Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Idee für mehr saubere Luft

dzElektrobusse

Elektrobusse gelten als Hoffnungsträger für den öffentlichen Nahverkehr. Auch im Kreis Unna wird der Ruf nach dem umweltfreundlichen Antrieb laut. Doch so einfach ist eine Umstellung nicht.

Kreis Unna

, 05.01.2019 / Lesedauer: 3 min

Deutschlands Städte haben ein Problem. Mit bloßem Auge ist es kaum zu sehen, doch in der Auswirkung ist es ziemlich groß: Feinstaub verursacht durch Dieselmotoren. Insbesondere im Ruhrgebiet ist die Belastung mancherorts enorm hoch. Immer mehr Städte versuchen daher, mit Diesel-Fahrverboten und Luftreinhalteplänen gegenzusteuern. Auch im Kreis Unna hat man der dicken Luft den Kampf angesagt. Eine Idee: ein klimafreundlicherer öffentlicher Nahverkehr.

Diesen Ansatz verfolgt jedenfalls die Gemeinschaftsfraktion von GFL Lünen und UWG Selm im Kreistag. In einem Antrag für die nächste Sitzung des Ausschusses für Kreisentwicklung und Mobilität im März bittet sie die Verkehrsgesellschaft Kreis Unna (VKU) zu berichten, welche Maßnahmen das Unternehmen ergreift, um den Schadstoff-Ausstoß seiner Fahrzeug-Flotte zu minimieren. „Die VKU soll darlegen, welche Strategien des Umstiegs auf klimafreundliche Antriebe sie künftig fahren will“, betont GFL/UWG-Fraktionsvorsitzender Kunibert Kampmann.

Umweltfreundlichere Antriebe

Nach Ansicht der Gemeinschaftsfraktion muss der ÖPNV sauberer werden. Dazu gehöre auch der Einstieg der VKU in umweltfreundlichere Antriebe, zum Beispiel in Elektroantriebe. Seit 2014 hätten sich 45 Städte in Deutschland entschieden, Elektrobusse in ihre Nahverkehrsnetze einzubinden, Wuppertal setze auf Wasserstoff. Für den Kreis Unna stelle sich daher die Frage, „wann sich die VKU auf den Weg in die Zukunft macht“, so Kampmann. Entsprechende Fördertöpfe des Bundes wären dafür vorhanden, so der Fraktionschef.

Fahrzeugbestand der VKU

  • Bei der VKU verfügen laut der Nahverkehrsplanfortschreibung 2019 etwa 85 Prozent der Fahrzeuge über Motoren mit der Abgasnorm Euro 5 EEV oder Euro 6.
  • 45 Busse erfüllen die Euro 6-Norm. 34 Busse verfügen über den Abgasstandard EEV (Enhanced Environmentally Friendly Vehicle).
  • Sieben Busse mit Euro 6 werden in Kürze ihren Einsatz aufnehmen und ältere Modelle ersetzen.
  • Die VKU setzt zudem seit 2011 einen Bus mit Hybridantrieb ein.
  • Die Fahrzeuge der Subunternehmen weisen laut der Nahverkehrsplanfortschreibung 2019 allerdings noch zu 80 bis 90 Prozent die Abgasnorm Euro 4 oder schlechter auf.
  • Zahlreiche Fahrzeuge verfügen darüber hinaus noch nicht über einen Rußpartikelfilter.
  • Bei normaler Auslastung achtet die VKU stark darauf, dass nur Busse nach den neueren Normen eingesetzt werden. In Spitzenzeiten sind tatsächlich auch noch ältere Busse mit älteren Normen unterwegs.

Doch so einfach ist die Lösung nicht, glaubt Andreas Feld, Leiter des Verkehrsmanagements der VKU. Klimafreundliche Mobilität spiele seit Jahren eine große Rolle bei der Verkehrsgesellschaft. Deswegen würden bei Neuanschaffungen auch immer Busse mit den modernsten Standards und der höchsten Abgasnorm bestellt – auch wenn diese noch gar nicht Pflicht seien. Was eine mögliche Umstellung auf Elektrobusse betrifft, sieht Feld allerdings noch einige Probleme.

Hohe Anschaffungskosten

Da sind zum einen die immer noch relativ hohen Anschaffungskosten. Ein Elektrobus ist, analog zum Pkw, bei Kauf oder Leasing fast doppelt so teuer wie ein vergleichbares Modell mit Verbrennungsmotor. „Wir sind ein kommunales Unternehmen, da wird streng auf Wirtschaftlichkeit geachtet“, sagt Feld.

Weitere Probleme sind laut Feld die fehlende Infrastruktur sowie die geringe Reichweite von Elektrobussen. „Unsere Fahrzeuge legen teilweise Strecken von 350 Kilometer pro Tag zurück. Das ist mit einem Elektroantrieb nicht zu schaffen“, sagt er. Und dann sei da immer die Frage, wie, wann und wo der Bus wieder mit Strom versorgt werde.

CDU und SPD sind skeptisch

Ähnlich skeptisch steht Günter Bremerich dem Einsatz von Elektrobussen gegenüber. Der stellvertretende Chef der CDU-Fraktion im Kreistag und Vorsitzende des Ausschusses für Kreisentwicklung und Mobilität sitzt seit mehr als 15 Jahren im Aufsichtsrat der VKU und kennt die Rufe nach klimafreundlicher Mobilität. Prinzipiell sei gegen einen umweltfreundlichen ÖPNV auch nichts auszusetzen. Doch zum einen sei die Technik der Elektrobusse noch nicht ausgereift, zum anderen müssten Kosten und Nutzen immer im Verhältnis zueinanderstehen. „Es hilft nicht, in Aktionismus zu verfallen“, betont Bremerich.

Auch SPD-Kreistagsmitglied Jens Hebebrand aus Lünen ist nicht überzeugt von der Technologie. Es sei zum Beispiel immer noch fraglich, ob Elektrofahrzeuge tatsächlich viel umweltfreundlicher seien als Benziner oder Diesel. Der Sprecher für Kreisentwicklung und Mobilität bezweifelt auch, ob Elektrobusse überhaupt für den teils ländlich geprägten Kreis Unna geeignet seien.

Das erste Ziel für Hebebrand muss ohnehin sein, die Menschen dazu zu bringen, das Auto stehen zu lassen und auf den Bus umzusteigen. „Ein umweltfreundlicher ÖPNV bringt nichts, wenn keiner damit fährt.“

Lesen Sie jetzt