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Heiße Dusche dank Sonnenschein

dzSonnenhaus

Noch immer wird in Gebäuden enorm viel Energie verschleudert. Doch das muss nicht sein, wie Familie Garvert in Werne zeigt. Sie lebt in einem Haus, das seine Energie aus der Sonne zieht.

Kreis Unna

, 12.01.2019 / Lesedauer: 4 min

Seit Tagen hat die Sonne nicht wirklich geschienen. Sorgen macht sich Till Garvert aus Werne deswegen nicht. „Im oberen Bereich des Wassertanks haben wir immer noch eine Temperatur von 62,8 Grad Celsius. Das reicht“, sagt er und tippt auf eine App auf seinem Tablet. In Echtzeit kann der 38-Jährige damit verfolgen, wie warm es gerade in den verschiedenen Räumen des Hauses ist, und auch die Temperatur regulieren. Öl oder Gas wird dafür nicht verbraucht. Denn Familie Garvert lebt in einem sogenannten Sonnenhaus – in einem Haus, das fast all seine Energie aus der Sonne zieht.

Hälfte des Energiebedarfs ist gedeckt

Mit dem Haus gehören Garverts zu den Exoten im Kreis Unna. Denn so viele gibt es davon nicht. Etwa 2000 Exemplare zählt das Sonnenhaus-Institut in Deutschland, die meisten davon in den sonnigeren Bundesländern Bayern und Baden-Württemberg. „Dabei ist das Prinzip so einfach“, schwärmt Till Garvert und lässt seinen Blick über das mit Solarmodulen und -kollektoren besetzte Dach des Hauses schweifen. „Und das Tolle ist, das rechnet sich ab der ersten Minute.“

Tatsächlich lässt sich mit einem Sonnenhaus ein Großteil der Energiekosten sparen. Denn mindestens die Hälfte des Energiebedarfs für Heizung und Warmwasser wird durch Solarenergie abgedeckt. Notwendig sind dafür eine thermische Solaranlage auf dem Dach, ein Wassertank im Haus und eine gute Wärmedämmung. Idealerweise ist das in Süden ausgerichtete Dach möglichst steil, damit auch die tief stehende Sonne im Winterhalbjahr genutzt werden kann.

Wassertank fasst 6500 Liter

Bei den Garverts fasst der Wassertank, der vom Keller bis in das Erdgeschoss reicht, 6500 Liter. Eine 30 Quadratmeter große thermische Solaranlage auf dem Dach sorgt dafür, dass das Wasser erhitzt wird. Die gespeicherte Wärme wird dann über eine Fußboden- und Wandheizung an die Räume abgegeben. Eine Photovoltaik-Anlage versorgt die Familie darüber hinaus mit selbst produziertem Strom. Etwa 30 Prozent davon nutzen die Garverts selbst, der Rest wird in das Netz eingespeist. In Zeiten fehlender Sonne muss Strom hinzugekauft werden.

So ganz ohne konventionelle Energieträger kommt nämlich auch das Sonnenhaus nicht aus. Jetzt im Winter, wenn die Sonne mal ein paar Tage nicht scheint, muss das Wasser im Tank über einen Holzvergaser-Ofen erhitzt werden, sonst bleiben Heizung und Dusche kalt. Zwei Mal pro Woche wirft Till Garvert den Ofen derzeit an, in besonders sonnenarmen Zeiten auch häufiger.

Heiße Dusche dank Sonnenschein

Seit knapp vier Jahren leben Christina und Till Garvert mit ihren Kindern Mathilda (v. l.), Carlotta und Jona in ihrem Sonnenhaus in Werne. Auch beim Bau haben sie auf ökologische Materialien gesetzt. © Bettina Hesse

„Wohnen ohne schlechtes Gewissen“

Seit fast vier Jahren wohnt die fünfköpfige Familie nun in ihrem Sonnenhaus in Werne – und sie fühlt sich rundum wohl, erzählt der 38-Jährige, der als Lehrer in Dortmund arbeitet. In ihrem früheren Haus mit Ölheizung habe er immer darauf geachtet, dass die Heizkörper tagsüber runtergedreht wurden, die Türen im Haus nicht offen standen. „Heute drehen wir die Heizung einfach auf, denn Energie ist genug da. Das ist ein ganz unbeschwertes Wohnen ohne schlechtes Gewissen“, sagt Till Garvert.

Doch nicht nur die Solaranlage schont die Umwelt, auch auf eine ökologische Bauweise des 140 Quadratmeter großen Hauses haben Garverts geachtet. Zum einen wurde der bereits vorhandene Keller des früheren Hauses auf dem Grundstück als Basis für den Neubau genutzt. Große Holzträger bilden das Gerüst des Hauses. Die Wände wurden mit Lehm verputzt.

Bauweise hat ihren Preis

Doch die ökologische Bauweise hat ihren Preis. Die Gesamtkosten für ein Sonnenhaus liegen etwa zehn Prozent höher als bei einem herkömmlichen Haus. Dafür sind die Energiekosten verschwindend gering. Etwa 90 Euro im Jahr kostet das Holz, das Garverts zum Anheizen ihres Ofens im Winter benötigen. In ein paar Jahren dürften sich die höheren Investitionskosten damit amortisiert haben.

Doch Familie Garvert geht es nicht in erster Linie um das Geld. Ihnen ist es wichtig, Energie zu sparen. Denn der weltweit stetig wachsende Verbrauch fossiler Energieträger ist eines der größten Probleme der Erde. Etwa 87 Prozent des Bedarfs werden nach Angaben der Internationalen Energie Agentur mit Erdöl, Kohle und Gas gedeckt. Doch die Vorräte schwinden. Und wer fossile Stoffe verbrennt, heizt damit nicht nur sein Haus, sondern auch den Klimawandel an. Familie Garvert würde es daher freuen, wenn sie mit ihrem Haus bald nicht mehr zu den Exoten gehören würden.

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