Hotelchefin nach Ende des Übernachtungsstopps: „Die Leute rennen uns nicht die Bude ein“

dzCorona-Krise

Hotels dürfen wieder Gäste aufnehmen, die keine Geschäftsreisenden sind. Doch das Ende des Übernachtungsstopps für Touristen ist für die Herbergen im Kreis Unna nur ein kleiner Lichtblick.

Kreis Unna

, 18.05.2020, 17:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Keine Übernachtungen zu touristischen Zwecken in Hotels und Pensionen – das galt bis einschließlich Sonntag. Dennoch weckt das Ende der Aufnahmebeschränkung in den Herbergen keine allzu großen Erwartungen, dass die Zahl der Buchungen nun in die Höhe schnellt und alle Mitarbeiter aus der Kurzarbeit zurückgeholt werden können.

„Die Leute rennen uns jetzt nicht die Bude ein“, sagt Barbara Boeckler vom „Neuen Hotel am Park“ in Fröndenberg. In dem 34-Betten-Haus waren am Wochenende rund sieben Gäste eingecheckt, am Montag waren es zwei. Dabei handelte es sich noch um Geschäftskunden, die von dem Verbot touristischer Übernachtungen nicht erfasst waren.

Die Nähe zum Ruhrtalradweg macht das Neue Hotel am Park attraktiv für Radler auf ihren Touren. „So langsam geht es los, aber dass ich jetzt vor Euphorie Purzelbäume schlage, kann ich nicht behaupten“, sagt die Geschäftsführerin über erste Reservierungsanfragen. Denn die Unsicherheit, in Corona-Zeiten zu verreisen, bleibt ja auch nach dem Ende der Aufnahmebeschränkungen. Und viele Geschäftskunden kehren noch nicht zurück, weil Unternehmen Kurzarbeit machen, noch nicht wieder voll arbeiten oder Meetings mit Kunden weiter per Videokonferenz abhalten.

Hotel Stadt Kamen bemerkt keinen Unterschied

Geschäftskunden gelten als wichtigster Umsatzbringer für heimische Hotels. Im Hotel Stadt Kamen mit 29 Zimmern am Kamener Marktplatz stellt Inhaberin Heike Schaumann keinen Unterschied in der Buchungslage fest. „Was nicht verwunderlich ist, weil Kamen kein Touristengebiet ist“, sagt sie. Was den Hotels üblicherweise in der Frühjahrssaison Übernachtungsgäste bringt – Familienfeiern, Klassentreffen oder Konfirmationen – das fällt weiterhin weg und Geschäftskunden machen sich rar.

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Achteinhalb Wochen lang, seit 18. März, waren keine touristischen Übernachtungen erlaubt, aber auch die davon ausgenommenen Geschäftsreisenden blieben aus. Hotels wie das Mercure Kamen-Unna nahmen deshalb zeitweise gar keine Buchungen mehr an. Der mit 104 Zimmern größte Übernachtungsbetrieb im Kreis Unna empfängt seit 26. April wieder Gäste, die aus beruflichen Gründen kommen – und seit 18. Mai auch wieder einen größeren Kreis. Insgesamt gibt es in 60 Herbergsbetrieben im Kreis Unna rund 3400 Betten.

Mercure Kamen-Unna mit „Breakfast Bag“

Im Mercure Kamen-Unna in Kamen gelten bekannte Hygieneregeln. Am Eingang und an der Rezeption sind Sicherheitsabstände markiert, nur ein Check-in-Schalter ist geöffnet, dieser ist mit einem Spuckschutz ausgestattet (wo die Mitarbeiter ausnahmsweise keine Maske tragen müssen). Aus hygienischen Gründen verzichtet das Hotel auf einen Koffer- und Garderobe-Service. Das beliebte Frühstücksbuffet fällt aus, so will es die Coronaschutzverordnung. „Das Frühstück wird bei Anreise individuell abgefragt und von unserem Küchenchef als Breakfast Bag vorbereitet, dies kann dann mitgenommen, im Hotelzimmer oder an einem Tisch in unserem Restaurant gegessen werden“, erklärt Hotelchef Jörg Belge. Darüber hinaus bleiben Restaurant und Bar weiter geschlossen.

Restaurant im Katharinen-Hof wieder geöffnet

Auch im Hotel Katharinen-Hof in Unna mit 99 Zimmern werden wieder Reservierungen angenommen. Erste Anfragen seien schon eingegangen, heißt es an der Rezeption. Wie viele andere Betriebe auch hatte das von Marc Lobert geführte Haus Kurzarbeit für die Beschäftigten angemeldet, als Kunden ausblieben.

Die aktuellen Lockerungen der Corona-Beschränkungen verschaffen den Hotels im Kreis Unna allenfalls einen kleinen Lichtblick, weil für die Beschäftigten vom Zimmerservice bis zum Barkeeper bei geringer Nachfrage wenig zu tun bleibt. Das hauseigene Restaurant „Camillo“ im Katharinen-Hof ist derweil mit eingeschränkten Öffnungszeiten wieder geöffnet.

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