt laut KVWL: Patienten, die den Verdacht haben, sich mit dem Coronavirus angesteckt zu haben oder die Symptome einer Atemwegserkrankung aufweisen, sollten ihren behandelnden Arzt in jedem Fall zunächst telefonisch kontaktieren und auf unangemeldete Praxisbesuche verzichten. Der Arzt werde dann das weitere Vorgehen gemeinsam mit dem Patienten besprechen. Auf diese Weise solle die Ausbreitung möglicher Infektionsketten weiterhin unterbunden werden.

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