Das Ziel war von Anfang an klar: Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderungen schaffen. Zwei Jahre nach dem Start ist dem Verein „Weiter trotz Handicap“ aber klar: Ohne andere wird diese Selbsthilfe nicht funktionieren.

Kreis Unna

, 02.10.2018, 15:57 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Ziel war von Anfang an ambitioniert. „Wir möchten Begriffe wie Integration und Inklusion nicht immer nur hören, sondern auch leben und erleben“, hatten Michael Goerdes und Volker Feiweier vor rund zwei Jahren zur Gründung des Vereins „Weiter trotz Handicap Kreis Unna“ gesagt. Die Intention der beiden Lüner war es, eine gemeinnützige Gesellschaft zu gründen, unter deren Dach Arbeitsplätze im Hotel- und Gastrogewerbe für Menschen mit Behinderungen entstehen sollten. Aufgegeben hat das ambitionierte Duo freilich nicht – nur ist ihr Optimismus ein Stück weit der Realität gewichen. „Es ist schwierig, da etwas zu bewegen“, ist Goerdes unüberhörbar frustriert. „Man bekommt Steine in den Weg gelegt und dreht sich letztlich immer wieder im Kreis.“

„Viele, gerade auch in der Politik, finden unsere Idee ganz toll – wirklich weiterhelfen kann uns keiner.“
Michael Goerdes

Wie so oft – es scheitert bislang am schnöden Mammon. Schon für die bloße Gründung einer gemeinnützigen Gesellschaft braucht es ein Stammkapital in Höhe von 25.000 Euro – utopisch für den jungen Verein, dessen Funktionäre deshalb zunächst auf Fördergelder gehofft hatten. Doch auch dafür braucht es in aller Regel Eigenmittel in nicht unerheblicher Höhe, die der Verein schlichtweg nicht aufbringen kann. Die finanziellen Hürden seien zu groß, sagt Goerdes. Ans Aufgeben denken will er nicht; nur werden die Ziele des Vereins sich ohne einen finanziell potenten Investor wohl kaum realisieren lassen. Dabei gibt es in der Region gute Beispiele, wie so etwas auch langfristig funktionieren kann.

Erfolgreiche Beispiele in der Region

Sozialgesetz

5-Prozent-Qutoe ist Pflicht

  • Betriebe mit mindestens 20 Mitarbeitern sind verpflichtet, schwerbehinderte Menschen zu beschäftigen. Wer die im Sozialgesetzbuch geregelte Quote von fünf Prozent nicht erfüllt, muss für jeden fehlenden Arbeitsplatz für Schwerbehinderte eine monatliche Ausgleichsabgabe leisten, die derzeit bei 125 bis 320 Euro liegt.
  • Wie die Agentur für Arbeit mit Verweis auf eine Statistik aus 2016 erläutert, unterlagen im Kreis Unna damals 715 Betriebe der sogenannten Beschäftigungspflicht und mussten zusammen 5525 Arbeitsplätze für schwerbehinderte Menschen vorhalten – davon waren 4040 besetzt, 1485 nicht.
  • Gemessen an der Gesamtzahl der Beschäftigten in diesen Betrieben lag die Quote demnach bei 4,3 Prozent und somit leicht unter der gesetzlich geforderten Fünf-Prozent-Marke. 2012 hatte die Quote im Kreis Unna noch bei 4,6 Prozent gelegen.

In der Stadt Werl etwa gibt es das Café Dreiklang, in dem Menschen mit und ohne Behinderung nun schon seit zehn Jahren inmitten der Innenstadt ganz selbstverständlich zusammenarbeiten. Es ist täglich geöffnet, bietet von kleinen Speisen bis zu Verköstigung größerer Gesellschaften eigentlich das komplette Portfolio einer ganz normalen Gastronomie. Besonders ist nur, was in Zeiten ausdrücklich gewollter Inklusion eigentlich längst normal sein sollte. Träger des Cafés ist ein gemeinnütziger Verein, der neben der Gastronomie noch ein Tagungshaus in Werl-Büderich und eine Wohneinrichtung für Kinder und Jugendliche in Werl-Sönnern betreibt. In Dortmund versteht sich das Integrationshotel Neuhaus als ganz besondere Adresse – wenngleich auch hier letztlich nur ein Team aus Menschen mit und ohne Behinderungen zusammenarbeitet. 2010 eröffnet, ist das Drei-Sterne-Haus bis heute eine Rarität. Vergleichbare Häuser im weiteren Umkreis gibt es etwa in Witten und Soest. Hinter allen stehen gemeinnützige Gesellschaften (gGmbH) – so, wie auch der Verein „Weiter trotz Handicap Kreis Unna“ ursprünglich eine gründen wollte.

„Viele, gerade auch in der Politik, finden unsere Idee ganz toll – wirklich weiterhelfen kann uns keiner“, bedauert Goerdes. Und so wird die Ambition von damals vorerst wohl nur eine hehre Idee bleiben. Ans Aufgeben denkt aber keiner: Allerdings versteht sich der Verein bis auf Weiteres vor allem als kreisweites Forum für Betroffene.

Fragen zur Beschäftigung schwerbehinderter Menschen und gleichgestellter Personen beantwortet der Arbeitgeberservice der Arbeitsagentur unter Tel. (0800) 4555520 oder über ein Kontaktformular im Internet.
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