Holzwickeder Behelfsmasken gehen an Pflegeeinrichtungen und Unternehmen in Not

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Nähen wird in Zeiten des Coronavirus zum Volkssport. Aber woher das nötige Material für Behelfsmasken nehmen? Eine Holzwickederin organisiert Stoffe und Garn fürs Nähen in der Gemeinde und darüber hinaus.

Holzwickede

, 05.04.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Auch wenn Andrea Wicke zuvor keinerlei Näherfahrung hatte und noch immer bescheiden sagt, dass andere Helfer aus ihrem Umkreis besser nähen als sie: Innerhalb von zehn Minuten fertigt auch sie mittlerweile eine ansehnliche und funktionstüchtige Behelfsmaske.

Über 70 dieser Stoffmasken freute sich unter der Woche auch Bernhard Pendzialek, Leiter des Holzwickeder Perthes-Hauses. „Noch haben wir Einmal-Schutzmasken. Aber die Vorräte gehen zur Neige und da sind wir über gespendete Stoffmasken sehr froh“, sagt Pendzialek.

Krankenhäuser und Ärzte haben bei Lieferungen von Einmal-Masken sowie den sogenannten FFP2- und FFP3-Masken derzeit Vorrang. Nur Letztere können auch den Träger vor einer Infektion schützen. Die einfachen Mund-Nase-Masken dienen dazu, dass der Träger sein Umfeld nicht kontaminiert.

Und hier setzen auch die selbst genähten Behelfsmasken an: Richtig gefertigt und stramm angelegt, können auch sie dafür sorgen, dass weniger Speicheltropfen beim Sprechen oder Husten in die Umwelt gelangen – und damit gegebenenfalls weniger Viren.

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Corona: Stoffmasken nähen mit Andrea Wicke

Die Holzwickederin Andrea Wicke näht nach dem Essener Modell. Sie selbst sagt, dass sie zuvor kaum Näherfahrung hatte und fertigt dennoch in wenigen Minuten eine mehr als akzeptable Maske. Absichtlich verzichtet sie auf Draht in den Masken. Stramm gebunden würden die Masken auch so eng anliegen und der Draht geht ihrer Meinung zulasten der Haltbarkeit - und das beziehe sich nicht allein auf die Masken sondern im ungünstigen Fall auch auf die Waschmaschine.
03.04.2020
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Zuerst bügelt Andrea Wicke die Tragebänder in Form. Eine Maske braucht zwei Bänder. Dafür faltet und bügelt sie je ein vier Zentimeter breites und 90 Zentimeter langes Stoffband in Form.© Udo Hennes
Für das Mundstück wird ein 19 mal 35 Zentimeter großes Stück Stoff auf links zusammengenäht.© Udo Hennes
Andrea Wicke hat auf ein Stück Pappe jeweils im Abstand von zwei Zentimetern Striche angesetzt. So kann sie gleichmäßig das Mundstück...© Udo Hennes
....dreifach falten. Den Stoff fixiert sie mit Klammern.© Udo Hennes
Bevor das gefaltete Mundstück genäht wird, fixieren auf jeder Seite je drei Klammern den Stoff.© Udo Hennes
Andrea Wicke näht knappkantig entlang des gefalteten Mundstücks. Dabei zieht sie Stück für Stück die Halteklammern ab. Ist das Mundstück per Naht in Form, werden nur noch die Tragebänder angenäht.© Udo Hennes
In weniger als zehn Minuten hat Andreas Wicke ihre Stoffmaske fertig genäht. Auch Sohn Marlon hat sein eigene Maskeund hilft gerne mit. In der Hand halten die beiden noch genug Zuschnitte für weitere 400 Masken.© Udo Hennes

Spenden für Einrichtungen in der Umgebung und deutschlandweit

Seniorenheime, Tagespflegedienste, Hebammen aber auch Taxiunternehmen sind daher dankbar über solche Spenden und wurden von Andrea Wicke auch schon beliefert – in Holzwickede, Unna und per Post auch schon deutschlandweit.

Potenzielle Näher

Genug Stoff für weitere Freiwillige

  • Wer ebenfalls nähen möchte und Stoff braucht, kann sich an Andrea Wicke wenden: andrea@trabiland.de
  • #wirhaltenzusammen: Wer bereits Masken näht oder braucht, kann sich gerne über unsere Hilfsaktion vernetzen.
  • Wir bündeln Angebot und Nachfrage: Hierzu einfach unter #wirhaltenzusammen das Kontaktformular ausfüllen.
  • Wir vermitteln dann zwischen Anbietern und Seniorenheimen, Pflegediensten und vergleichbaren Einrichtungen im Kreis Unna.
Holzwickeder Behelfsmasken gehen an Pflegeeinrichtungen und Unternehmen in Not

© Verlag

In den vergangenen drei Wochen hat sie sich ein Netz aus Näherinnen und Nähern sowie Materiallieferanten aufgebaut. „Ich habe auf Facebook in einer deutschlandweiten Gruppe bemerkt, dass viele Menschen nähen wollen, aber kein Material haben. Und ich konnte schon immer gut organisieren“, sagt Wicke. Sie zögerte nicht lange und nahm den Telefonhörer in die Hand.

Das führte zum Beispiel dazu, dass sie benötigtes Garn von Heike Willingmann aus dem Nähladen „Näh dich glücklich“ bekam. Besonders freute sie sich zudem über eine Spende des Holzwickeder Hotels Lohenstein. Rund 40 Bettwäschegarnituren waren hier übrig. „Aus einer Garnitur lassen sich 50 Stoffmasken aus Baumwolle fertigen“, weiß Wicke.

Masken werden vor Gebrauch heiß gewaschen

Mit dem Material versorgt sie beispielsweise ihre Mutter. Auch die Unnaerinnen Monika Krawietz und Brigitte Schnetzler sichern sich benötigtes Material über Andrea Wicke. Die Stoffe werden vor der Weiterverarbeitung gewaschen und auch bei der Übergabe bekommt jeder Empfänger den Hinweis, dass alle Masken vor Gebrauch nochmals heiß gewaschen werden müssen.

Wickes Engagement hat sich mittlerweile rumgesprochen: Öffnet sie den Briefkasten, fällt ihr schon mal eine Spende mit Garn aus der Nachbarschaft entgegen. „Besonders Garn ist momentan gefragt“, weiß Wicke. Bei ihr kommen später die fertigen Masken wieder zusammen – wer nähen will, muss sich auch nur darum kümmern. Alles andere organisiert die Holzwickederin.

„Wir geben die Behelfsmasken immer kostenlos und auch nur an Institutionen weiter, die sie wirklich benötigen“, sagt Wicke. Wer von privat also eine Stoffmaske möchte, muss sich anderweitig umschauen.

Der viel diskutierten Maskenpflicht steht Andrea Wicke offen gegenüber: „Natürlich sind unsere Masken kein Ersatz für die medizinische Schutzmasken. Und sie schützen auch nicht den Träger sondern maximal die Menschen im Umfeld. Aber wenn alle Menschen eine einfache Maske tragen müssten, wäre das dann wieder etwas mehr Schutz auch für einen selbst“, so Wicke.

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