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IHK: Wirtschaft braucht Flächen – sonst gibt es kein Wachstum mehr

dzWirtschaftsförderung

Flächen für Gewerbe und Industrie werden im Kreis Unna knapp, die Zeit der großen Neuansiedlungen scheint vorbei. Die IHK sagt aber, dass es diese Flächen auch künftig brauche, sonst gebe es kein Wachstum mehr.

Kreis Unna

, 11.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Angesichts nur noch 58 Hektar sofort vermarktbarer Flächen und weiteren 93 in der Hinterhand sprach der Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Kreis Unna (WFG) kürzlich von einem „nachhaltigen Gewerbeflächenmanagement“ als Geschäftsmodell der Zukunft. Dr. Michael Dannebom meinte damit etwa die Wiederverwertung bereits erschlossener und genutzter, im Laufe der Jahre aber brachgefallener Areale. Je nachdem, wer nach der Kommunalwahl 2020 an der Spitze der Kreisverwaltung steht, könnte die Wirtschaftsförderungspolitik sich aber möglicherweise noch deutlicher verändern. Stichwort: Umweltschutz. „Nur Flächenversiegelung kann es nicht mehr sein“, sagte etwa die stellvertretende Vorsitzende der Grünen-Kreistagsfraktion, Anke Schneider, nach der Europawahl, und hatte dabei vor allem den jüngsten WFG-Coup im Kopf. Zwischen Kamen und Unna entsteht direkt an der A1 auf einer ehemals landwirtschaftlich genutzten Fläche von 18,2 Hektar die neue Zentrale der Einzelhandelskette Woolworth. Dort wird zweifellos jede Menge Fläche versiegelt, auf der anderen Seite entstehen aber auch bis zu 1000 neue Arbeitsplätze.

„Balance aus Ökonomie, Ökologie und sozialer Verantwortung“

Während die Grünen die Ansiedlung aus ökologischen Gesichtspunkten kritisch sehen, hat die Industrie- und Handelskammer (IHK) naturgemäß eher die positive wirtschaftliche Seite im Blick. „Wirtschaft braucht Flächen, ohne Flächen kann die Wirtschaft nicht wachsen“, sagte der Dortmunder IHK-Präsident Heinz-Herbert Dustmann am Dienstag im Gespräch mit unserer Redaktion. Und das nicht, ohne auf die seit Jahren sinkende Zahl der Arbeitslosen zu verweisen. Es gelte freilich, die Balance zu finden aus Ökonomie, Ökologie und sozialer Verantwortung.

Kraftwerksstandorte reaktivieren

IHK-Hauptgeschäftsführer Stefan Schreiber führte hierfür das Beispiel der vier Kraftwerksstandorte im Kreis Unna an. Im Zuge des Kohle-Ausstiegs bis 2038 soll es hier über kurz oder lang Nachfolgenutzungen geben, nicht nur aus Sicht der IHK bestenfalls durch neues Gewerbe, neue Industrie. „Wenn die Betreiber die Flächen zur Verfügung stellen, kann der Kreis sie reaktivieren“, sagte Schreiber und fügte hinzu: „Das würde doch dem Ansatz der Grünen entgegenkommen.“

Bund hilft mit einer Milliarde Euro

Beim Abbau der Altlasten helfen sollen Strukturhilfemittel aus Berlin, die sich Landrat Michael Makiolla in diesen Tagen noch einmal von allerhöchster Stelle bestätigen ließ. Bei einem Besuch der NRW-Landräte im Kanzleramt habe Bundeskanzlerin Angela Merkel bekräftigt, dass nicht nur die Braunkohlereviere, sondern auch die Steinkohleregionen wie der Kreis Unna von den Fördermitteln der Bundesregierung profitieren sollen. Speziell für die Regionen mit Standorten von Steinkohlekraftwerken sei vom Bund eine Milliarde Euro vorgesehen, so Makiolla.

Erneute Kritik am Regionalplan

Allein mit den vier Kraftwerksstandorten in Werne, Bergkamen und Lünen (2) lässt sich freilich auch in den kommenden Jahrzehnten keine erfolgreiche Wirtschaftsförderung bestreiten, wie die IHK-Spitzen weiter betonen.

Im Gespräch mit dieser Redaktion erneuerten sie ihre Kritik am Entwurf des Regionalplans Ruhr. Die Bedürfnisse der Wirtschaft kämen darin zu kurz – aus IHK-Sicht um genau 800 Hektar. Der gewerbliche Flächenbedarf für die kommenden 20 Jahre liege bei 2800 Hektar, und nicht wie im bisherigen Entwurf vorgesehen bei 2000 Hektar. Das letzte Wort ist dazu noch nicht gesprochen, möglicherweise kommt es bis zur geplanten Verabschiedung 2020 noch zu Änderungen, für die sich die Industrie- und Handelskammern aus dem Ruhrgebiet im Beteiligungsverfahren gemeinsam stark machen.

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